Re: Zuletzt gesehener Film
10861Ich konnte heute Edward Bergers Konklave sehen und muss sagen, dass ich mich an keinen anderen Film erinnern kann, bei dem sich die Qualität von Hälfte 1 und Hälfte 2 so stark unterschieden haben. Dabei konnte mich der Film in der ersten Stunde ganz erstaunlich in seinen Bann ziehen. Die genaue Schilderung der Rituale und Abläufe im Konklave sowie die atmosphärische Dichte, mit der die Welt im Vatikan bzw. die darin nochmals eingekapselte Welt des Konklave gezeichnet wurde, trafen bei mir voll ins Schwarze. Dazu einen Ralph Fiennes in Galaform, der den Film mühelos als darstellerisches und charismatisches Zentrum zu schultern wusste. Umso erschütterter war ich, wie stark die zweite Stunde dann nachließ. Gut, wer am Schluss Papst wird war eigentlich von Beginn an klar, diese extreme Vorhersehbarkeit würde ich dem Film dann auch nicht vorwerfen wollen (naja, ein klein bisschen dann schon). Aber mit welcher Impertinenz Film und Regisseur (und nach allem was ich gelesen habe wohl auch die Vorlage) hier die Intelligenz seines Publikums beleidigt ist dann schon extrem ärgerlich. Jedenfalls empfand ich die mit zunehmender Laufzeit immer stärker forcierte extreme figürliche und thematische Schwarz-Weiß-Malerei am Ende nur noch peinlich. Und da war er dann doch wieder, der von mir im Vorfeld ja bereits befürchtete "Berger-Touch", der sich in in ziemlich ähnlicher Art und Weise ja bereits beim völlig missratenen IWNN-Remake gezeigt hatte. Wobei jener dann immerhin qualitativ deutlich homogener war - was immer das auch wert ist. Konklave hingegen muss bei mir mit dem ewigen Makel leben, dass er in nicht unerheblichen Teilen seiner Laufzeit gezeigt hat, was Thema und Besetzung hergeben, nur um es dann - in leider ebenfalls nicht unerheblichen Teilen seiner Laufzeit - in Manier einer tumben Abrissbirne wieder mühelos einzureißen. Mathematisch wären das dann wohl 6 - 6,5 Punkte, aber gefühlt ist es dann doch ein unterdurchschnittliches Werk.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"