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Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 14. April 2013 09:02
von AnatolGogol
NickRivers hat geschrieben:Ich empfehle Dir mal Bernhard Tavernier "Der Lockvogel".
hihihi, ich finde es immer wieder drollig wie der gute Nick von der irrigen Annahme ausgeht, dass alle Bondfans einen äußerst begrenzten filmischen Horizont haben müssen - da sie ja ansonsten sicherlich keinen Gefallen an so albernen Dämlichkeiten wie den Fleming-VErfilmungen finden würden. Dass er dann auch noch ausgerechnet dem nachweislich filmisch völlig unbeleckten geschätzten Mitforisten Maibaum Vorschläge zur Erweiterung seines filmischen Horizonts unterbreitet entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 14. April 2013 10:35
von Maibaum
Nick, Der Lockvogel kenne ich, und eine Menge anderer Filme von Tavernier. Nur kann weder dieser Film (was hat der überhaupt mit Bond zu tun?) noch der von dir geschätzte A Dandy in Aspic mir irgendwie dabei helfen Bond nicht mehr zu mögen.
Ich bin auch ein großer Fan der Romane von John Le Carre, der, ganz anders als Ian Fleming, für den vergleichsweise "realistischen" und "anpruchsvollen" Agententhriller steht. Aber ich habe kein Problem damit sowohl mit Bond wie auch mit Le Carre meinen Spaß zu haben. Das eine schließt das andere für mich nicht aus.

Ich kann Ingmar Bergman genauso faszinierend finden wie Sam Peckinpah, David Lynch, Federico Fellini, Stanley Kubrick, Park Chon Wook oder auch einen Bond wie QoS. Ein absolut logisch gebauter Film der mich begeistert schließt nicht aus auch gleichzeitig einen auf die Logik scheißenden Film zu lieben. Es kommt immer auf den Film im einzelnen an.

Logik alleine macht noch lange keinen guten Film. Ich kann dir versichern, solange du nur versuchst Bond Filme mit deinem zu limitierten Ansatz nach Wahrscheinlichkeit und Logik zu beurteilen ist es vollkommen sinnlos dir noch weitere anzuschauen. Ich verrate dir ein Geheimnis: die sind tatsächlich alle so!

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 14. April 2013 19:12
von NickRivers
Hi Maibaum: den Bond-Machern nehme ich es ab, dass sie 007 selber nicht besonders ernst nehmen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass viele Bond-Fans das nicht so sehen.
Batman, Superman etc. sind einfach Comics, und das ist Bond auch. Damit ist das alles aber nur nette Illusion und Dahinphantasiererei, mehr nicht. Aber ich habe da Zweifel, dass ich damit bei den Bond-Fans scoren werde.
Mit Illusion kann ich alles und jeden zum Actionstar machen, wie z.B. in diesem lustigen Video Wildenten:
https://www.youtube.com/watch?v=6_BGKyAKigs

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 14. April 2013 19:15
von danielcc
Was hat dir hier bisher das Gefühl gegeben, dass die Bondfans (hier) alles für Ernst nehmen? vor allem wo doch wir hier dir seit Wochen immer wieder mitteilen, dass man das alles nicht zu ernst nehmen darf???

Im Übrigen ist Kino vor allem Unterhaltung und muss in den seltensten Fällen "ernst" genommen werden. Wohin gegen ich die Leistungen der Beteiligten an der Entstehung der Filme sehr wohl ernst nehme und ihnen Respekt zolle. Da steckt in jedem Bondfilm mindestens genauso viel Leistung drin, wie in den Filmen die du gerne als leuchtende Beispiele der gepflegten, ernstzunehmenden Unterhaltung anführst

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 14. April 2013 19:15
von Maibaum
Man kann Bond auch ernst nehmen ohne ihn ernst zu nehmen.

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 14. April 2013 19:22
von danielcc
Maibaum hat geschrieben:Man kann Bond auch ernst nehmen ohne ihn ernst zu nehmen.
Das geht natürlich auch

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 15. April 2013 08:33
von NickRivers
HM? Als ich noch klein war, war ich ein Riesenfan von Winnetou und Tarzan. Das Interesse erlosch allerdings, als mir bewusst wurde, dass es weder den edlen Urwaldwilden noch den Öko-Indianer je gab. Heute könnte ich diese Filme nicht einmal mehr 5 Minuten lang ansehen, da ich diese unweigerlich mit Kitsch assoziiere.
Es wäre mir jetzt ein leichtes, Bond ebenfalls Kitsch zu unterstellen, aber das verfängt, trotz dass da nicht eine gewisse verlogene Agenten-Romantik mitspielt, nicht.
Betrachte ich die Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, dann fällt auf, dass mit Ausnahme von "Titanic" alle Filme entweder aus dem Comic oder Fantasy Bereich kommen (Avatar, Transformers, Harry Potter etc.).
Vermutlich reiht sich Bond da jetzt auch ein.
Erfolgreich bist Du, wenn Du mit Emotionen und Bildern spielen kannst. Der Riesenerfolg der Tansformers Serie trotz extremst schlechter Kritiken (Teil 2 hatte den Rotten Tomato Score von sagenhaften 19%!![SF zum Vergleich für mich allerdings unfassbare 92%!!]) mag exemplarisch dafür herhalten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_erfolgreicher_Filme
BTW: es überrscht, dass SF NICHT der erfolgreichste Film 2012 war. The Avengers ist ja m.W. nach auch eine Comic Sci Fi -Verfilmung

