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Re: Romanbesprechung: Colonel Sun (Markham / Amis, 1968)

Verfasst: 10. Februar 2026 15:33
von Nico
Ich fasse mich bei den Nach-Flemings jetzt mal ein bisschen kürzer:

CS als erster Bond aus der Feder eines anderen Autoren hat mir gut gefallen. Markham imitiert Flemings Schreibstil sehr gekonnt, beschreibt auch detailliert, aber nicht so ausufernd und anstrengend wie Fleming. Griechenland und seine Inseln werden schön beschrieben, ich fühlte mich fast wie vor Ort, der Handlung ist leicht zu folgen, es werden prägnante Charaktere geschaffen, sowohl böse Baddies als auch sympathische Verbündete. Lange Zeit bleibt unklar, worum es eigentlich geht, für meinen Geschmack etwas zu lange. Auffällig auch, dass die Handlung quasi sofort startet. Man hat noch nicht mal drei Seiten gelesen und schon ist eine ganze Menge passiert.

Fazit: Ein unterhaltsamer Bond, der deutlich besser und flüssiger daherkommt als die meisten Flemings. Hätte gerne mehr Bonds aus der Feder Markhams gelesen.

Mir unbekannt war bisher, dass die Folter-Szene nahezu 1:1 in den Film "Spectre" übernommen wurde inkl. wörtlicher Zitate von Colonel Sun / Oberhauser.

Re: Romanbesprechung: Colonel Sun (Markham / Amis, 1968)

Verfasst: 10. Februar 2026 22:09
von Revoked
Das ist alles sehr richtig was du schreibst. CS ist nicht nur in den Top 3 non-Flemingbonds sondern nebenbei auch noch Top 10 aller Bonds.

Re: Romanbesprechung: Colonel Sun (Markham / Amis, 1968)

Verfasst: 10. Februar 2026 22:46
von GoldenProjectile
Revoked hat geschrieben: 10. Februar 2026 22:09 Das ist alles sehr richtig was du schreibst. CS ist nicht nur in den Top 3 non-Flemingbonds sondern nebenbei auch noch Top 10 aller Bonds.
Nicht bei mir. Ich habe ihn einmal gelesen und fand, dass er in der zweiten Hälfte nicht mehr wirklich einhält, was er in der ersten verspricht. Alles ging auf einmal ein bisschen zu schnell, zu einfach, zu linear. Was ich ausserdem komisch fand: Soweit ich mich erinnere taucht Sun genau einmal auf, bevor Bond am Ende auf ihn trifft. Das hätte man entweder gleich weglassen und den grossen Schurken erst ganz zum Ende à la Dr. No zeigen sollen, oder aber häufiger und konsequenter zu seiner Perspektive wechseln als dieses eine Mal.

Gutes Buch, aber keine Offenbarung. Das vielzitierte "genau wie Fleming, nur besser" sehe ich viel, viel eher in Faulks' Devil May Care. Der schafft es zusammen mit Forever And A Day auch in meine Non-Fleming Top 3. Platz drei ginge dann wohl an Carte Blanche oder Trigger Mortis. Ausserdem mochte ich Zero Minus Ten, und würde eigentlich gerne bei Benson weitermachen.

Für Nico steht jetzt erst mal ganz viel "Hääää?!" und "W-T-F!" in Gestalt John Gardners bevor. :lol:

Re: Romanbesprechung: Colonel Sun (Markham / Amis, 1968)

Verfasst: 11. Februar 2026 10:39
von Nico
Ich verstehe, was du meinst, Goldie. Der Roman fängt besser an, als er aufhört, aber dennoch auf einem hohen Niveau, wie ich finde. Einzig die Rolle "von Richter" fand ich irgendwie extrem unnötig... Ansonsten sind gerade die Figuren die absolute Stärke. Von vielen Flemings weiß ich schon gar nicht mehr, aber Sun, Ariadne und Litsas sind mir total im Gedächtnis geblieben.
GoldenProjectile hat geschrieben: 10. Februar 2026 22:46 Für Nico steht jetzt erst mal ganz viel "Hääää?!" und "W-T-F!" in Gestalt John Gardners bevor. :lol:
Also "Kernschmelze" und "Der Kunstsammler" waren beide schon ganz ok. Letzterer natürlich VÖLLIG abgedreht, aber doch sehr unterhaltsam. Hatte nach euren Warnungen vor Gardner deutlich schlimmeres erwartet. (dEr SaAb, ok...)

Re: Romanbesprechung: Colonel Sun (Markham / Amis, 1968)

Verfasst: 11. Februar 2026 17:57
von GoldenProjectile
Nico hat geschrieben: Gestern 10:39 Also "Kernschmelze" und "Der Kunstsammler" waren beide schon ganz ok. Letzterer natürlich VÖLLIG abgedreht, aber doch sehr unterhaltsam.
Licence Renewed (überragender Titel, wäre gerade jetzt perfekt für einen neuen Bondfilm, wenn es ihn nicht schon gegeben hätte) ist okay und bis auf einen von Gardners besten Bösewichten komplett unspektakulär und leicht zu vergessen. For Special Services finde ich so herrlich bizarr, wie da wenig bis nichts Sinn ergibt und vieles auch nicht zusammenpasst, ganz zu schweigen von so Spässen wie einbusige Blofeld-Tochter und gedankenkontrollierende Eiscrème, das wirkt als hätte man DAF und SP zusammengewürfelt. :mrgreen:
Nico hat geschrieben: Gestern 10:39 Hatte nach euren Warnungen vor Gardner deutlich schlimmeres erwartet. (dEr SaAb, ok...)
Revoked ist der Gardner-Hater, ich fand Icebreaker zumindest vielversprechend, Nobody Lives Forever und Scorpius sogar richtig gut und insgesamt keinen wirklich schlecht ausser Role of Honour. Barbarossa war so sperrig, dass ich ihn gar nicht zu Ende gelesen habe, dem gebe ich vielleicht irgendwann nochmal eine Chance.

Vielleicht gelingt es Gardner persönlich, dir den Saab schmackhaft zu machen:

:lol:

Re: Romanbesprechung: Colonel Sun (Markham / Amis, 1968)

Verfasst: 11. Februar 2026 21:00
von Revoked
GoldenProjectile hat geschrieben: Gestern 17:57
Revoked ist der Gardner-Hater….
Na, na, na!
Begründete Kritik ist kein Hating. Ich habe mir für viele Reviews echt Mühe gegeben.
Und Icebreaker, Win, Lose or Die und Barbarossa mag ich auch ganz gerne.
Außerdem behaupte ich mal, dass ich der einzige hier im Forum bin, der sich dem Gesamtwerk dieses Scharlatans (außer Never Send Flowers - das funkelt mich bedrohlich aus dem Regal an) ausgesetzt hat.
Ich finde ich verdiene da etwas mehr Anerkennung 😜.