Welchen Film von Wes Anderson mögt ihr am liebsten?

Grand Budapest Hotel (2014)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 6 (86%)
Moonrise Kingdom (2012)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (14%)
Der fantastische Mr. Fox (2009) (Keine Stimmen)
Darjeeling Limited (2007) (Keine Stimmen)
Die Tiefseetaucher mit Steve Zissou (2004) (Keine Stimmen)
Die Royal Tenenbaums (2001) (Keine Stimmen)
Rushmore (1998) (Keine Stimmen)
Durchgeknallt (1996) (Keine Stimmen)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 7

Re: Die Filme von Wes Anderson

16
iHaveCNit: Isle of Dogs – Ataris Reise (2018)

Als absolutes Kontrastprogramm zum Hochglanz-Kino-Actiontrashfest „Rampage“ mit Dwayne Johnson gab es heute den wesentlich anderen aber nicht minder tierlieben neuesten Film von Wes Anderson „Isle of Dogs“. Der Film bietet einen unglaublichen Cast, der den Charakteren dieses Films ihre Stimme leihen. Er erinnert uns in seinem unglaublich tollen und handgemachten Design daran, mit wie viel Liebe man einen Film kreieren kann. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Filmtitel in seiner Aussprache nicht nur „Isle of Dogs“ sondern auch „I Love Dogs“ bedeutet. Und mir hat dieser Film unglaublich toll gefallen.

In 20 Jahren bricht in Japan das Schnauzenfieber ausgebrochen. In der Hauptstadt Megasaki City trifft der Präsident Kobayashi einen Erlass, alle Hunde auf eine abgelegene Insel abzutransportieren, da von diesen diese Krankheit ausgeht. Der junge Ziehsohn des Präsidenten, Atari hat selbst einen Hund namens Spots, der als erster auf diese Insel transportiert geschickt wird. 6 Monate später macht sich Atari auf die beschwerliche Reise und Suche nach seinem Hund Spots, dabei wird er von einem Rudel Alphahunden begleitet, während sich in Megasaki City ein politischer Umbruch zusammenbraut.

Stop-Motion war für mich bis jetzt im Kino ein unbeschriebenes Blatt Papier. Und ich liebe es im Kino, etwas für mich neues zu erleben. So wie es nun auch bei „Isle of Dogs“ der Fall war. Das gleiche wie für Stop-Motion gilt für mich auch bei Wes Anderson bis ich seinen letzten Film „Grand Budapest Hotel“ gesehen habe, der mich nicht wirklich bekommen hat. Bei „Isle of Dogs“ ist das nun anders. Ich liebe Filme, die sich ein wenig mit der japanischen Kultur auseinandersetzen und hier ist das Setting von „Isle of Dogs“ genau das, was mich bekommt. Die unglaubliche Arbeit, die hier in die Sets, die Figuren und die ganzen Animationen gesteckt worden ist, diese unglaublich detaillierte Feinarbeit und dieser unvergleichlich symetrische Stil eines Wes Anderson machen aus „Isle of Dogs“ ein extrem einzigartiges Werk Kino. Der mehrfach oscarprämierte Komponist Alexandre Desplat bringt hier einen unglaublich treibenden Score mit unter anderem japanischen Taiko-Trommeln, der dem Film noch die passende musikalische Note bringt. Die Narration des Films verläuft nonlinear mit einigen Rückblenden und baut die Geschichte unglaublich toll auf. Die Geschichte mit einem Jungen, der mit einem Rudel Hunde nach seinem Hund ist sehr liebenswert gestaltet. Und der politische und gesellschaftliche Kontext des Films bietet einen sehr konkreten Ansatz, wie sich der Film positioniert. Mit einem fast diktatorischem Despoten, mit Fake-News, mit Manipulation des Volkes, mit aggressiver Eliminierung von politisch Andersdenkenden, von Ausgrenzung – dann ist damit ein aktueller Bezug auf diverse große Länder dieser Erde geschaffen worden. „Isle of Dogs“ ist ein wundervoller Film, der mich positiv überrascht hat und an dem ich nichts auszusetzen habe.