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 15. April 2013 09:07
von danielcc
NickRivers hat geschrieben: Es wäre mir jetzt ein leichtes, Bond ebenfalls Kitsch zu unterstellen, aber das verfängt, trotz dass da nicht eine gewisse verlogene Agenten-Romantik mitspielt, nicht.
Ist dir mal aufgefallen, dass du in nahezu jeder deiner Mails solche Pseudo-Rückzieher ankündigst, um dich dann doch lang und breit zu just diesem Thema auszulassen?

Natürlich muss nicht alles, was erfolgreich ist, auch intelligent, künstlerisch wertvoll oder gar "anspruchsvoll" sein. Aber als Produzent macht man alles richtig, wenn man ein bestimmtes Publikum im Auge hat und das dann auch genau erreicht und begeistert. Das schaffen die Bondmacher seit 50 Jahren.

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 15. April 2013 13:12
von Maibaum
So lange man nur am Geld interessiert war hat man dann natürlich alles richtig gemacht.

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 15. April 2013 13:16
von danielcc
Maibaum hat geschrieben:So lange man nur am Geld interessiert war hat man dann natürlich alles richtig gemacht.
Ich möchte dein Weltbild nicht zerstören aber daran sind Produzenten im allgemeinen interessiert ;-)

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 15. April 2013 13:33
von Maibaum
Nein, nicht alle.

Was nicht im Umkehrschluß bedeuten soll daß diese daran interessiert wären Flops zu produzieren.

Außerdem kann man auch mit niveauvollen Filmen Geld verdienen. Alles richtig hat man gemacht wenn die Kasse stimmt, der Film mit Preisen überschüttet wird, und auch die Kritiker einen lieben. Kann vorkommen ...

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 15. April 2013 15:49
von danielcc
Maibaum hat geschrieben:
Außerdem kann man auch mit niveauvollen Filmen Geld verdienen. Alles richtig hat man gemacht wenn die Kasse stimmt, der Film mit Preisen überschüttet wird, und auch die Kritiker einen lieben. Kann vorkommen ...
Stimmt, wie im Falle von Skyfall :-)

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 15. April 2013 20:23
von Maibaum
Ja, ein wenig

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 17. April 2013 07:36
von NickRivers
Hm? Stellt Euch einfach mal die Frage, wie würde bei Euch die Kritik ausfallen, wäre dieselbe Handlung statt in SF sagen wir in einer B-Serie von Hausnummer SAT1 a'la "Detlev Kläglich -unser Mann beim MAD- Übernehmen Sie!" ausgestrahlt worden?
"Billigster B-Movie Trash", "So was käme nicht mal bei Bastei Lübbe durch", "Drehbuch war wohl aus VHS-Kurs von Wanne-Eickel über "Kreatives Schreiben" geklaut"...

Re: Filmbesprechung: "Octopussy"

Verfasst: 17. April 2013 09:11
von danielcc
NickRivers hat geschrieben:Hm? Stellt Euch einfach mal die Frage, wie würde bei Euch die Kritik ausfallen, wäre dieselbe Handlung statt in SF sagen wir in einer B-Serie von Hausnummer SAT1 a'la "Detlev Kläglich -unser Mann beim MAD- Übernehmen Sie!" ausgestrahlt worden?
"Billigster B-Movie Trash", "So was käme nicht mal bei Bastei Lübbe durch", "Drehbuch war wohl aus VHS-Kurs von Wanne-Eickel über "Kreatives Schreiben" geklaut"...
Du weißt, wer die Story zu SF geschrieben hat?
Im Übrigens: Der Erfolg von SF geht weit über das normale Bond-Publikum hinaus. Das heißt viele Leute die Bond gar nicht so gut kennen und schon gar keine Fans sind, haben den Film geschaut. Daher ist deine Schlussfolgerung - die ja in Richtung "Rosarote-Fan-Brille" geht, sicherlich nicht zutreffend.

Im Übrigen sind sich fast alle hier - also auch die Fans - der Schwäche im Drehbuch bewusst. Aber es tut dem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Ganz abgesehen davon dass ein paar unlogische Dinge nicht die Qualität der Dialoge beeinträchtigen.