Re: Zuletzt gesehener Film

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Casino Hille hat geschrieben: 17. Dezember 2025 15:04
Naja, das ist eher die allgemeine Regel bei Whodunnit-Krimis, die du auch abseits Christie auf 90 Prozent der Genre-Erzählungen anwenden kannst.
Genau, es ist fast immer so daß Krimis und Thriller mit einer Überraschung enden möchten, aber wenn so ziemlich jeder das macht, dann rechnet man ja mit der Überraschung, und dann ist es meist keine mehr.
Tatsächlich fände ich es meist spannender wenn man, sagen wir, 5 Verdächtige hat, und einer von denen ist es dann auch. Aber tatsächlich ist das die Ausnahme.

Jedoch sehe ich z.B. in vielen Tatorts einen interessanten Umgang mit diesen Erwartungen, teils werden da falsche Fährten gelegt mit eben genau diesen scheinbar Unverdächtigen die von bekannten Schauspielern verkörpert werden.

Re: Zuletzt gesehener Film

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dernamenlose hat geschrieben: 17. Dezember 2025 15:28 Die große Stärke von Knives Out liegt für mich im vollzogenen Genrewechsel. Indem Johnson die vermeintliche Lösung bereits nach dem ersten Drittel offenbart und danach eher in einen Hitchcock-Thriller wechselt merkt der Zuschauer gar nicht, dass er sich immer noch in einem Whodunnit befindet. Man fiebert jetzt stattdessen mit dem vermeintlichen Täter mit. Wenn der Film sich dann wieder offenkundig zum Whodunnit wandelt startet direkt die Auflösung
Was Maibaum sagt:

Ich fand den Genretwist vom Whodunnit zur Hitchcock-Suspense und zurück auch sehr gut, aber trotzdem ist in solchen Filmen immer mit einer Überraschung am Schluss zu rechnen und ich habe auch im Kino keine Sekunde geglaubt, dass da nicht noch ein "wahrer Mörder" enthüllt wird. Alleine schon, weil Johnson auch nach der Genre-Wandlung immer noch merkwürdig viel Zeit mit einigen der (jetzt ja theoretisch nicht mehr) Verdächtigen verbringt, ohne dass er das gemusst hätte. Da ist dann schon klar, dass noch etwas kommen wird, und wen das dann betreffen war, fand ich auch nicht allzu überraschend. Aber "Knives Out" macht das noch am besten von Johnsons Filmen, es ist halt vor allem "Wake Up Dead Man", bei dem ich es schon bezeichnend empfand, wie schnell ich mir beim Anschauen sicher sein konnte, nicht mehr überrascht zu werden. Und so kam es dann auch.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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Aber was heißt "überrascht werden". Liegt nicht der Spaß darin, zu beobachten wie Blanc ermittelt, wie er Dinge aufdeckt, oder sie am Ende aufdecken lässt? Ich brauche da gar keine große Überraschung. Für mich ist das eher so: Der Weg ist das Ziel bei diesen Filmen
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

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danielcc hat geschrieben: 17. Dezember 2025 17:06 Liegt nicht der Spaß darin, zu beobachten wie Blanc ermittelt, wie er Dinge aufdeckt, oder sie am Ende aufdecken lässt?
Natürlich. Trotzdem ist es ja nicht falsch, sich von der Auflösung mehr Raffinesse zu versprechen, bei Filmen, die komplett um ein Rätsel gestrickt sind. Dass es nicht der Hauptfaktor des Unterhaltungsempfindens ist, geschenkt, hast du recht.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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danielcc hat geschrieben: 17. Dezember 2025 17:06 Aber was heißt "überrascht werden". Liegt nicht der Spaß darin, zu beobachten wie Blanc ermittelt, wie er Dinge aufdeckt, oder sie am Ende aufdecken lässt? Ich brauche da gar keine große Überraschung. Für mich ist das eher so: Der Weg ist das Ziel bei diesen Filmen
Sicher, aber dann sollte man eben die Auflösung gleich, oder jedenfalls deutlich früher präsentieren.

Re: Zuletzt gesehener Film

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danielcc hat geschrieben: 17. Dezember 2025 10:59 Ich finde es immer etwas schade, wenn du zu viel über das drum herum schreibst, und nicht genug über den Film selbst - aber dennoch: Volle Zustimmung :-)
Manchmal fällt mir zum drumherum einfach mehr ein, als zum Film selbst. ;) Gefallen hat er mir dennoch.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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Avatar interessiert mich auch gar nicht. Hatte Teil 1 damals nicht gesehen, als er rauskam und zu Hause hole ich einen fast dreistündigen Schinken, der vom 3D-Effekt leben soll, auch nicht nach.

Was ich in den letzten Tagen geschaut habe: The Third Man (1949) - aber analog zur Annie-Hall-Diskussion vor ein paar Wochen müsste er eigentlich "Der Romanautor" heissen, nach seinem eigentlichen Protagonisten :wink: - konnte mich nicht mehr ganz so stark begeistern wie bei der letzten Sichtung vor über zehn Jahren, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Immer noch ein toller, poetischer, leicht fatalistischer Film mit ikonischem Postwar-Wien-Setting und ikonischer Zither-Musik, der Moment, wenn Orson Welles im Hauseingang erscheint ist brillant und eigentlich müsste Welles' Beteiligung an dem Film ein absolutes Marketing-Geheimnis sein, das wäre mal ein Überraschungseffekt. Und M als gutmütiger Unteroffizier sieht man auch nicht alle Tage. 8,5 / 10