„Isle of Dogs“ - My First Look – 10/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Angeschnauzt: Da wird der Hund auf der Insel verrückt!

17
Isle of Dogs

Zumindest einen Vorwurf kann man dem neuen Film von Wes Anderson, der in Stop-Motion-Animationen eine knuffige Abenteuergeschichte aus der Tierwelt erzählt, machen: Katzen könnten sich ganz schön beleidigt fühlen, so stereotyp und bösartig wie sie hier dargestellt werden. Nicht umsonst hat Anderson seinen Film „Isle of Dogs“ genannt, was phonetisch wie „I love Dogs“ klingt. Der beste Freund des Menschen steht hier im Mittelpunkt, doch eigentlich will „Isle of Dogs“ auch etwas über seine Herrchen erzählen. Man könnte ihn beinahe als politischen Kinderfilm einstufen, sehr wohl aber als Fabel, in der der Regisseur mit seiner Vorliebe für Symmetrie der Intoleranz den Krieg erklärt. Ein kleiner Schritt für einen Filmmacher, aber ein großer Schritt für die Vierbeiner?

Bevor man etwas über die Geschichte des Films erzählt, muss man direkt eine wichtige Empfehlung ausschrieben: Wer komplexe Stop-Motion-Animationen liebt und ein Faible für detailreich gestaltete Filmwelten hat, ist bei „Isle of Dogs“ genau richtig. Das dystopische Japan, die unterschiedlichen Hunderassen, die fantastischen Kostüme der Menschen oder die grandiosen Landschaften, die durch Tsunamis und andere Naturkatastrophen gezeichnet sind: Derart präzises, fantasiehaftes World Building hat in diesem Metier so noch keiner betrieben. Anderson gelingt nicht weniger als ein logistisches Meisterwerk voller Ehrfurcht, aber auch selbstironischer Annäherung an die japanische Kultur und seine filmischen Vorbilder. Insbesondere Akira Kurosawa zitiert nicht nur die Kamera, sondern auch das rhythmische Getrommel von Filmkomponist Alexandre Desplat am laufenden Band, doch auch weniger bekannte Künstler, wie etwa Farbholzschnitt-Meister Utagawa Hiroshige dienten überdeutlich zur Inspiration. All diese Mittel stellt Anderson streng in den Dienst seiner Geschichte, die er bekanntlich am liebsten in symmetrischen Bildeinstellungen erzählt, in denen die Kamera seitlich durch die Szenerie gleitet und die Plastizität der Animationen so fast wieder zweidimensional erscheint. Die Handlung selbst könnte man fast als Archestoff des Abenteuerkinos bezeichnen: Der kleine Junge Atari stürzt mit seiner Propellermaschine auf „Trash Island“, der Insel der Hunde, ab, um dort seinen verschollenen Hund zu suchen. Bei seiner Odyssee über die Insel, auf die sämtliche Hunde Japans wegen der Überpopulation der Vierbeiner verbannt wurden, helfen ihm vor allem fünf tierische Gefährten – angeführt vom menschenfeindlichen Streuner Chief, der mit „I don’t sit – I bite“ sich selbst am besten beschreiben kann.

