GoldenProjectile hat geschrieben: 8. September 2021 20:28
Für mich gibt es aktuell drei Möglichkeiten:
1. Safin ist eine Neuinterpretation von Dr. No, das muss nicht einmal heissen dass er ein ähnlich käsiges Sätzchen à la "My real name is" spricht wie Blofeld in SP, es kann auch eine Art Spitzname sein, aber es wird im Film zumindest für Fans klar dass er als No-Reboot beabsichtigt war und alles was Malek und Fuku verzapfen sind die üblichen "Presselügen" wie schon bei Blofeld oder wem auch immer.
2. Es wird im Film offengelassen, wir sehen und wissen nur was wir sehen und wissen, dann wäre die Figur nach allem was etwa schon die Trailer zeigen quasi Dr. No ohne so genannt zu werden und jegliches Dementieren geht ins Leere, weil die Figur an sich halt einfach Dr. No "ist". Come on, Malek wirkt in den Trailern eigentlich schon näher an der Originalfigur Dr. No als Waltz' Oberhauser an der Originalfigur Blofeld (könnt ihr auf die Romanfigur, Tony Dawson oder Donald Pleasance beziehen).
3. Es gelingt dem Film tatsächlich, sich von dem No-Bezug zu entfernen und mich Lügen zu strafen, vor allem aber, mich direkt zu überzeugen dass er wirklich nichts oder kaum etwas mit Dr. No gemeinsam hat. Bin ich gerne offen für, aber ich kann mir ehrlich gesagt aktuell kaum vorstellen wie der Film das glaubwürdig hinbekommen will.
Sehr guter Beitrag! Ich denke, du hast die "Möglichkeiten", wie es sich um Professor Nein in No Time To Die nun verhalten wird, recht passend zusammengetragen. Aus meiner Sicht ist die Katze längst aus dem Sack und es würde mich an der Stelle wirklich wundern, wenn wir einen solchen "Twist" nicht im Film zu sehen bekommen. Sollte das aber dann tatsächlich so sein, und Malek darf einfach nur Safin spielen, dann bin ich der Letzte, der traurig drum ist. Ich brauche diese ganzen alten Charaktere aus dem Fleming-Material nicht – erst recht nicht all die, die für frühere Filme schon verbraucht wurden. Malek kann gerne 'Shatterhand' spielen, den hatten wir noch nicht (so ganz) – und der scheint ohnehin teilweise Vorbild für Safin gewesen zu sein (basierend auf dem, was die Trailer bislang über die Figur verraten).
Einen Gedanken muss ich aber noch hinzufügen und zwar: Warum ein Dr. No Twist ziemlicher Unsinn wäre - und weshalb er gerade deshalb wahrscheinlich ist!
Das größte Gegenargument gegen eine Rückkehr vom Neinsager-Arzt ist die Sinnlosigkeit dahinter, es so lange geheimzuhalten. Wie meine ich das? Nun, wie funktioniert ein guter Plottwist, bei dem die Identität einer Figur enthüllt wird? Beispiel: In "Die üblichen Verdächtigen" geht es im ganzen Film darum, wer sich hinter dem ominösen Namen Keyser Söze verbirgt. Erst die letzte Szene löst das auf und gibt uns somit ein Gesicht zu einem Namen, den wir vorher nur gehört haben. Eine andere Möglichkeit ist der erste "Phantastische Tierwesen". Hier entpuppt sich der Schurke am Ende plötzlich als Grindelwald, ein Name, der zuvor bereits im Potter-Kosmos etabliert wurde und mächtige Implikationen dafür offenbart, in welche Richtung es mit dieser Figur weitergehen wird.
Soll heißen: Ein "Namenstwist" ergibt nur Sinn, wenn der Name VOR der Figur etabliert wird. Hören wir in "Batman und das Phantom" den ganzen Film über vom Phantom und erfahren erst im Grande Finale, wer sich wirklich hinter der Maske des Phantoms verbirgt, dann hat das ein dramaturgisches Gewicht, weil eine vorher in einem anderen Kontext stehende Figur durch die Enthüllung rekontextualisiert wird – sie verschwimmt mit der angedeuteten oder sogar gezeigten zweiten Personalie.
