Maibaum hat geschrieben:...
Der Begriff "von Hitchcock beeinflusst" wird so inflationär gebraucht, daß er schon gar keine Bedeutung mehr hat. Zumal er auch regelmäßig für Filme benutzt wird (wie z.B. Mitternachtsspitzen) die viel von diesen vergleichsweise billigen Tricks verwenden die Hitch verachtet hat.
Auch war Hitch variabel genug um in vielen Filmen die Dinge auch anders zu machen wenn es der Stoff erforderte. In dem Teil des Interviews werden ja auch die Whodunits angesprochen, von denen Hitch in der Regel auch nicht viel hielt. Tatsächlich gibt es auffallend viele seiner Filme in denen der Täter schon lange vor dem Ende entlarvt wird (und das ist nun wirklich etwas was Krimis und Thriller fast nie machen), und dann findet etwas ganz wesentliches bei ihm statt: die Verlagerung der Spannung, weg von den vordergründigen Spannungselementen. Nur wenn du dir 2 seiner berühmtesten Filme betrachtest dann besitzt NBNW den angesprochenen Suspense nicht (und ist trotzdem viel spannender als FRWL) und Psycho ist unter anderem auch ein klassisches Whodunit, in dem die Identität des Täters erst auf dem Höhepunkt offenbart wird.
FRWL ist auf jeden Fall ein Film der einen gewissen Suspense hat, es ist ja auch einer der wenigen Bonds die eher ein Thriller als ein Abenteuerfilm sind, aber von Hitchcock ist das sehr weit entfernt. Ich würde sogar eher sagen daß FRWL jede Menge Material enthält das absolut untypisch für Hitchcock ist. Die Bond Filme funktionieren auf eine ganz andere Art als die Hitchcock Filme.
Und Truffaut hat anscheinend die Bonds verachtet. Ich bin erst letzten Monat auf ein in dieser Hinsicht sehr brutales Zitat gestoßen. Für Truffaut war DN "der Beginn der Dekadenz im Kino" und, jetzt wird es heftig, "eine Degradierung der Kunstform" (also des Filmes). Und da diese Zitate nicht etwa wie erwartet aus den 60gern stammen, sondern von 1979, ist letzteres wahrscheinlich weniger auf DN als auf die Bonds insgesamt bezogen. Würde mich wundern wenn Trufffaut in FRWL "Hitchcock pur" entdeckt hätte.
Auch Robin Wood hat, in seinem berühmten Hitchcock Buch, FRWL sehr negativ mit NBNW verglichen.
Die Qualitäten der Bond Filme erschließen sich mir jedenfalls nicht im Vergleich mit Hichcock, sondern im Absetzen von ihm.
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das bringt mich auf eine potentiell dumme Idee: mir fällt auf, dass Silva sehr viel Ähnlichketien mit Norman Bates Mutter hat. Norman Bates hat ja auch seine Mutter getötet, weil er Angst hatte, sie an ihren Liebhaber zu verlieren. Er hat sie zwar getötet, aber mit ihrer Leiche und seiner Psyche sie in sich aufgenommen.
Silva fühlte sich auch als Bauernopfer von "M" -sie hat ihn trotz seiner Treue den Rotchinesen geopfert. Daher vermutlich der Wahn, sich mit ihr im Tode vereinigen wollend ihre fehlende Liebe in sich selber zu suchen. Das würde zumindest die Pyrotechnikorgien, die er nur wegen des einen Ziels entfacht, erklären. Auch seine homophile Neigungen
"There is sauerkraut in my lederhosen."