Was nun folgt, ist im besten Sinne kindliches Entdecker-Kino. Obwohl Atari aufgrund seiner japanischen Sprache (im Gegenteil zum (für den Zuschauer) übersetzten Bellen der Hunde) wie ein Fremdkörper in der Heldenbande wirkt, ist es eine Freude, die Gruppe miteinander interagieren zu sehen, zumal Anderson den Hunden das Mittel der Selbstreflexion gibt und sie höchst amüsant ihre eigene Existenz überdenken lässt. So wissen die größtenteils ehemaligen Schoßhunde schon, dass sie eigentlich zu einem Herrchen gehören. Doch auf ihre Herrchen ist auf dem durch Anti-Hunde-Propaganda verseuchten Festland kein Verlass mehr. Sie sind Under-Dogs, die Ungewollten. Es fällt nicht schwer, das politische Potenzial und die Bannbreite dieser Allegorie zu entziffern. Fast schon überdeutlich artikuliert „Isle of Dogs“ sein Anliegen. Wenn etwa Machtinhaber Kobayashi wie die Stop-Motion-Adaption eines japanischen Donald Trumps inszeniert wird oder Aufnahmen vom Schicksal der Hunde auf „Trash Island“ in ihrer Ästhetik an Fernsehberichte über das Schicksal von Flüchtlingen auf Lampedusa erinnern, verleiht das der unterhaltsamen Show einen sehr ernsten Unterton. Nicht zuletzt dank toller Voice Actor kann Anderson sich darauf verlassen, dass diese moralischen Aspekte auch emotional beim Zuschauer ankommen. Edward Norton, Scarlett Johansson, Bill Murray oder Jeff Goldblum machen einen tollen Job, wobei insbesondere Bryan Cranston in der Hauptrolle Chief dermaßen intensiv den rebellischen Hundeanführer mit Leben füllt, dass alleine seinetwegen eine Sichtung der englischen Tonspur zu empfehlen wäre. All diese Sprecherleistungen, die zwischen zynisch, patzig und sentimental angelegt sind, unterstreichen den verschrobenen Tonfall, der alleine für einen gelungenen Kinobesuch ausreicht.

Nur manchmal schlägt der Regisseur über die Stränge, überschätzt den Gehalt seiner Erzählung und scheint im letzten Drittel nicht alle Aspekte der gesellschaftskritischen Metaphern durchdacht zu haben. Wenn schließlich eine US-amerikanische Austauschschülerin den katzenliebenden Kobayashi-Clan und sein totalitäres Regime zu Fall bringt, und den Japanern Toleranz und Demokratie vermittelt, verpufft die aufgebaute Donald-Trump-Kritik vor lauter Inkonsequenz mit fadem Beigeschmack. Bei einer langen Szene in einer Art Konzentrationslager für Hunde, bei welchem auch visuell mehrmals explizit auf das Lager von Auschwitz angespielt wird, vergreift sich „Isle of Dogs“ dann völlig in Ton und Geschmack. Leider versagt es Anderson auch zum Ende hin, die zauberhaften Eigenschaften eines Kinderfilms zu bewahren und vergisst „unterwegs“ gar einige zentral eingeführte Charaktere, weil er allzu sehr auf eine klar verständliche Botschaft setzen will. Übrig bleibt der Eindruck von Staunen, darüber, wie dieser Film und seine Welt wohl ausgesehen hätte, wenn sie Realität wären. Und Staunen darüber, dass „Isle of Dogs“ trotz seiner dramaturgischen und strukturellen Probleme inszenatorisch wie aus einem Guss wirkt und mit Leichtigkeit eine Vielzahl an visuellen Spielereien (u.a. Split-Screen-Verfahren und Subjektive Kamerafahrten) glaubhaft durch die eskapistische, extrem stilisierte Animationswelt bugsiert.

Fazit: Hasst Wes Anderson Katzen? An dieser Stelle kann nur gemutmaßt werden. Sicher ist hingegen: Wes Anderson liebt Hunde. Vielleicht muss „Isle of Dogs“ daher auch unter einem ganz anderen Licht gesehen werden. Ob man nun die japanische Kultur für würdevoll oder klischeehaft gezeichnet hält, ob man die politische Seite der Handlung als geglückt oder prätentiös hält, ob man die Sprecherleistungen authentisch oder übertrieben findet oder ob man die Abenteuergeschichte als angenehm kindlich oder unangemessen naiv erachtet: Eine so detailreiche Liebeserklärung an des Menschen liebstes Haustier lief lange nicht mehr in den Kinos. Atari lernt, was Franz von Assisi einst so treffend formulierte: „Der Hund ist dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“

7/10

http://derkinoblog.de/isle-of-dogs-kritik/
Prejudice always obscures the truth.