Der Namenstwist in SP um Ernst Stavro Blofeld funktioniert deshalb nicht, weil der Name Blofeld für Bond nichts bedeutet. Wenn wir seit CR von einem Mann namens Blofeld gehört hätten, der unaussprechlich grausame Dinge tut, und dann in SP vor vollendete Tatsachen gestellt worden wären, dann hätte diese Entwicklung sehr viel besser gepasst, weil die Figur Franz Oberhauser schlagartig mit dem vermengt worden wäre, was wir bereits unter dem Pseudonym Blofeld kennen. In SP passiert das aber nicht. Der Name bietet die Assoziation nur für den Zuschauer.
Ähnliches warf man "Star Trek: Into Darkness" vor, als sich dort mitten im Film der Terrorist John Harrison als "Khan" outete. Ein Name, der vorab im Film keinerlei Rolle spielte, und daher auch kein Gewicht mit sich brachte. Die Rolle entschied einfach, jetzt bitte mit einem anderen Namen angesprochen zu werden. Nur die Zuschauer wussten: Khan ist der Schurke aus dem alten Kanon, und konnten daher von nun an antizipieren, was dieses Name Dropping für den Fortlauf von "Into Darkness" bedeuten könnte.
Aus meiner Sicht ist der Twist in "Star Trek: Into Darkness" zwar misslungen, aber trotzdem noch besser als die Blofeld-Enthüllung in SP. Wieso? Nun: Die Kenntnis darüber, dass John Harrison in Wahrheit "Khan" ist, mag uns nur dann bereichern, wenn wir den alten Trek-Kanon kennen, aber zumindestens bringt es uns DANN irgendeinen Mehrwert. Es verrät uns etwas über die Figur, über seine Intentionen und es gibt uns Möglichkeiten, aus diesem Vorwissen den Verlauf der restlichen Handlung abzuleiten. Bei SP ist das nicht gegeben: Denn Franz Oberhauser mag sich jetzt Ernst Stavro Blofeld nennen, der einzige Mehrwert, den uns das im Hinblick auf den früheren Kanon aber liefert ist, dass Blofeld einst der Anführer von SPECTRE gewesen ist – und das wissen wir bereits über Oberhauser. Mit anderen Worten: Selbst wenn der Twist nur außerhalb des Film-Kontexts betrachtet werden soll, liefert er keinen Erkenntniszugewinn. Waltz hätte einfach von Anfang an Blofeld heißen können.
Mit "Dr. No" wird es in NTTD (sollte der Twist eintreffen) nicht anders sein: Wenn die Autoren entschieden haben, Malek zu Dr. No zu machen, bleiben ihnen zwei Möglichkeiten. 1.) Sie führen den Namen Dr. No ein, bevor sich Safin outet. 2.) Safin erklärt einfach irgendwann, dass er auch als Dr. No bekannt ist. Und Option 1) wäre vollkommen sinnlos, leider. Denn da wir bereits wissen, welche Bedeutung Dr. No im Bond-Kanon hat, wäre damit die Überraschung, um WEN es sich bei Dr. No handelt, sofort passé. Also bleibt ihnen nur Option Nr. 2 – und wenn die Nennung von Dr. No nur Name Dropping sein sollte, dann lässt sie sich problemlos beliebig an jeder möglichen Stelle des Films leisten.
Aber: Auch nur dann ergibt es Sinn, vorab nicht direkt Malek als neuen Dr. No zu outen. Wenn erst der Moment der Enthüllung uns offenbart, dass Dr. No sich im Film befindet (so wie erst Waltz's Name Dropping uns verrät, dass Blofeld Teil des Films ist), dann muss das vorher auch vernünftigerweise ein Geheimnis bleiben – sonst hätten sie die Figur direkt statt Safin auch Dr. No nennen können.