Muss ein Film über oberflächliche und leidenschaftslose Menschen selbst genauso oberflächlich und leidenschaftslos sein? American Psycho, basierend auf dem kontroversen Bestseller-Roman von Skandalautor Bret Easton Ellis, ist eine ungewöhnliche Interpretation des Genres der Serienkiller-Slasher. Anstelle eines wortkargen Mannes mit einer furchteinflößenden Maske, wie wir es von Michael Myers und Jason Voorhees kennen, ist der psychopathische Mörder stattdessen ein Paradebeispiel der Yuppie-Kultur. Regisseurin Mary Harron begleitet den zwielichtigen Investmentbanker Patrick Bateman durch seinen protzigen, habgierigen Lebensstil. Er speist in schicken Restaurants, umgibt sich mit reichen Geschäftspartnern (die er insgeheim verachtet) und ist von seinem eigenen Körper und der hemmungslosen Selbstoptimierung regelrecht besessen. Selbst beim Sex mit willigen Prostituierten hat er nur Augen für sein eigenes Spiegelbild.
Ach ja, und getrieben von seinen gewalttätigen Impulsen tötet er auch unzählige Menschen. Obdachlose. Nutten. Rivalen. Er zerhackt sie, erwürgt sie, ersticht sie. Einfach so. Und warum auch nicht? Männer wie er müssen doch im Endzeitkapitalismus keine Konsequenzen fürchten. Ellis basierte sein Buch auf dieser zynischen Beobachtung und beabsichtigte damit eine Analyse der materialistischen, narzisstischen, konsumorientierten und frauenfeindlichen Kultur der 1980er-Jahre. Harrons Adaption unterstreicht diese Botschaft. Immer und immer und immer wieder. Und dann noch einmal, nur um sicherzugehen.
Christian Bale spielt den entfesselten Bateman brillant, doch selbst ihm fällt es schwer, dem Geschehen irgendwelche Nuancen zu verleihen. Diese atemlose Gesellschaftskritik ist monoton repetitiv und tauscht Subtilität konsequent gegen intellektuell flaches Chaos und cartooneske Gewalt ein. Harrons satirische Ziele sind natürlich glasklar. Doch sie erklärt nie, warum die Verkommenheit des oberen Prozents, welche sie anprangern will, tatsächlich einer solch karikaturhaften Darstellung bedarf, um ihre Bösartigkeit zu beweisen. Was ihr ätzender Sarkasmus eigentlich bezwecken soll, bleibt ein Stückweit ihr Geheimnis. Richtig ärgerlich sind dann die letzten zwanzig Minuten: Nachdem sie bis dato nur mit dem Holzhammer auf die Frontallappen der Zuschauer eingeprügelt hat, , macht sie unbegründet einen finalen Rückzug in die Ambivalenz und Ungewissheit. Es ist ein billiger Trick; ein kunstvoll erscheinendes Manöver, das nichts zu bieten hat, außer seine eigene Sinnlosigkeit zu unterstreichen. 4/10
Re: Der Horrorfilm Megathread
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Let the sheep out, kid.
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