Pépé le Moko (1937) ist ein schön inszenierter, klassischer Gangsterfilm, angesiedelt in der sogenannten Kasbah des kolonialen Algiers - ich würde das zwar eher Medina nennen, aber was solls. Die angebliche Kasbah wird als Mikrokosmos stimmig und toll zum Leben erweckt, gleich die visuell untermalte Montage, in der ein Polizist das Setting erklärt, ist ein Highlight. Jean Gabin als - wie soll es anders sein? - knallharter Meisterganove mit hohem Frauenverschleiss verliebt sich in irgendeine Dame, was ihm letztlich zum Verhängnis wird. Cooler Film, wenn auch im Schlussakt etwas arg melodramatisch. 7,5 / 10

Und dann noch Analyze This (1999), eine witzige Mafia-Komödie, in der man sich De Niro als selbstgefälliger Cosa Nostra mit Angststörungen ganz gut geben kann, auch wenn er fast ein Jahrzehnt nach Goodfellas immer noch nicht richtig weinen kann. Running Gags und Wortwitz halten einen bei Laune und das Mafia-Thema wird trotz des komödiantischen Ansatzes seriös und authentisch genug aufgegriffen. Kann man sich anschauen und einen Abend damit vertreiben. 6,5 / 10
We'll always have Marburg

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Re: Zuletzt gesehener Film

11169
Fräulein Smillas Gespür für Schnee; Regie: Billie August, 1997

Ich bin ja ein großer Fan von 90er Krimis. Als der Film damals erschien, ging ich fast jedes Wochenende ins Kino und jedes Mal bei den Trailern kam dann diese - damals noch typische - Sprecherstimme, die den Titel des Films so wunderbar geheimnisvoll ankündigte. Dennoch habe ich ihn weder damals noch danach je gesehen - bis gestern.

Ich bin entsetzt!

Wie kann man eine so tolle Riege von Darstellern versammeln für so einen grotesk armseligen Dreck!?Ohne dass ich die Hintergründe des Films kannte, habe ich mir sofort gedacht: "Das muss ein halbwegs spannendes Buch gewesen sein, was aber eben mal wieder im Kino gar nicht funktioniert".

Wo soll ich anfangen?

Der Plot ist arg konstruiert und geht ins Übersinnliche. Die Plotentwicklung ist stümperhaft. Alle wesentlichen Erkenntnisse gewinnt die Protagonistin durch absurde Zufälle - so findet sie zum Beispiel genau im richtigen Moment auf einem riesigen Schiff exakt die richtigen Schnipsel auf 2 VHS Kassetten, die die gesamte Story verraten. Oder sie liegt zufällig genau an der Stelle in einem großen Haus, wo eine wichtige Kassette versteckt ist. Die Inszenierung ist hölzern, als verlasse man sich ausschließlich auf mehr oder weniger stimmungsvolle Bilder vom verschneiten Kopenhagen. es gibt keine Dramaturgie. Alles plätschert buchstäblich vor sich hin, ohne Höhen und Tiefen, ohne mal schnell oder langsam zu werden. Der Soundtrack (immerhin Zimmer / Gregson-Williams) ist eigentlich keiner, sondern wiederholt 120 Minuten lang nur 2-3 "mysteriöse" Tonfolgen. Keine der Figuren ist liebenswert oder nur charismatisch. Hatte man Gabriel Byrne wirklich die Anweisung gegeben, maximal emotionslos zu agieren??? Der Plan des Gegenspielers wirkt nicht greifbar bzw. - ist er eigentlich wirklich so schlimm? Hilfe! Es bleibt rätselhaft, warum man für dieses Machwerk auf Fernsehfilmchen Niveau Darsteller wie Ormond, Byrne, Redgrave, Harris, Broadbent, Loggia, Wilkinson, Adorf (und den jungen Jürgen Vogel) besetzt hat.

Was war das denn?
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Re: Zuletzt gesehener Film

11170
Ja, ein sehr schwacher Film. Es sollte kriminell sein, so viele exzellente Darsteller auf einmal zu verschwenden. Keiner von ihnen spielt eine Figur mit Persönlichkeit, sie sind alle bloß Plotmaschinen, Dialogaufsage-Männchen. Der ganze Film hat gar kein Interesse daran, Bilder auf interessante Weise zu gestalten, sondern ist lediglich die visualisierte Reader's Digest Ausgabe des um Welten besseren Romans. Nichts darf mal atmen oder für sich stehen bleiben, alles treibt nur monoton den Plot voran. Eine richtige Gurke, leider.
Immerhin sehen die paar Aufnahmen auf Grönland ganz schön aus...
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Re: Zuletzt gesehener Film

11173
Wir haben uns gestern STROMBERG im Astor Kino in der Hamburger Hafencity angeschaut, völlig ohne Vorkenntnisse.
Meine Frau und ich kannten weder die Serie noch den Vorgängerfilm, nur ein paar Sprüche aus dem Internet.
Uns hat er echt gut gefallen, meine Frau schaut seitdem die Serie im Fernsehen. :wink:
The world is not enough

Re: Zuletzt gesehener Film

11174
Ich bin auch nicht so Fan von "Fräulein Smilias Gespür für Schnee."
Er hat einige gute Stellen, und vor allem der Anfang ist Recht stark, aber gegen Ende wird es immer absurder und man fragt sich was das alles soll.

Das einzige was ich interessant finde, ist das Julia Ormond hier mal was anderes spielt als sonst. Bis dahin kannte ich sie nur in der Rolle der naiven Schönheit, um die sich die Männer immer streiten. Aber hier spielte sie mal eine taffe, schlaue Frau, auch wenn sie es manchmal etwas damit übertrieb.
Aber das allein konnte den Film auch nicht retten.
"Verstehen Sie mich nicht falsch es ist nichts persönliches, es ist was rein geschäftliches."