Re: Die Filme von Wes Anderson

18
Es gibt ja auch einige Kritikpunkte, die ich bei "Isle of Dogs" hätte haben können, aber diese für mich nicht wichtig waren. Vor allem ein paar auftretende Hänger, die gewählte künstlerische Freiheit was die Sprache betrifft (ob man das sogar als rassenfeindlich ansehen kann ?) und die Art, wie der Film endet. Aber der Film ist in seiner Art in diesem Jahr einzigartig in dem ganzen Angebot an computergenerierten Trickfilmen eine willkommene Abwechslung und zeigt, was mit handgemachten Sets und Figuren heute erreicht werden kann.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Die Filme von Wes Anderson

19
iHaveCNit: The French Dispatch (2021) – Wes Anderson – Fox Searchlight Pictures
Deutscher Kinostart: 21.10.2021
gesehen am 26.10.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Cinema Studio – Reihe 3, Sitz 1 – 20:30 Uhr


Natürlich war auch der neue Film von Wes Anderson „The French Dispatch“ auf meiner Liste. Anderson, der mir vor ein paar Jahren erst durch „The Grand Budapest Hotel“ direkt aufgefallen ist und dessen letzter Film „Isle Of Dogs“ ein meiner Top10 des Jahres 2018 gelandet ist, gefällt mir mit seinem doch sehr unverwechselbaren Stil und auch bis in die Nebenrollen perfekt besetzten Ensemble, die er immer wieder in seinen Filmen vereint. Da macht „The French Dispatch“ keine Ausnahme.

Arthur Howitzer, Herausgeber einer Zeitung namens „The French Dispatch“, ist verstorben. Sein letzter Wille ist die Veröffentlichung einer letzten Ausgabe dieser Zeitung mit einem Nachruf und drei der eindrucksvollsten Geschichten, die in dieser Zeitung bereits in der Vergangenheit veröffentlicht worden sind: Über einen inhaftierten Künstler, einen Studentenaufstand und einem Treffen mit einem Polizeikoch.

„The French Dispatch“ ist ein trotz kurzer Laufzeit von etwas über 100 Minuten doch ein schnelles Mammutwerk geworden, bei dem Wes Anderson seinen speziellen, einzigartigen, inszenatorischen Stil bis ins letzte, kleine Detail liefert. Dazu hat er einen eindrucksvollen, riesigen Cast versammelt, die wenn auch nur in ganz kleinen und kurzen Auftritten zu sehen sind. Da wir es hier aber mit einer episodenhaften Struktur, die in eine kleine Rahmenhandlung eingebettet ist, zu tun haben, hängt natürlich der Gesamteindruck auch vom Eindruck der einzelnen Episoden ab und hier schwankt es ein wenig. Da gibt es zum einen die großartige Episode über einen inhaftierten Künstler und seine Muse – für James-Bond-Fans eine interessante Kombination aus Benicio Del Toro und Leá Seydoux, die für mich sehr unterhaltsam gewesen ist und da ist es für die beiden weiteren Episoden über den Studentenaufstand – hier mit Timothee Chalamet und Frances McDormand – und dem Treffen mit einem Polizeikoch – hier mit Jeffrey Wright und Mathieu Amalric – wieder eine für Bondfans interessante Kombination – die dann doch trotz Unterhaltsamkeit und interessanter Inszenierung sich etwas hinter der ersten Episode einordnen müssen. Aber grundsätzlich ist das für mich nur Kritik auf sehr hohem Niveau. Der Film hat mir gefallen. Punkt.

„The French Dispatch“ - My First Look – 9/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "