Jahresrückblick 2020

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Hurra, ich habe den Cinema-Bereich gefunden! #Justice4TheOldTopicOrder

Hier kommt meine traurige Kinobilanz des Jahres 2020. Ich glaube HCN und Invincible haben mit Kinobesuchen und auch mit Heimkinoreleases einiges mehr aus der Situation rausgeholt als ich, denn hier ist die Ausbeute ziemlich dünn geblieben. Nach dem Lockdown gab es bei mir im Sommer nur einzelne Kinobesuche, dann einige in der Morricone-Retrospektive, und als wir wieder anfingen regelmässiger ins Kino zu gehen war es Herbst und schwupps, kam der nächste Quasi-Lockdown. Folglich habe ich dieses Jahr weniger neue Filme gesehen als in jedem Jahr zuvor seit etwa 2012, und die meisten davon in den ersten Wochen und Monaten. Die sich anfühlen, als wären sie ewig her...


Jojo Rabbit (Taika Waititi)
Milde unterhaltsam und nicht zuletzt durch seine Hauptfiguren auch irgendwie relativ charmant, aber als Weltkriegs- und Nazisatire auch etwas platt und mit Hollywood-Beigeschmack. Das hat alles ein bisschen was von was sich Leute am anderen Ende der Welt, sei es nun Hollywood oder Neuseeland, oberflächlich unter dem dritten Reich vorstellen, aufgeblasen zu ziemlich eintönigen Hitlergruss-Witzen. Keineswegs ein schlechter Film, aber ein etwas zahnloser und biederer, trotz eines wieder einmal sehr guten Auftritts von Sam Rockwell.
5 / 10


Tenet (Christopher Nolan)
Nolan macht Nolan-Kram. Der typische Aufhänger, eine Zeitparadoxon-Idee, ist wieder da und ist wieder viel zu kompliziert und erklärungswütig um einen Film tragen zu können, der sich halbwegs natürlich anfühlt. Dieses Element lenkt viel zu sehr von dem James-Bond-Abenteuerthriller mit coolem JD Washington und noch viel coolerem Robert Pattinson ab, welcher das beste am Film ist aber zugleich auch ziemlich gut aufzeigt, warum Nolan mit seinem gesucht intellektuellen Stil für einen richtigen James-Bond-Abenteuerthriller trotzdem keine besonders gute Wahl wäre.
5 / 10


Birds of Prey (Cathy Yan)
Knallbunter und ziemlich hilfloser Superhelden-Comedy-Mischmasch von DC, der auf vielen Ebenen einfach mal so gar nicht funktioniert, aber dann doch auf seine trashige Art in Schlangenlinien und irgendwie unterhaltsam ins Ziel torkelt, was man von anderen Teilen der Reihe wie dem bleischweren Mann am Stiel und dem schlechten Justice League nicht behaupten konnte. Und eine gnadenlos verschenkte Mary Elizabeth Winstead ist immer noch besser als gar keine Mary Elizabeth Winstead.
5 / 10


Just Mercy (Destin Daniel Cretton)
Oscarbait-Justizdrama nach wahrer Geschichte und politisch korrektem Gewissen. Stark gespielt von allen ausser Brie Larson, ansonsten ein nettes Filmchen zum einmal Schauen.
5,5 / 10


Il Traditore (Marco Bellocchio)
Solides Cosa-Nostra-Biopic aus Bella Italia, keinen Millimeter mehr oder weniger.
6 / 10


Dark Waters (Todd Haynes)
Noch ein Justizdrama nach wahren Begebenheiten und preisgekrönten Zeitungsartikeln. Gut gespielt, informativ, kurzweilig, aber nicht wirklich imstande, sich von anderen Justizdramen nach wahren Begebenheiten und preisgekrönten Zeitungsartikeln abzuheben.
6 / 10


1917 (Sam Mendes)
Ambitioniertes Weltkriegsunterfangen von Ex-Bondianer Sam, dessen One-Take-Konzept an vielen Stellen sehr gelungen ist, an anderen wiederum dem Film eher etwas im Weg steht. Eine gute und interessante Sache, aber unterm Strich nicht zuletzt durch Newmans Pathos-geschwängerten Score und andere kleine Dinge nicht viel mehr als das.
6,5 / 10


Never Rarely Sometimes Always (Eliza Hittman)
Gekonntes Independent-Drama das unverkrampft mit den Themen Teenage-Schwangerschaft und Abtreibung umgeht. Natürlich und gelungen.
7 / 10


The King (David Michôd) - Heimkino
Schön oldschooliges mittelalterliches Shakespeare-Drama mit herrlichen rauen und dreckigen Schlachtenszenen. Robert Pattinson spielt das sehr gute Ensemble um Timothée Chalamet in zehn Minuten Screentime an die Wand.
7 / 10


Richard Jewell (Clint Eastwood)
Wieder ein Justizdrama, aber dieses Mal von Old Clint spannend und schmissig in Szene gesetzt mit einigen straffen Thrillermomenten. Paul Walter Hauser ist als Lead eine vielversprechende Entdeckung und Sam Rockwell wird immer besser.
7 / 10


The Gentlemen (Guy Ritchie)
Der erste Ritchie-Film seit langem, der wirklich den Geist seiner Frühwerke versprüht, deren schrägen Einfallsreichtum zwar nicht ganz erreicht, aber als versponnene Gangstergeschichte trotzdem enorm Laune macht. Charlie Hunnam und Hugh Grant sind köstlich als bizarres Gaunerduo wider Willen.
7,5 / 10


Uncut Gems (Josh & Benny Safdie) - Heimkino
Trotz Guy Ritchies Rückbesinnung bei den Gentlemen der noch etwas bessere Ritchieske Gaunerspass des Jahres, schwarzhumoriger und bissiger Abenteuerthriller im New Yorker Glücksspiel- und Edelsteinmilieu mit Adam Sandler als ebenso nervtötender wie aberwitziger Dreckshund von Protagonist.
7,5 / 10


Peanut Butter Falcon (Tyler Nilson & Michael Schwartz)
Charmantes Freundschafts-Roadmovie mit ungewöhnlicher Idee, profitiert in hohem Masse von der anrührenden Chemie zwischen den beiden Leads Zack Gottsagen und Shia LaBoeuf.
7,5 / 10


Little Women (Greta Gerwig)
Der Klassiker ist ein guter Stoff für Gerwig nach ihrem feinfühligen und grandiosen Coming-of-Age-Film Lady Bird. Pittoreske und unterhaltsame Adaption des Period-Piece-Jugendbuchklassikers mit vier superben Hauptrollen - Saoirse Ronan, Florence Pugh, Laura Dern und King Chalamet - sowie viel Charme.
8 / 10


A Hidden Life (Terrence Malick)
Der deutlich bessere englischsprachige Film des Jahres zu den Themen zweiter Weltkrieg und drittes Reich. Poetische, anrührende, mitunter auch schmerzhafte und selbstverständlich visuell überragende Reflektion des Lebens von Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter, wunderbar zum Leben erweckt durch August Diehl. Malicks bester Film seit Tree of Life, drei Stunden verfliegen trotz oder gerade wegen dem sehr meditativen Erzähltempo im Nu.
8 / 10


Knives Out (Rian Johnson)
Höchst unterhaltsames Spiel mit klassischem Landhauskrimi, Detektivfilm und nicht zuletzt mit den Erwartungen des Zuschauers und dem Wissen der Figuren, von Johnson clever und schwungvoll geschrieben und inszeniert und mit einer Reihe gut aufgelegter Darsteller bestückt, die in den skurrilen Rollen sichtlich Spass hatten. Ein höchst erheiternder Kinobesuch, den es bei mir sogar in doppelter Ausführung gab, aber dass es fast exakt 365 Tage lang das Highlight des Filmjahres geblieben ist stimmt einen dann wiederum doch ein bisschen traurig über die diesjährige Kinosituation.
8,5 / 10
We'll always have Marburg

Re: Jahresrückblick 2020

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Ich bin auf 127 Kinobesuche gekommen.

Zwangsweise keine Kinobesuche gab es hier in Schleswig-Holstein vom 16. März bis 17 Mai und seit dem 2. November.
Die Kinos waren hier also im ersten Lockdown 9 Wochen (63 Tage) und im zweiten Lockdown bislang 8 Wochen und 4 Tage (60 Tage) geschlossen.

366 Tage minus 123 Tage = 243 Tage

Im Schnitt war ich also an jedem zweiten Tag im Kino. Da es allerdings viele Kinotage gab, an denen ich zwei Filme gesehen habe, war ich eher jeden dritten bis vierten Tag im Kino.

Meine zehn 2019er-Highlights, die in Deutschland aber erst 2020 ins Kino kamen (ohne Reihenfolge):

- Knives Out
- 1917
- Monos
- Waves
- Der Fall Richard Jewell
- The Climb
- Vergiftete Wahrheit
- Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden
- Eine Geschichte von drei Schwestern
- Auf der Couch in Tunis

Meine zehn "echten" 2020er-Kinohighlights (ohne Reihenfolge):

- Nomadland (gesehen beim Filmfest Hamburg)
- Bis wir tot sind oder frei (gesehen beim Filmfest Hamburg)
- Frühling in Paris (gesehen beim Filmfest Hamburg)
- Onward
- The King of Staten Island
- Kajillionaire
- On The Rocks
- Bill & Ted retten das Universum
- Undine
- Master Cheng in Pohjanjoki

Hollywoodfilme wie "Tenet", "Hexen Hexen", "Unhinged" etc. habe ich natürlich auch gesehen, für die Top 10 hat es aber nicht gereicht.
Es gab insgesamt aber eine wunderbare Vielfalt an kleinen Independent-Produktionen (wie z.B. "Kokon"). Dazu habe ich extrem viele Klassiker das erste Mal auf der großen Leinwand gesehen. Besonders beeindruckt haben mich "Barry Lyndon" von Stanley Kubrick oder "Außer Atem" von Jean-Luc Godard. Und zum Tode von Ennio Morricone natürlich "Spiel mir das Lied vom Tod".

Re: Jahresrückblick 2020

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Da ich eh nichts Besseres zu tun habe, ranke ich die Filme mal, die ich dieses Jahr erstmals gesehen habe und die auch tatsächlich (zumindest in Deutschland) 2020 erschienen sind:

36. Artemis Fowl (Kenneth Branagh) – 2/10

Einer der grässlichsten Filme des Jahres hat sich vor einem öffentlichen Debakel gerettet, in dem er einfach bei Disney+ erschienen ist, statt sein hässliches Gesicht auch noch im Kino zu zeigen. Die Umsetzung der Romanreihe, die es literarisch locker mit "Harry Potter" und Konsorten aufnehmen kann, ist ein Albtraum. Artemis wird im Film zum unsympathischen, neunmalklugen Rotzbengel, in einer Story, die so wenig zu erzählen hat wie sie bieder inszeniert ist. Aus einer an sich vielversprechenden Mischung aus Sci-Fi und Fantasy wird hier eine austauschbare CGI-Orgie mit dummen Elfen, die noch dümmere Laserwaffen einsetzen und generischen, reizlosen Wortmüll von sich geben. Humoristisch gemeinter Höhepunkt dieses filmgewordenen Auffahrunfalls: Ein Moment, als der mürrische Erzähler einen ahnungslosen Passanten anfurzt. Niveaulimbo: Der Film!

35. The New Mutants (Josh Boone) – 2/10

- Ewig verschoben ist das "X-Men"-Spinoff nun erschienen. Endlich? Wohl kaum. Der Mix aus "The Breakfast Club", "Glass" und "A Cure for Wellness" ist größtenteils inkompetentes Filmemachen, und gelingt nicht mal als harmloser Horrorspaß für Teenager. Die durch die Bank tolle Besetzung wird in eindimensionalen Rollen verheizt und darf einen sinnentleerten Dialog nach dem anderen sprechen. Furchtbar dumm: Nach einer Minimalhandlung mit Schockmomenten aus der Rummelplatz-Geisterbahn wird ein ödes CGI-Massaker ans Ende gestellt, welches in seinen grotesken Ausartungen auch noch metaphorisch gemeint ist – und das in so einem bierernsten, langweiligen Durcheinander.

34. The Old Guard (Gina Prince-Bythewood) – 3/10

- Der Actionfilm mit Charlize Theron von Netflix fühlt sich wie der Pilotfilm für eine Serie an, die nie bestellt werden wird. Gott sei Dank, muss ich hinzufügen. Das lausige Script um unsterbliche Söldner (die sich letztlich als Abklatsch einer Superheldentruppe herausstellen) ist mit wenig Mühe zusammengeschustert worden und hat kein Interesse an Charakterzeichnung oder einem vernünftigen Worldbuilding. Insgesamt dürfte der Film mehr Kopfschüsse in Gefechten verzeichnen als Dialogzeilen. Ein trauriges Resümee für einen Fantasy-Actioner, der ausgerechnet in den Fantasy- und Actionmomenten nichts Originelles zu bieten hat. Größtes Ärgernis: Das krude, unrhythmische Editing.

33. Die fantastische Reise des Dr. Doolittle (Stephen Gaghan) – 3/10

- Eine Verschwendung von Geld & Lebenszeit. Robert Downey Jr. kaspert sich einen als die bekannte Buchfigur, die hier anders als zuletzt in den Eddie-Murphy-Vehikeln wieder näher an ihre Ursprünge zurückgeführt wird, aber genauso albern bleibt. Der furchtbar künstlich getrickste Kinderfilm hat keine interessante Botschaft, eine vollständige Abwesenheit liebenswerter Charaktere und ganz besonders schlimm: Er ist fürchterlich unwitzig. Das große Finale besteht aus einem ausgedehnten Furz- und Fäkalienwitz, merkwürdige Anspielungen an "Der Pate" sind tonal dermaßen daneben, dass meine Hand regelmäßig mit Wucht die Stirn gesucht hat. Ein Schuss in den Ofen, leider, und das mit Ansage.

32. Bill & Ted Face the Music (Dean Parisot) – 4/10

Die Kultdilogie aus den späten 80ern / frühen 90ern für einen Neuaufguss zurückzuholen ist stellvertretend für die Einfallslosigkeit im Hollywood-Sektor: Lieber Altes aufwärmen als Neues erdenken. Doof nur, wenn dieses alte Material so sehr in seine Zeit eingebunden war, dass es 2020 nur noch wie infantile, altmodische Selbstparodie wirkt. Dermaßen einfalls- und witzlos hätte die Rückkehr von Bill & Ted aber dann auch wieder nicht ausfallen müssen. Aber: So sieht ein Film eben aus, wenn es ihn gar nicht geben sollte. Wären Keanu Reeves und Alex Winter nicht, man könnte diese schon in wenigen Monaten für immer vergessene, unnötige Mikrowellen-Ware getrost vergessen, doch das Duo hat so viel Spaß dabei, sich wieder als Kindsköpfe zu präsentieren, dass sie in wenigen Momenten doch ansteckend sind.

31. Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (David Dobkin) – 4/10

Wohlfühl-Kino, bzw. Wohlfühl-Streaming, immerhin ist die ESC-Verfilmung direkt bei Netflix gelaufen. Als Alternative zum dieses Jahr ausgefallenen Show-Event mag der Film seinen Job erfüllt haben, eigentlich ist er aber eine konzeptionelle Mogel-Packung. Der Humor ergibt sich so gut wie nie aus dem ESC, aus seinem Ruf, aus seinen Abläufen oder seinen Traditionen. Es entpuppt sich letztlich als das x-te Will-Ferrell-Vehikel, welches zufällig vor der Kulisse der europäischen Musikveranstaltung stattfindet. Mehr will die Komödie, die nebenbei noch Stars wie Pierce Brosnan oder Rachel McAdams an Bord hat, zugegeben aber nicht sein. Auf keine Kuhhaut gehen dafür fast sämtliche Songs und die nervig-erzwungenen Gastauftritte von ESC-"Ikonen" wie Conchita Wurst, Alexander Rybak oder Netta.

30. Tyler Rake: Extraction (Sam Hargrave) – 4/10

Ultrabrutale Endlos-Action. Klingt gut? Nun: Für Action-Puristen ist das Netflix-Original mit Chris Hemsworth sicher eine Ausnahmeerscheinung in 2020, der die Härte vergangener Tage beschwört und eine furios geschnittene Ballerszene an die nächste reiht. Wer jetzt nach dem Plot fragt, für den gibt es keine Antwort: Eine Geschichte erzählt dieser Film nur notdürftig, lieber reiht er stumpfe, unendlich lange Tötungsszenen aneinander. Das ist filmisch nicht schlecht gemacht (eine äußerst aufwendige Szene, die als One-Shot konzipiert ist, sticht heraus), langweilt aber, weil die gewaltverherrlichende Tötungsorgie so stupide und substanzlos wie die letzten "John Wick"-Filme ausfällt. Handwerklich sind sie denen und eigentlich der gesamten Genre-Konkurrenz wenigstens deutlich überlegen. Der überflüssige Fortsetzungs-Köder ist dann bei einem Film ohne jede Spur von Handlung aber irgendwie amüsant.

29. The Trial of the Chicago 7 (Aaron Sorkin) – 4/10

Auch Aaron Sorkin ist mittlerweile zu Netflix abgewandert und hat den namentlich beeindruckendsten Cast des Jahres zusammengestellt. Sorkin gilt als brillanter Autor, doch dieses Mal wird sein Stil zur Fassade: Der Gerichtsfilm und die schnellen, rhetorisch perfekt ausgeklügelten Dialogzeilen sorgen für eine unnachahmliche Coolness, verhindern damit aber das Aufkommen echter Emotionen. Wie Sorkin versucht, mit verschiedenen komplexen Ideen zu jonglieren und dabei so akkurat wie möglich den Prozess von 1969 nachzuzeichnen, ist löblich, aber eine zu große Herkulesaufgabe für den Autorenfilmer. Letztlich begeht sein Werk die Todsünde aller Filme: Es langweilt über zu weite Strecken, es erstickt in seinen prestigesuchenden Gesten. Ein beeindruckender Film, aber weiß Gott kein wirklich guter.

28. Vergiftete Wahrheit (Todd Haynes) – 5/10

Wäre Mark Ruffalo kein Schauspieler, der jedem Stoff interessante Seiten abgewinnen kann, wäre dieses Biopic umso schwerer zu verkaufen gewesen. Der Umweltskandal um das Chemieunternehmen DuPont ist spannender, hochaktueller Filmstoff, der hier aber besonders bräsig und düster erzählt wird, dem dabei leider das Momentum tonal ähnlicher Stoffe wie "Spotlight" abgeht. Schade ist, dass die Erzählweise so konventionell und vorhersehbar abläuft. Auf diese Weise setzt sich die Empörung kaum ein, schlimmer noch: Dem Film gelingt es zu keiner Sekunde, die echten komplexen Zusammenhänge zwischen Umweltschutz, Wirtschaft und juristischer Verflechtung aufzuzeigen, womit das eigentliche Sujet narrativ ohne eine Entsprechung dasteht.

27. Onward: Keine halben Sachen (Dan Scanlon) – 5/10

Anspruchslose Unterhaltung für die Kleinen, die für einen Pixar-Film erstaunlich schluderig daherkommt. Die ersten 15 Minuten sind ein grausiges 80er Jahre Teendrama, danach wird es etwas besser. Sobald die Handlung Fahrt aufnimmt, gibt es viele schöne Abenteuerabschnitte à la "Indiana Jones" oder "Der Herr der Ringe", denen jedoch – so ehrlich muss man sein – das emotionale Futter fehlt. So brillant die Animationen auch sein mögen, so seltsam unausgegoren ist die Fantasywelt geraten: In einer Welt, in der Zauberer, Elfen, Orks und Trolle nebeneinander leben, ist vor einigen Generationen die Magie verloren gegangen, weil moderne Technik wie Flugzeuge oder Smartphones für Bequemlichkeit sorgen. Eine tolle Idee, aber sie dient nur als Setting und wird nie groß vertieft, schlimmer noch, der Film behandelt ganz andere Themen, die vom Setting unangetastet bleiben. Ein ähnlicher Blender wie "Zoomania", aber trotzdem noch nett.

26. Mank (David Fincher) – 5/10

Cineastischer Elitarismus in Reinkultur! Fincher verfilmt die Entstehungsgeschichte von "Citizen Kane" aus Sicht des Drehbuchautoren Herman J. Mankiewicz und erlaubt sich den Spaß, sämtliche Szenen in derselben Ästhetik wie "Citizen Kane" zu verfilmen, bzw. den Klassiker von Orson Welles immer wieder direkt zu zitieren. Das ist in dieser spielerischen Herangehensweise und hinsichtlich des mehr als dünnen Plots eigentlich nicht mehr als ein sehr teurer, sehr aufwendiger Studentenfilm, den die irren Produzenten bei Netflix wohl in Hoffnung auf einige Oscar-Statuen finanziert haben. Hinsichtlich des Drehbuchs ist das totaler Käse, der auf überkonstruierte Art und Weise versucht, die damaligen Gouverneurswahlen in Kalifornien als politischen Kommentar zum Trump-Amerika aufzublasen. Eine charmante Fingerübung, als funktionaler Spielfilm aber für jeden, der sich nicht für Filmgeschichte interessiert, kaum zu gebrauchen.

25. Der schwarze Diamant (Benny Safdie, Josh Safdie) – 5/10

Wäre Regisseur John Cassavetes ein Millennial gewesen, hätte das vielleicht diesen Film ergeben. Könnte man Filme wie Menschen betrachten, sie personifizieren, so wäre das hier ein Adrenalin-Junkie mit ADHS. In rastloser Inszenierung jagt Adam Sandler durch eine Art kunterbunten hyperschnellen Großstadtthriller, wobei hier vor allem ein Schnittmassaker verdeutlichen soll, wie kurzweilig das Treiben ist. Anders als ähnliche Turbo-Filme, die sich aber wenigstens zwischendurch dann doch kurze Atempausen gönnen, gibt es hier keine Gedanken ans Luftholen. Das ist in dieser Konsequenz fraglos inspirierend, und Adam Sandler in der manischen Hauptrolle ist eine kleine Schauspiel-Sensation, doch für nicht jeden ist diese anstrengende Sinnesüberlastung ein filmisches Erlebnis. Ich für meinen Teil habe sie in der zweiten Hälfte als ziemliche Tortur empfunden.

24. Jim Knopf und die Wilde 13 (Dennis Gansel) – 5/10

Die erste Realverfilmung der Jugendbuch-Klassiker von Michael Ende war eine erstaunlich gelungene Adaption, die dicht am literarischen Original und doch mit hübschen visuellen Einfällen die Geschichten um Jim Knopf und Lokomotivführer Lukas ins 21. Jahrhundert transportierten. Beim zweiten Streich gelingt das nicht mehr wirklich, weil die Leichtigkeit und die Entspanntheit abhanden gekommen sind. Teil 2 ist größer, düsterer und gleichzeitig wie so häufig bei Sequels hauptsächlich mehr von allem, was beim ersten Mal gut funktioniert hat. Das Buch von Ende wird wieder überzeugend auf die Leinwand gebracht, doch schon das konnte seinerzeit nicht mehr mit der erfrischenden Simplizität des Vorgängers mithalten. Ein Phänomen, welches sich leider beim Vorgang der Adaption mit in den Film eingeflossen ist.

23. Soul (Pete Docter) – 6/10

Der ambitionierteste Pixar-Film bislang bekommt nur einen Start bei Disney+ – eine kleine Tragödie. Wer hätte schon erwarten können, dass in einem Animationsfilm, dessen Hauptzielgruppe immer noch Kinder sind, u.a. C.G. Jung auftaucht und über das Unterbewusste spricht. Oder in der Szenen, die abstrakt das "Dasein der Seele außerhalb der irdischen Existenz" abbilden sollen, der Filmklassiker "Irrtum im Jenseits" von 1946 zitiert wird. So weit hat sich Pixar noch nie aus dem Fenster gelehnt – und dementsprechend überladen ist der Endeindruck. In einem Mix aus "Alles steht Kopf", "Coco" und "Alle Hunde kommen in den Himmel" will das Studio gleichzeitig die afroamerikanische Lebenswelt im Jahr 2020 abbilden, zivilisationsanalytische Fragen zum Sinn des Lebens stellen, spirituelle Richtungen der Weltreligionen vereinen und dennoch vor allem Kinder unterhalten. Das Ergebnis ist ein unausgegorener Film, der seine komplexen Ideen immer zugunsten von albernem Slapstick und einer lächerlich simplen Körpertausch-Geschichte zurückstellen muss, und nie die emotionale Kraft erreicht, die sich mit Pixar assoziieren lässt. Ausgerechnet diesem Film fehlt bei aller Ambition letztlich die Seele, wenn er auf den letzten Metern eine kraftvolle Botschaft für Hollywood-Kitsch opfert.

22. Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn (Cathy Yan) – 6/10

Manchmal macht es einfach Klick, und dann will ich auch gar nicht groß herum analysieren. Der neueste Film aus dem DC-Filmuniversum ist ein kleiner, derber Actionfilm-Spaß rund um Harley Quinn und ein paar andere Powerfrauen, die in launiger Manier Knochen zertrümmern und Bösewichte zerprügeln, wie es sonst nur in "Atomic Blonde" oder "The Raid" vorgemacht wird. Sicher: Das Drehbuch ist eine unstrukturierte Aneinanderreihung chaotischer Szenen, keine der Figuren bekommt sonderlich viel Substanz, aber was hier betrieben wird, ist kein Comicblockbuster von der Stange, sondern ein ästhetisch aufpoliertes Comeback der B-Movie-Zunft, die mancher gerne für ausgestorben hält. Wer sich drauf einlassen kann, hat einen netten Filmabend vor sich, in dem der unbestreitbare Höhepunkt eine surreale Traumsequenz ist, in der Margot Robbie als Harley Quinn sich in das Musikvideo von "Diamonds are a girls best friend" von Marilyn Monroe hineindenkt.

21. Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden (Aritz Moreno) – 6/10

Eine spanische Groteske durch und durch, doch leider verwechselt dieser thematisch interessante Film regelmäßig Tempo mit Enthusiasmus. Die schwarze Komödie ist irre schnell erzählt, und dabei durchweg unterhaltsam, doch versucht sie auch so krampfhaft an die Meisterwerke von Luis Buñuel zu erinnern, dass sie manchmal vergisst, sich die Zeit zu nehmen, um etwas Eigenes zu werden. Gestaltlerisch ist das nicht wirklich überzeugend, eine eher wirre Mischung aus verschiedenen Stilen, die kein einheitliches Ganzes formen. Der Humor aber zündet durchaus, wenn sich aus den im Titel behaupteten obskuren Geschichten mehrere Filme im Film ergeben, die in ihrer jeweiligen Ausrichtung zu überraschen wissen. Da es sich hier um einen Debütfilm handelt, könnte bei Folgewerken mehr inszenatorisches Selbstbewusstsein zu den vorhandenen schrägen Ideen hinzukommen.

20. 1917 (Sam Mendes) – 6/10

Hier wird "Dunkirk" mit der Ästhetik von "Birdman" inszeniert. Ohne sichtbaren Schnitt begibt sich ein britischer Soldat von seinem aktuellen Standort bis ganz nach vorne an die Front, um eine wichtige Botschaft zu übermitteln und damit einen Haufen an Menschenleben zu retten. In der ersten Hälfte sorgt die unendliche Kamerafahrt für eine starke Imersion ins Geschehen und hat einige famose Momente parat. Besonders im Gedächtnis blieb mir die Stelle, in der man meherere Minuten einem sterbenden Soldaten beim aus dem Leben scheiden beiwohnen kann und sieht, wie sich langsam die Farbe aus seinem Gesicht verabschiedet. Im späteren Verlauf wird die mit zahlreichen Gastauftritten von Stars (Colin Fith, Andrew Scott, Benedict Cumberbatch, Mark Strong) gepflasterte Kriegsfilm-Odyssee zum absurden Adventure-Videospiel mit Level-Logik und strapaziert die Glaubwürdigkeit des Konzepts zu arg über. Ein interessanter, durchaus nicht unspannender Film, der jedoch etwas blutleer und heroisch verbleibt.

19. Enola Holmes (Harry Bradbeer) – 6/10

Abseits der Kinoleinwände ermittelt bei Netflix "nur" die kleine Schwester von Sherlock Holmes, die ihrem Bruder natürlich im Hinblick auf ihren Verstand ebenbürtig ist. Enolas Geschichte ist ein Jugendfilm aus dem Lehrbuch, und lebt zu 100 Prozent vom subtilen, reifen Spiel der Hauptdarstellerin Millie Bobbie Brown. Sie darf ihre Spielfreude besonders immer dann vorführen, wenn sie sich direkt an den Zuschauer richtet und die vierte Wand durchbricht, ein Stilmittel, dessen komödiantisches Potenzial hier nicht ausgereizt, aber vernünftig genutzt wird. Das Drumherum ist ein handelsüblicher Krimi, mit all den kleinen Wirrungen, die diese Filme so in sich haben – und wenn man ganz ehrlich ist, hat all das mit Sir Arthur Conan Doyle und dem Mythos rund um Sherlock Holmes rein gar nichts zu tun. Wenn einen das nicht stört, ist der harmlose Spaß den Abend durchaus wert.

18. Cats (Tom Hooper) – 7/10

Liebe Internetgemeinde: Was war an dieser Musical-Verfilmung bitte so furchtbar? Natürlich lässt sich der Geist von Andrew Lloyd Webber nicht in einen Film übertragen. Natürlich sieht eine am Computer erzeugte Zwitterwesensversion von Mensch und Katze surreal und unwirklich aus. Natürlich können Stars wie Ian McKellen, Taylor Swift oder Jason Derulo nicht mit echten Musical-Darstellern konkurrieren. Trotzdem ist das hier ein Film geworden, der künstlerisch ein Wagnis eingeht, der mutig mit seinen Stilmitteln eine Melange aus Theater und Kino erzeugen will. Nicht jeder Einfall glückt dabei, dennoch ist diese ziemlich direkte Übertragung des Bühnenstücks in ein filmisches Kleid vor allem eine große Liebeserklärung an das Musical-Theater – und hat die groteske Aufregung drum herum nicht verdient.

17. Jojo Rabbit (Taika Waititi) – 7/10

Ein kleiner Junge aus der Hitler-Jugend, dessen imaginärer Freund der Führer persönlich ist, entkommt durch die Freundschaft zu einem jüdischen Mädchen seiner Indoktrinierung. Dieser Plot könnte in jedem Genre erzählt werden und deshalb versucht der Film gleich alle Tonalitäten auf einmal. Der emotional herausfordernde schnelle Mix aus bitterer Tragödie und herzenswarmer Komödie ist eine der ungewöhnlichsten Herangehensweise an das dunkle Kapitel der NS-Zeit seit langem, funktioniert über weite Strecken aber mit einer bemerkenswerten Treffsicherheit. Der Humor ist erfreulich subversiv und damit tiefgehend, die NS-Ikonographie und ihr Pathos werden auf hintergründige Weise vorgeführt, sodass sich mit sicherem zeitlichen Abstand zu dieser Zeit darüber Amüsement einstellen mag. Nicht so gelungen ist der Versuch, parallel auch eine Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen, da so die Fokussierung auf die schlauen historischen Kommentare verwässert wird. Ebenfalls gestalten sich die Auftritte von Sam Rockwell und Rebel Wilson in unnötigen Klischeefiguren als tendenziell nervig.

16. Emma (Autumn de Wilde) – 7/10

Wirklich überzeugende, in ihrer sinnlichen Erzählweise sogar emotional kluge Verfilmung des literarischen Meisterwerks von Jane Austen. Mit viel Mühe wird eine prunkvolle Welt gezeichnet, in der die Titelfigur beständig arrogantes Auftreten mit gesundem Selbstbewusstsein verwechselt. Die Risse im Marmor, durch welche die Vorlage zu einem Meilenstein in Hofdarstellungen wurde, sind hier minutiös herausgearbeitet und ein großer Spaß, auch wenn Anya Taylor-Joy vielleicht an manchen Stellen fehlbesetzt wirkt. Statt einer simplen Romantic Comedy bemühen sich die Macher des Films um eine feministische Neuinterpretation des Romans. Nicht an allen Stellen geglückt, ist der Unterhaltungswert dennoch hoch und manche Dialogzeile so elegant, dass sie sich leicht auch Wochen nach der Filmsichtung erinnern und in eigenen Wortgefechten einbinden lässt.

15. Knives Out (Rian Johnson) – 7/10

Den ungewöhnlichsten Genre-Twist des Jahres hat sich Rian Johnson zuzuschreiben und es gehört schon eine große Portion Irrwitz dazu, ein klassisches Agatha-Christie-Whodunnit innerhalb weniger Minuten in einen beinharten Suspense-Thriller der Marke Alfred Hitchcock umzuwandeln. Über weite Strecken haftet dem etwas anderen Krimi so der postmoderne Schleier der Unvorhersehbarkeit an, ehe letztlich dann doch auf den Genre-üblichen Erklärbärmonolog des hier gar nicht mal so schlauen Ermittlers zurückgegriffen wird. Die fabelhafte Besetzung ist bis in die kleinste Rolle toll besetzt, besonders hervorragend ist Ana de Armas in der weiblichen Hauptrolle und der majestätisch agierende Christopher Plummer, der nur in Rückblenden auftritt – immerhin ist er die Leiche. Etwas zu schlau will das Drehbuch aber schon sein und in der zweiten Hälfte werden so viele unglaubwürdige Wendungen aneinandergereiht, dass nur noch der Spaß-Faktor entscheidet, wie sehr man bereit ist, hierüber hinwegzusehen.

14. Da 5 Bloods (Spike Lee) – 7/10

Jetzt ist sogar Spike Lee bei Netflix gelandet? Ja, so ist es. Und ungeachtet dessen, wie man zum Streamingmarkt stehen mag, ist sein Kriegsdrama, welches er dort lanciert hat, die Sichtung allemal wert. Wenn die ehemaligen Vietnam-Veteranen nach mehreren Jahrzehnten in das Land zurückkehren, das sie einst traumatisiert verließen, ergibt das viele starke Momente, die auch aus dem Fundus der Filmgeschichte schöpfen: Eine Bar heißt "Apocalypse Now" und natürlich darf Wagners Wallkürenritt nicht fehlen. Als amüsantes Roadmovie mit Tiefgang funktioniert der Netflix-Oscaranwärter spielerisch. Bei den Versuchen, gleichzeitig auch einen Kommentar zum strukturellen Rassismus in den USA einzuweben, wandelt er Film aber auf der Schwelle zwischen klugen Beobachtungen (herrlich: Ein Dialog über "Rambo" stellt fest, wie rassistisch auch das Denken in Hollywood war und ist) und plumpen Überzeichnungen.

13. Der Fall Richard Jewell (Clint Eastwood) – 7/10

Großmeister Clint hat einen neuen Film und erst nach einer gefühlten Ewigkeit gab es den auch mal bei uns zu sehen. Gelohnt hat sich die Wartezeit: So schnörkellos und aufrichtig an der Spannungsschraube können nur wenige drehen und für Eastwood ist das gerade mal Routine. Sieht aber nie so aus, fühlt sich nie so an. Strukturell und thematisch ist die Verfilmung des Sicherheitsmannes, der beim Attentat auf die Olympischen Spiele in Atlanta 1996 eine entscheidende Rolle spielte, eng mit seinem Heldenporträt "Sully" verbunden und insgesamt ist das Werk etwas zu groß, etwas zu aufgedunsen auf verschiedene Akteure, um die selbe emotionale Stringenz von "Sully" zu beweisen. Trotzdem ist das großes, spannendes Kino nach wahren Begebenheiten und die Sichtung definitiv wert.

12. Der Unsichtbare (Leigh Whannell) – 8/10

So effektiv darf Horror gerne häufiger sein. Dass hier ein unsichtbarer Killer Jagd macht, ist nicht der wahre Grund, warum es sich bei diesem Film leicht gruseln lässt. Als erster Genre-Film verarbeitet diese lose H.G. Wells Adaption sozialkritische Aspekte mit existentialistischen Zwischentönen. Elisabeth Moss ist großartig in der Rolle der Verfolgten, die nicht einfach bloß die nächste Scream Queen ist, sondern ein Missbrauchsopfer. Der smarte Dreh für diese moderne Neuinterpretation ist die Verarbeitung des #metoo-Skandals. Statt eines Monsters heißt das wahre Grauen hier toxische Maskulinität. Ohne erhobenen Zeigefinger wandelt sich das Horrordrama zum Ende so in eine feministische Ermächtigungsgeschichte.

11. Waves (Trey Edward Shults) – 8/10

Eine eigensinnige Betrachtung des sogenannten "American Way of Life", in welchem die Familie gerne als Rückzugsort, als sicherer Hafen propagiert wird. Hier steht sozusagen der "Afroamerican Way of Life" im Vordergrund, in dem die Familie nicht weniger wichtig ist, aber auch einen enormen Druck ausübt. Wie "Moonlight" wird die Dekonstruktion fragiler schwarzer Männlichkeit betrachtet und in nüchternen, aber nachdenklichen Bilder aufgedröselt. Formell ist das ein brillantes Drehbuch, einzig die popkulturell aufgeladene, farblich warme Inszenierung schießt in ihrem Musikvideo-Pathos gelegentlich über das Ziel hinaus. Die emotionale Kraft dieses Films mindert das keineswegs.

10. Für Sama (Waad al-Kateab, Edward Watts) – 8/10

Mit Zeitsprüngen und Smartphone-Aufnahmen aus verschiedenen Jahren zeigt dieser großartige Dokuementarfilm den Syrienkrieg von Baschar al-Assad gegen einen Teil des eigenen Landes aus der Perspektive einer Mutter aus Aleppo. In ungestellten, unaufdringlichen Wechseln wird so die gekippte Stimmung im Land deutlich: Von der Studentenrevoltevon 2012 bis ins Jahr 2016, dem Moment, in dem Waad al-Kateab (die zu ihrem eigenen Schutz ihren Namen änderte) ihr Heimatland für immer verließ. Ein zeitgemäßes, erschreckendes Porträt, das sich deshalb so tief ins Unterbewusstsein eingräbt, weil es in seiner Handykamera-Ästhetik die Unaufgeregtheit von Social Media Videos auf Instagram für sich einnimmt, und sie mit Momenten des Schreckens füllt.

09. The Peanut Butter Falcon (Tyler Nilson, Michael Schwartz) – 8/10

Endlich mal ein großes, in seinen Motiven und Themen uramerikanisches Drama um Personen, welches sich nicht gezwungen fühlt, auf die Tränendrüse zu drücken. Verdammt nochmal, so gestaltet sich ein gefühlvoller Film, der echte Gefühle transportiert und sie nicht behaupten muss. Cineastische Empathie kann so einfach sein, in dem man die Figuren nicht im Dienste eines Plots oder einer Aussage stellt, sondern sie wie in dieser Tragikomödie kommunizieren lässt – verbal und nonverbal. Wenn der junge am Down-Syndrom erkrankte Mann von der Diskriminierung berichtet, die ihm im Alltag begegnet, oder wenn seine idealistische Pflegerin jeder Zeit alles für ihn stehen und liegen lassen würde, ist das kein Kitsch der Marke Traumfabrik, sondern eine Bestandsaufnahme verunsicherter, junger Menschen, die versuchen, in ihrem Leben einer Richtlinie zu folgen, die sie selbst noch nicht verstanden haben oder definieren können. Aufrichtiges Kino, ohne Plädoyer, mit (Fein-)Gefühl.

08. Queen & Slim (Melina Matsoukas) – 8/10

Was wurde dieser Film nicht stark missverstanden? Überall las man von der afroamerikanischen Version der "Bonnie & Clyde"-Geschichte. Doch mit Arthur Penn hat dieser Film rein gar nichts zu tun, denn der Fokus liegt nie auf der Sexualisierung von Gewaltikonographien. Stattdessen wird hier das festgefahrene Rassenverständnis der USA unter dem Mikroskop zensiert, ohne auf der sogenannten White Trash Sozialisation herumzuhacken. Offensichtlich wurde dieser Film mit sehr viel Wut im Bauch gedreht, und einige Monate später veröffentlicht hätte er wie kein anderer die politische Stimmungslage in den #BlackLivesMatter-Monaten auffangen können. Das hier mag ein Personenstück, ein Thriller sein, und es ist doch ein durch und durch politischer, ideologischer Film, der aufrütteln will – was ihm ohne große Mühe gelingt.

07. Tenet (Christopher Nolan) – 9/10

Ist das Größenwahn, eine für sich betrachtet philosophische Fingerübung als Multimillionen-Produktion umzusetzen? Wird diese Geschichte nur deshalb als Actionfilm, als postpostmoderne "James Bond"-Iteration aufgeladene Handlung erzählt, um den Mainstream in dieses selbstreflexive Stück Kino zu täuschen? Klares Ja. Verwerflich allein ist das gar nicht, wenn die Mischung so virtuos und ausgeklügelt ihr Spektrum an Raffinesse auf der Leinwand entfaltet. Es ist leicht, dieses schwierige Stück Film als Sci-Fi-Epos misszuverstehen, als physikalischen Zeitreisefilm, denn im Kern geht es um die Philosophie der Zeit, sowohl im echten Leben als auch in der Erzählkunst. Christopher Nolan gelingt ein mutiger, mit Aussagen beinahe überladener cineastischer Essay. Muss er sich dafür entschuldigen, diesen auf die möglichst unterhaltsamste Art und Weise inszeniert zu haben?

06. Pinocchio (Matteo Garrone) – 9/10

Sein "Das Märchen der Märchen" gehörte zu den besten Filmen der 2010er und ist das zentrale Märchenfilm-Meisterwerk der jüngeren Filmgeschichte. Nach einem Ausflug in Mafia-Gefilde im ähnlich meisterhaften "Dogman" backt Matteo Garrone nun kleinere Brötchen und verfilmt ohne großes Aufsehen die Geschichte des hölzernen Knaben, der ein normaler Junge werden will. Ohne große Abweichungen von der Originalgeschichte besticht diese Version durch ihre schaurig reale Optik, durch die die perfide Pädagogik der berühmten Story zum skurrilen Bodyhorror transformiert wird. Allein das ist eine Meisterleistung, wäre da nicht auch noch die einmalige Ausstattung, die dieses Jahr in Punkto Detailverliebtheit und Patina im Filmbereich ihres Gleichen sucht und den richtigen Spagat aus Märchenverfilmung und Kunstkino hinbekommt.

05. Jean Seberg: Against all Enemies (Benedict Andrews) – 9/10

Schauspielerin Jean Seberg wird filmhistorisch vor allem durch ihre Rolle im Nouvelle-Vauge-Klassiker "Außer Atem" assoziiert. Das ihr jetzt ein Film gewidmet wurde, der sich ebenso in der Zukunft als Klassiker herausstellen könnte, ist eine der tollen Geschichten, die das Kino selbst schafft. Kristen Stewart spielt die französische Film-Ikone mit faszinierendem Dekor. Der Fokus liegt nicht auf Sebergs Filmen, sondern auf ihrer Affäre mit Bürgerrechtler Hakim Jamal, durch welche sie zur Zielscheibe des FBI wurde. Über 100 Minuten lässt sich so hautnah miterleben, wie die zerbrechliche Psyche einer Frau, die ein Leben auf der Überholspur lebt, um ihre inneren Dämonen still zu halten, von äußeren Umständen vollständig annihiliert wird. Ohne Frage: Das stärkste Personendrama des Jahres!

04. The Gentlemen (Guy Ritchie) – 9/10

Warum Guy Ritchie immer noch eine der stärksten Stimmen des zeitgenössischen Kinos ist, stellt sein neuester Streich unter Beweis, bei dem er zu seinen Ursprüngen zurückfindet, aber die perfektionistische Ausgestaltung seiner Hollywood-Ausflüge übernimmt. Das destruktive, rasante Gauner-Epos, irgendwo zwischen "Der Pate" und "Snatch" angesiedelt, verlangt vollste Konzentration vom Zuschauer, da es offen damit spielt, mehrere Sachen von der ersten Szene an auf einmal zu versuchen. Eine unchronologisch erzählte Charakterstudie eines Alphamännchens und seiner Fassaden ist der oberflächliche Fokus, gleichzeitig wird aber die britische Selbstwahrnehmung im Post-Brexit-Zeitalter verhandelt. Und wäre das nicht genug, sorgt die selbstironische, innovative Regie für einen Meta-Kommentar auf die Funktionalität und Effektivität des postmodernen Kinos. Der coolste, aber auch der intelligenteste Film der jüngeren Vergangenheit.

03. Little Women (Greta Gerwig) – 9,5/10

"Betty und ihre Schwestern" wurde so oft verfilmt, dass es zu dem Stoff nichts mehr zu sagen gibt oder? Falsch! Wie immer ist das Kino das beste Medium für Neuausrichtungen, für kreatives Umdenken. Intellektuell, so kann man diese Verfilmung eines sogenannten Bildungsromans wohl am ehesten bezeichnen. Das geniale Drehbuch zeigt auf, wie viel sich aus einem bekannten Stoff herausholen lässt, durch einen einzigen narrativen Taschenspielertrick: die Ellipse. Dramaturgisch und chronologisch verrückt ist diese Adaption keine stringente Geschichte, sondern ein Mosaik von Momenten, die weiblichen Individualismus feiern, ohne einen bemühten Feminismus des 21. Jahrhunderts predigen zu müssen. Gleichzeitig ist dieser Film eine Lehrstunde in Publikumsmanipulation: Durch simpelste Informationsvorenthaltungen wird auf der Klaviatur der Erwartungen gespielt, ähnlich furios, wie es Alexandre Desplat im traumhaften Soundtrack tut.

02. Kajillionaire (Miranda July) – 10/10

Vielleicht ist es den Begleitumständen des Corona-Jahres 2020 geschuldet, dass das wahre filmische Meisterwerk von einer Familie handelt, einer Familie aus Betrügern, deren größter Betrug die Illusion einer intakten Familie ist. Soziale Inkompatibilität ist das erste und wichtigste Attribut, welches der Tochter des Betrügerpaares anhaftet, brillant gespielt von Evan Rachel Wood. Sie ist eine Empathin, gleichzeitig der Lebenswirklichkeit der verschiedenen sozialen Schichten aber fremd. Ihre Handlungen, aber auch ihre Verwurzlung in das Treiben der eigenen Verwandten, sind das Zentrum dieses berührenden Films, der lange Zeit von seiner Skurrilität a la Wes Anderson heraus Aufmerksamkeit bezieht. Natürlich sind das Kunstfiguren, und dennoch rühren sie zu Tränen, denn sie sprechen unser Innerstes an: Das Gefühl, einerseits den eigenen Weg gehen zu wollen, andererseits aber auch dazugehören zu müssen. Dermaßen brillant habe ich das Gefälle aus Individualismus und Gesellschaftswesen selten präsentiert gesehen. Bravo!

01. Hamilton (Thomas Kail) – 10/10

Auf Disney+ ist dieses Jahrhundertwerk jetzt als filmische Aufbereitung eines Konzertmitschnitts veröffentlicht worden. Das "Hamilton"-Broadwaymusical über das Leben des gleichnamigen US-amerikanischen Gründervaters ist vielleicht das medienübergreifende popkulturelle Meisterwerk des vergangenen Jahrzehnts. Nun rufen Puristen: Ein Konzertmitschnitt sei kein Film, sei nicht the real deal. Und natürlich gilt für die Theatererfahrung: Nichts ist vergleichbar damit, im Raum gewesen zu sein, in dem es passierte. "Hamilton" auf Disney+ gar nicht erst der Versuch, die Audience Experience eines Broadway-Stücks erlebbar zu machen. Stattdessen bringt uns die Kamera ganz nah ran an die Akteure, begrenzt bewusst unseren Blickwinkel, verweigert uns gerne den Blick auf die ganze Bühne. Die Regie ist für die Kamera akzentuiert, setzt Schwerpunkte, entschlankt. "Hamilton" auf Disney+ ist ein Film, und doch kein Film. Es ist eine Melange, ein Zwitterwesen, ein hungriges Biest. Eine neue Erfahrung. Was es aber nicht ist: Ein Kompromiss, bei dem der Cineast seine Ansprüche auf komplexes Filmhandwerk herunterschlucken muss.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Jahresrückblick 2020

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Mein Rückblick kommt spätestens morgen Abend, weil einiges zusammengekommen ist und ich sicherlich bei Beiträgen solcher Art bereits bekannt bin, Mammutbeiträge zu liefern. Dementsprechend bitte ich schon einmal um Verzeihung. Aber es ist sicherlich einfach zu erraten, welcher Film bei mir auf der 1 von 2020 ist.

Desweiteren bin ich morgen auch noch mit meinem musikalischen Rückblick für 2020 beschäftigt. Vorzugsweise entsprechend Metal-bezogen, dort ist auch einiges zusammen gekommen.

"Morgen" - ist für mich umgangssprachlich "nach der durchgeschlafenen Nacht". Ich weiß, dass wir jetzt zur Erstellung des Beitrags bereits 1.1.2021 haben, Aber die Rückblicke kommen beide 1.1.2021.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Jahresrückblick 2020

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So, 2020 auch wieder rum und immerhin 31 Filme der letzten beiden Jahrgänge geschaut (plus die Ausnahmen Roma und Pate 3 Coda Dingsbums) und leider blieb ein sehr mittelprächtiger Gesamteindruck hängen. Viel Mittelmaß, welches nur ab und an nach oben und unten durchbrochen wurde. Und das bestätigt dann auch der Notenschnitt mit 6,18. Bester Film war für mich ziemlich eindeutig Ford vs Ferrari. Die beiden größten positiven Überraschungen waren Roland Emmerichs gelungenes Comeback Midway und Edward Nortons unerwartetes Glanzstück Motherless Brooklyn. Die größte negative Enttäuschung war fraglos der ideenlose Bill&Ted-Nachschlag - obwohl es noch einige deutlich schlechtere Filme gab.


Der Fall Collini (Marco Kreuzpaintner)
Justizdrama aus deutschen Landen, das sich tiefschürfender gibt als es eigentlich ist und sich zudem unverkennbar an großen Gerichtsfilmen des US-amerikanischen Kinos orientiert. Das Dumme daran ist nur, das Kreuzpaintners Film nahezu ohne jegliche Spannung auskommt und Hauptdarsteller M’Barek der schweren Last den Film tragen zu müssen nur bedingt gewachsen ist. Die darstellerischen Granden Nero und Lauterbach liefern zwar gewohnt, verdeutlichen damit gleichzeitig aber auch ungewollt die Defizite des Hauptdarstellers.
5,5 / 10


J’accuse – Intrige (Roman Polanski)
Nach zwei für seine Verhältnisse schwächeren Filmen kehrt Polanski mit dem historischen Thrillerdrama zu alter Form zurück. Denn über große Strecken von J’accuse zieht der Regie-Großmeister alle Register zieht und bringt seine Geschichte mustergültig ans Publikum. Wie immer rekreiiert Polanski dabei perfekt die portraitierte Epoche und zieht den Zuschauer in die intriganten Winkelzüge rund um die Dreyfuss-Affäre hinein. Jean Dujardin gibt in der Hauptrolle eine gewohnt charismatische Vorstellung und meistert den Spagat zwischen klassischer Identifikationsfigur und moralisch durchaus ambivalentem Charakter gekonnt. Sicher kein einfacher Stoff und von Polanski auch alles andere denn als „easy watching“ dargereicht, aber gerade deshalb auch ein formal und inhaltlich sehr lohnender und überzeugender Film.
8 / 10


1917 (Sam Mendes)
Mendes generiert zusammen mit seinem Kameramann Roger Deakins diverse famose Einstellungen und Momente, welche von der teilweise starken Musik von Thomas Newman gezielt unterstützt werden. Auch verfügt er mit George MacKay über einen hochtalentierten Schauspieler in der Hauptrolle, welcher trotz seines vergleichsweise jungen Alters den Film im Alleingang zu tragen versteht. Leider stoplert 1917 heftig über seinen reduzierten Inhalt, welchen Mendes lediglich in eine Aneinanderreihung repitativer Momente und beliebiger Einzelszenen umzusetzen weiss. Da zudem Mendes Inszenierung eher Monotonie denn Spannung fördert ist sein erneuter Ausflug ins Kriegsfilm-Genre in Summe nicht mehr als Mittelmaß.
5,5 / 10


Joker (Todd Phillips)
Gelungene Neuinterpretation der Joker-Figur und der dazugehörigen Batman-Saga. Obwohl zeitlich in den 80er Jahren spielend lehnt sich der Film stark am Kino der 70er Jahre an, wobei fraglos Scorseses Taxi Driver hier als Hauptinspiration dient. Dennoch gelingt es Phillips dem Film durchaus eine gewisse Eigenständigkeit zu verleihen, was vor allem auch aus dem wiederkehrenden Spiel mit Einbildung und Realität resultiert. Zwar treffen nicht alle inhaltlichen Wendungen voll ins Schwarze (manche sind gar sehr vorhersehbar), dennoch unterhält der Film durchgängig auf hohem Niveau. Kronjuwel von Joker ist aber fraglos die atemberaubende Parforce-Darstellung von Joaquin Phoenix, der hier einmal mehr unter Beweis stellt, dass er zu den wandelbarsten und fähigsten Charakterdarstellern seiner Zeit gehört.
8 / 10


Stan & Ollie (Jon S. Baird)
Schönes Biopic über die Endphase des legendären Komikerduos mit viel Sinn für Sentiment und punktgenauem, eher leisem Humor. Geradezu fantastisch ist das Hauptdarstellergespann John C. Reilly und Steve Coogan, die unterstützt von fabelhaften Make Up-Effekten den großen Vorbildern in Aussehen und Spiel täuschend nah kommen. Stan & Ollie ist sicherlich kein spektakulärer und schon gar kein schneller Film, aber gerade in seiner wohltuenden und sorgfältigen Gemächlichkeit ein schöner Kontrapunkt zum zeitgenössischen Hektik- und Grosskino.
7,5 / 10


Ford v Ferrari (James Mangold)
Mangolds filmischer Ausflug ins Rennsport-Genre ist ein beeindruckender Start-Ziel-Sieg, da es ihm gelingt von Anfang bis Ende sowohl den Unterhaltungswert als auch Handlungs- und Figurenentwicklung im oberen Drehzahlbereich laufen zu lassen. Mit einem hohen Gespür für die portraitierte Epoche wird eben jene überzeugend wiederbelebt. Die beiden Hauptdarsteller Damon und vor allem Bale verkörpern ihre Rollen mit hohem Charisma und viel Spielfreude. Die Rennszenen mögen nicht die Authentizität von All-Time-Genre-Ikonen wie Le Mans oder Grand Prix erreichen (wie will man „the real deal“ auch schlagen), wissen aber dennoch in ihrer Kombination aus Echt-Aufnahmen und CGI zu überzeugen.
9 / 10


Midway (Roland Emmerich)
Der amerikanischste aller Regisseure kehrt mit seinem Ausflug ins Weltkriegs-Genre nach einigen schwächeren Filmen erfreulicherweise zu alter Form zurück und liefert eine äusserst unterhaltsame Geschichtsstunde ab. Lies der Trailer noch befürchten, Midway würde im untiefen Fahrwasser von Michael Bays seichtem Pearl Harbor manövrieren, so bewegt sich Emmerichs neustes Werk glücklicherweise eher in der Schnittmenge eines Tora! Tora! Tora! und von Bondarchuks legendärem Schlachtengemälde Waterloo. Zwar sieht man dem Film durchaus an, dass auch Schwabens Filmexport Nr.1 mittlerweile (wieder) mit kleineren Budgets auskommen muss – so sehen die stark eingesetzten CGIs oftmals sehr künstlich aus und vor allem der anfängliche Angriff auf Pearl Harbor gleicht eher einem Computerspiel – allerdings fängt dies unser Roland gekonnt mit einer sehr einfallsreichen und effektiven Inszenierung ab. Und so kommen nicht zuletzt die grossangelegten Schlachtszenen enorm packend daher und punkten mit durchgetaktetem Rhythmus. Noch beeindruckender ist jedoch die gleichermaßen spannende wie elegante Dramaturgie, wodurch Midway fraglos zusammen mit Anonymus das bislang reifste Werk des schwäbischen Blockbusterexperten darstellt.
8 / 10


Ad Astra (James Gray)
Ad Astra weiß vor allem durch seine sehenswerte Optik und tolle Spezialeffekte zu beeindrucken, wodurch der Ausflug ins Weltall äusserst glaubwürdig gerät. Weit weniger beeindruckend ist hingegen die nahezu durchgängig sehr schleppende Inszenierung und eine oftmals eher sprunghaft anmutende Dramaturgie. Auch das Wechselspiel zwischen wiederkehrenden Actionsequenzen und den dominierenden ruhig-meditativ gehaltenen Szenen wirkt eher unrund.
5 / 10


Leberkäsjunkie (Ed Herzog)
Der Eberhofer-Franz ist auf der Suche nach seiner alten Form – glücklicherweise nur innerhalb der Story des mittlerweile 6. Teils der bajuwarischen Krimödien-Saga. Denn qualitativ agiert der Leberkäsjunkie wieder auf allerhöchstem Serienniveau und punktet mit den wie und jeh sympathisch-launigen Figuren und ihren amüsanten Erlebnissen. Eine kurzweilig-pointierte Gaudi, die immer noch jede menge Lust auf Mehr macht.
8 / 10


Midsommar (Ari Aster)
Asters Psycho-Horror bewegt sich gekonnt zwischen Spannung und Verstörung und weiß sein Publikum dabei ein ums andere mal zu überraschen. Auch wenn der Film sich manche Anleihe am klassischen Wicker Man nimmt, so ist er insgesamt doch sehr eigenständig. Am Gelungensten ist dabei fraglos die Bebilderung der sektenähnlichen Midsommar-Gemeinschaft und ihrer eigenwilligen Riten, wodurch der Film eine enorme atmsophärische Dichte erzielt. Ein wenig problematisch ist dies insofern, da sich die Faszination an der fremdartigen Gemeinschaft im Laufe der zweieinhalb Stunden etwas abnutzt, was Aster mit dem sukzessiven Andrehen der Bizarrheits-Schraube zu kompensieren versucht.
7 / 10


Die Agentin (Yuval Adler)
Über weite Strecken sehr ordentlicher Spionagethrill mit einer bemerkenswert mausgrau agierenden Diane Kruger. Das größte Pfund mit dem der Film wuchert ist dabei sicherlich seine glaubwürdige Schilderung der iranischen Gesellschaft, wodurch eine Atmosphäre zwischen Fremdartigkeit und Faszination entsteht. Leider verliert der Film seinen lange Zeit spannend-schwungvollen Verlauf im letzten Drittel mehr und mehr und trudelt so eher unspektakulär ins Ziel.
6,5 / 10


Kursk (Thomas Vinterberg)
Die filmische Aufarbeitung des tragischen U-Boot-Unglücks kommt leider nie richtig in die Gänge, obwohl eigentlich alles Voraussetzungen für einen packenden Film vorhanden sind. Nützt nur wenig, wenn man so wenig daraus zu machen weiss. Exemplarisch ist hierfür die weitgehend unterbeschäftigte namhafte Besetzung (bei der witzigerweise die zunächst vertretene deutsche Schauspielprominenz mit Ausnahme von Toni Erdmann bereits nach einer Viertelstunde in die ewigen Jagdgründe einzieht). Einzig der gewohnt intensiv agierende Schoenarts gelingt es etwas mehr aus seiner Figur herauszuholen. Es hilft auch wenig, dass der Film die typischen U-Boot-Film-Klischees fast schon checklisten-getreu abarbeitet, wie auch insgesamt Inszenierung und Dramaturgie kaum nennenswerte Inspiration versprühen.
5 / 10


The Professor and the Madman (Farhad Saffinia)
Mel Gibson und Sean Penn schreiben ein Wörterbuch. Genau so unspektakulär wie es sich liest ist The Professor and the Madman dann leider auch geraten, da er außer zwei stark agierenden Hauptdarstellern (von denen vor allem Mel Gibson einmal mehr eine beeindruckende Vorstellung hinlegt) und ein paar interessanten Ansätzen wenig zu bieten hat. Dies liegt vor allem daran, dass die historische Charakterstudie allzu behäbig daherkommt und es der Inszenierung nicht gelingt, die dramatische Substanz der Figurenkonstellation dem Publikum dauerhaft nahezubringen. Selbst die filmische Wiederbelebung des Englands des frühen 20. Jahrhunderts ist nur bedingt gelungen, da der stark modern angehauchte filmische Look die durchaus vorhandenen Bemühungen bei Set- und Kostümdesign nachhaltig torpediert.
5,5 / 10


Parasite (Bong Joon-ho)
Die südkoreanische Gesellschaftssatire tänzelt zwischen diversen Genres hin und her, bekommt dabei aber nicht alle stilistischen Ansätze gleichermaßen gelungen hin. So ist die elanvolle erste Hälfte in Summe die gelungenere, auch weil die frech-leichtfüßige Hochstapler-Schnurre besser ist als die immer mehr in Richtung full-blown-Drama gehende zweite, in welcher der Film für meinen Geschmack seine Botschaft allzu abstrakt loswird. Trotzdem alles in allem ein interessanter Film, das oftmals ausgerufene Meisterwerk hat sich mir allerdings nicht erschlossen.
7 /10


I Am Mother (Grant Sputore)
Bräsiges Sci-Fi-Kammerspiel um ein junges Mädel, seine Robo-Mutti und eine verhärmte Hillary Swank, das sich inhaltlich weidlich bei diversen Genreklassikern bedient und dennoch vor allem an seiner erschütternd einfalls- und inhaltlosen Geschichte scheitert. So kommt der Film zu keinem Zeitpunkt in die Gänge und schleicht auf der Kriechspur durch die mit fast zwei Stunden viel zu lang bemessene Laufzeit.
3 / 10


Star Wars Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers (J.J. Abrams)
Nix neues im galaktischen Mäuse-Krieg: auch der mittlerweile fünfte Disney Star Wars-Film bedient sich großzügig in Lucas Originaltrilogie, ohne dabei aber jemals einen ähnlichen Zauber wie die Originale erzeugen zu können. Dabei wechseln sich ordentliche Unterhaltungswerte mit abenteuerlichen bis hanebüchenen Handlungselementen ab und getreu dem Disney-Credo bleibt immer alles schön sauber und politisch korrekt. Daher unterm Strich mittelmäßig-vergessenswerte Wegwerf-Unterhaltung.
5,5 / 10


Doctor Sleep (Mike Flanagan)
Die Grundidee eines Shining-Sequels auf den Spuren des erwachsengewordenen kleinen Dannys ist eigentlich hochinteressant, gleichzeitig aber auch eines der Hauptprobleme von Flanagans Stephen King-Verfilmung: denn arg viel mehr substanzielles als Verweise auf das Original wird nicht geboten bzw. das zweite dramaturgische Kernelement um Shiningfressende Vampire erweist sich als nur bedingt tragfähig. Hinzu kommt eine deutlich zu lange Laufzeit und zwar auch bereits in der zweieinhalbstündigen Kinofassung sowie ein oftmals sehr schleppendes Tempo. Dass der Film erstaunlicherweise dennoch sein Publikum halbwegs bei der Stange hält liegt an den guten Darstellern, den liebevoll konstruierten Anspielungen ans Original und den immer wieder aus dem Mittelmaß aufblitzenden tollen Ideen, Momenten und Szenen. In deutlich geraffter Form hätte das durchaus Potenzial gehabt, so ist es aber lediglich ein ganz ordentlicher Film geworden.
6 / 10


Sordo-The Silent War (Alfonso Cortés-Cavanillas)
Wer seinen Film mit Leone, Tarantino und Peckinpah vergleicht (bzw. bewirbt), der muss eigentlich zwangsläufig scheitern. Von daher hält sich die Überraschung, dass der Film sein vorab gegebenes vollmundiges Versprechen qualitativ nicht halten kann auch in Grenzen. Wirklich traurig hingegen ist, dass der Film stilistisch mit den so selbstbewusst herangezogenen Vorbildern aber auch überhaupt nichts gemein hat. Es sei denn, man stellt Parallelen an a la: spielt im WK2 wie Inglourious Basterds = Tarantino, ist oft sehr (bzw. erschreckend) langsam = Leone, es wird ab und zu geballert und geblutet = Peckinpah. In Wahrheit ist der Film ein bräsiges, sperriges, ultralangsames Widerstandsdrama mit gelegentlichen Actioneinlagen, wobei auch letztere erstaunlich unspektakulär daherkommen. Visuell ist Sordo dabei zwar durchaus einfallsreich und schön anzusehen, allerdings ist das angesichts der inhaltlichen und vor allem inszenatorischen Probleme fast schon ein Tropfen auf den in spanischer Sonne heißglühenden Stein.
3 / 10


Lindenberg! Mach dein Ding (Hermine Huntgeburth)
Ein außergewöhnliches Leben präsentiert in einem sehr gewöhnlichen Film. Zwar gelingt es dem Lindenberg-Biopic weitgehend sich unterhaltsam durch die mit zweieinviertel Stunden (etwas zu) grosszügig bemessene Spielzeit zu manövrieren, allerdings liegt dies in erster Linie an den launigen Epsioden und der guten Darstellung. Der Inszenierung läuft hingegen durchgängig entgegengesetzt zu den bunten und anarchischen Eskapaden des jungen Nuschelbarden, da sie diese bieder und oftmals geradezu spiessig in Szene setzt und erinnert diesbezüglich stilistisch und qualitativ frappierend an das letztjährige Kerkeling-Biopic. Selbst etwas extravagantere Kunstgriffe wie Zeitebenen-Sprünge oder ein psychedlisch bebilderter Drogenrausch a la Big Lebowski wirken eher aufgesetzt und bemüht. So bleibt Lindenberg! letztlich deutlich hinter seinen inhaltlichen Möglichkeiten zurück und ist lediglich nett anzuschauende Einmal-Kost ohne wirklichen Eindruck zu hinterlassen.
6,5 / 10


Bombshell (Jay Roach)
Angesichts Roachs Vergangenheit als Regisseur amüsant-unterhaltsamer Komödien durfte man im Vorfeld von Bombshell noch die Hoffnung hegen, dass er dem in den letzten Jahren recht eifrig beackerten Feld des Agenda-Films ein paar unerwartete Facetten abgewinnen kann. Und tatsächlich legt das erste Drittel dann auch mit viel Schwung und durchaus auch einem durchgängigen Augenzwinkern los, wodurch vor allem der Unterhaltunsgwert auf einem unerwartet hohen Niveau agiert. Leider schwenkt Bombshell spätestens ab der Hälfte hart in Richtung Problemfilm und erlaubt sich in Folge dessen kaum noch etwas von der Leichtigkeit der ersten 40 Minuten. Das mag man als angemessen erachten angesichts des politisch und gesellschaftlich wichtigen Themas, Tatsache ist aber auch, dass der Unterhaltungswert des Films in den Keller rutscht, da es Roach hier nicht gelingt mehr als eine trockene Wiedergabe der Ereignisse abzuspulen. Schade um den starken Beginn und die guten Darsteller.
5,5 / 10


Knives Out (Rian Johnson)
Johnsons Rätselkrimi ist leider nur in Teilen gelungen, da sich nach recht guter erster Hälfte die zweite zusehends zieht, wie auch die inhaltlichen Wendungen eher aufgesetzt wirken. Ob das jetzt eine liebevolle Hommage an Agatha Christie (-Filme) oder eine schamlose Selbstbedienung im Oevre der Whodunit-Queen ist muss jeder für sich selbst entscheiden - vermutlich ist es nüchtern betrachtet irgendetwas dazwischen. Am meisten enttäuschten mich die drei Hauptrollen respektive Hauptdarsteller, von denen keine für mich echte Akzente setzen kann. Das ist um so mehr schade, da man eine ganze Reihe charismatischer Darsteller in farbigen (Neben-)Rollen an Bord hat, die man aber praktisch alle innerhalb der ersten Hälfte abfrühstückt und danach nur noch sporadisch hinzunimmt (während Craig, De Armas und Evans die Szenerie bestimmen). So bleibt unterm Strich ein recht kompetenter, aber auch gleichzeitig eher unspektakulärer Kriminalfilm.
6 / 10


Judy (Rupert Goold)
Das Garland-Biopic mag das Genre weder revolutionieren noch neu erfinden und ist in Summe daher auch ein recht konventionell gemachter Film, punktet dafür aber mit einer herausragenden Hauptdarstellerin und einer sehr vielschichtigen Charakterisierung der zentralen Figur. Letzteres unterstützt Dramaturgie und Inszenierung dann auch äusserst geschickt, indem sie dem Zuschauer gleich mehrfach vorschnell ein charakterliches Urteil über Garland nahelegen (von der unverantwortlichen Rabenmutter hin zum mitfühlenden und warmherzigen Star zum Anfassen und wieder zurück) und damit die Komplexität der Figur verdeutlichen. Alles überragend ist jedoch Renee Zellweger, die sowohl darstellerisch als auch gesanglich eine atemberaubende Vorstellung liefert und damit der Garland auch ohne extreme Make-Up-Kunst unglaublich nahe kommt.
7,5 / 10


Der letzte Bulle (Peter Thorwarth)
Nein, (auch) der neue Thorwarth ist sicher kein zweiter Bang Boom Bang. Die Kino-Version der gleichnamigen TV-Serie weist aber dennoch unverkennbar die markante Handschrift des bereits durch seinen Erstling zu Legenden-Status gekommenen Regisseurs auf. Und was das Wesentliche ist: er macht einfach ordentlich Spass und unterhält sein Publikum durchgängig. Die typischen Thorwarthschen Trademarks tragen da nicht unwesentlich dazu bei, als da sind die lockeren Sprüche, der trocken-anarchische Humor, die bunten Figuren und wie immer eine dicht-authentisch eingefangene Ruhrpott-Atmosphäre. Zudem überrascht der Film dadurch, dass die der komödiantischen Kerndisziplin zugefügte Krimi-Ebene erstaunlich gut funktioniert. Nein, so richtig originell ist Der letzte Bulle fraglos nicht, was aber nicht schlimm ist, da der Film letztlich das was er macht mehr als ordentlich hinbekommt.
7 / 10


Angel has fallen (Ric Roman Waugh)
Teil 3 der Krach-Bumm-Saga um den schiesswütigen Secret Serviceler Gerard Butler gibt sich angesichts des oft sehr comichaften Ansatzes der Vorgänger erstaunlich düster und nüchtern, nicht zuletzt auch auf figürlicher Ebene. So muss sich Butlers Charakter nun mit körperlichem Verschleiß und einer Sinnkrise rumplagen. Das bietet interessante Ansätze, die der Film aber spätestens nach dem ersten Drittel mehr und mehr über Bord wirft, denn wenn die Kacke richtig dampft ist Butler dann doch wieder der gewohnte Alleskönner. Inhaltlich läuft das politische Intrigenspiel leider allzu beliebig und vorhersehbar ab und so bleibt am Ende fast nur die Action, die sich allerdings auch zumeist auf sehr ausgetreten Pfaden bewegt. Einziger unerwarteter Lichblick ist Nick Nolte als zauseliger Vietnamveteran und Butler-Papa, dem es tatsächlich gelingt in der generischen Einmal-Action-Kost ein paar bemerkenswerte darstellerische Ausrufezeichen zu setzen.
5,5 / 10


Gemini Man (Ang Lee)
Ang Lees Ausflug ins Action-Genre beginnt auf erfreulich hohem Niveau und weiß in der ersten Filmhälfte vor allem mit guter Einführung von Figuren und Thematik sowie einem guten Spannungsaufbau zu überzeugen. Wenn die Dramaturgie der Will Smith-Figur abupt den Boden der Existenz unter den Füßen wegzieht und zu einer wilden Flucht zwingt ist das sehr überzeugend in Szene gesetzt. Weniger gelungen ist hingegen das zentrale Plot-Element des jüngeren Klons, welches vor allem figürlich eher geschwätzig denn überzeugend daherkommt. Wirklich negativ macht sich aber der oftmals inakzeptable CGI-Einsatz bemerkbar. Nahezu alle Actionsequenzen leiden darunter, dass sie augenscheinlich digital augepeppt wurden, wodurch vor allem die ultraschnell beschleunigten Bewegungsabläufe extrem künstlich wirken und die Action generell mehr einem Videospiel denn einem Film gleicht. Ebenfalls bizarr mutet Will Smiths verjüngtes Ich an, welches zu keinem Zeitpunkt seine digitale Entstehung verleugnen kann und vor allem durch die massive Interaktion mit den „echten“ Darstellern unangenehm auffällt. So erweist sich Gemini Man dann mit zunehmender Laufzeit immer mehr als belanglose Durchschnittsware mit für Lee erstaunlich dünn und uninspiriert abgehandeltem figürlichem Kontext.
5,5 / 10


Jojo Rabbit (Taika Waititi)
Jojo Rabbit beginnt vielversprechend, da sein Ansatz ein geschichtliches Thema auf eher freche Art in Kombination mit bewusst übertriebenen und anachronistischen Elementen zu behandeln durchaus originell ist. Leider wird bereits nach spätestens einer halben Stunde klar, dass dies auch das einzige wirklich relevante Pfund ist, mit dem der Film wuchern kann. Denn inhaltlich bietet der Film kaum etwas neues und ist zudem sehr vorhersehbar. Weh tut Jojo Rabbit nicht, hat auch ein paar schön-sentimentale Momente an Bord und Sam Rockwell ist gewohnt gut. Aber vom Hocker reisst das alles nicht und man wird als nur äusserst milde von dem Film beeindruckter Zuschauer den Eindruck nicht los, dass die überaus positive kritische Rezeption des Films mehr dem behandelten Thema denn der eigentlichen Qualität geschuldet ist.
5,5 / 10


Terminator: Dark Fate (Tom Miller)
Jede Filmreihe erreicht zwangsläufig irgendwann den Punkt, indem sich weitere Teile inhaltlich nicht mehr wirklich legitimieren lassen. Beim Terminator-Franchise ist dieser Punkt fraglos bereits seit einiger Zeit überschritten und Dark Fate ist der filmgewordene Beweis dafür. Es ist erschreckend, wie unoriginell der jüngste Terminator-Film ausgefallen ist. Nahezu jedes Plot-Element wird dreist aus den ersten drei Teilen stibitzt und vor allem T2 dient praktisch als Blaupause, an welche sich Dark Fate inhaltlich wie in Bezug auf den Aufbau dann auch sklavisch hält. Die Action fällt generisch und austauschbar aus, die jederzeit erkennbare digitale Entstehung lässt sie zudem künstlich und unglaubwürdig wirken. Die Darsteller sind entweder blass, untalentiert oder abgehalftert. Einzig Old Arnies Auftritt im letzten Filmdrittel verleiht dem Film darstellerisch ein wenig Glanz, ohne ihn aber in irgendeiner Form auch nur annähernd retten zu können.
3,5 / 10


Roma (Alfonso Cuaron)
Roma ist qualitativ schwierig einzustufen. Der Film hat fraglos eine ganze Reihe an wohlverdienten Meriten, so beispielsweise die kunstvoll-elegante Schwarz-weiß-Fotografie, die stimmige Zeichnung der mexikanischen Gesellschaft in den frühen 70ern oder die toll agierende Besetzung. Andererseits verweigert sich Roma aber auch bewusst den gängigen Mechanismen des „Unterthaltungskinos“ durch eine äußerst langsame Gangart, eine spröde quasi-dokumentarische Herangehensweise und eine eher auf Episoden als auf eine zusammenhängende Handlung ausgerichtete Dramaturgie. Auch zeigt sich die Inszenierung deutlich mehr an der Gesellschaft und Zeitepoche an sich interessiert als an den Figuren, letztere bleiben dann auch trotz diverser schicksalhafter Ereignisse eher distanziert und schwer greifbar. Roma macht es seinem Publikum definitiv nicht einfach und um ganz ehrlich zusein konnte er mich nur bedingt überzeugen, da vor allem die betonte Langsamkeit und der überschaubare inhaltliche Content doch zu einer gewissen Zähigkeit führten.
6 / 10


Der Leuchtturm (Robert Eggers)
Mit dem gemächlichen Horror-Kammerspiel konnte ich leider gar nix anfangen. Durch die schön unheilschwangere Atmosphäre und die intensiv aufspielenden Akteure stellte sich anfänglich zwar noch ein gewisses Grundinteresse an dem auch visuell durch die schwarz-weiss-Photgraphie und dem antiquierten quadratischen Bildformat sich bewusst von herkömmlichen zeitgenössischen Produktionen abgrenzenden Film ein, allerdings konnte mich dies nur für eine gewisse Zeit über den zähen Handlungsfluss und die repitativen figürlichen Eskalationen hinwegtrösten. Einen echten Unterhaltungswert suchte ich vor allem in der zweiten Hälfte dann auch vergeben, wodurch das Zusehen zur äusserst harten Geduldprobe wurde.
3,5 / 10


Bill & Ted face the Music (Dean Parisot)
Von wegen volle Kanne, Hoschi: der späte Nachklapp zu den Abenteuern der sympathisch-doofen Metalheads Bill&Ted fällt inhaltlich leider erschreckend einfallslos aus und stützt sich praktisch ausschliesslich auf das oberflächliche Destillat der ersten beiden Teile.So schön es ist viele Bekannte der früheren Filme erneut in Aktion zu sehen und so überzeugend die beiden Hauptdarsteller Keanu Reeves und Alex Winter in ihren Paraderollen auch nach wie vor sind, so schmerzhaft ist es mit zunehmender Spielzeit dem einfallslosen Treiben zuzuschauen.
5 / 10


Homeless Brooklyn (Edward Norton)
Nortons Herzensprojekt um einen unter Tourette leidenden Privatdetektiv, der im New York der 50er Jahre die Hintergründe um den Tod seines Chefs aufklären will, ist vor allen Schauspieler-Kino deluxe. Die komplette Besetzung trumpft groß auf, darunter die Granden Willem Defoe und Alec Baldwin. Ja sebst Bruce Willis stellt unter Beweis, dass er auch heute noch zu mehr in der Lage ist als nur den Paycheck einzukassieren. Die diesbezügliche Krönung liefert aber Norton selbst ab, der seine Rolle mit einem Facettenreichtum und einer Leidenschaft spielt, wie man es lange nicht gesehen hat. Es wäre denoch etwas ungerecht den Film nur auf seine herausragende Darstellkunst zu reduzieren, da auch Nortons zwar gemächliche, aber immer zielgenaue Inszenierung die Krimi-Story über die vollen beinahe zweieinhalb Stunden mit viel Gespür für Atmosphäre und Figuren jederzeit im Griff hat.
8,5 / 10


The Godfather Coda: The Death of Michael Corleone
Francis Ford Coppolas später Facelift seines allgemein eher wenig geliebten Trilogieabschlusses macht vor allem eines: er verkürzt den Film inhaltlich und lässt ihn mit einem Vorgriff auf die Haupthandlung beginnen statt wie bislang mit einer Rückschau auf Teil 2. Ob letzteres nun den Film künsterisch aufwertet oder eher ein allzu gewollt wirkender Kunstgriff ohne echte inhaltliche Auswirkung ist, darüber kann man sicher streiten. Leider gehen die inhaltlichen Kürzungen aber zu Lasten der Figurenzeichnung, die nun vor allem in der zweiten Reihe deutlich oberflächlicher ausfallen. Ebenfalls verliert der Film so merklich an Atmosphäre und Epik.
7,5 / 10 (was in meinem Buch mindestens 1,5 Punkte niedriger ist als die bekannte Fassung)


Richard says Goodbye / The Professor (Wayne Roberts)
Schön zu sehen, dass der begnadete Schauspieler Johnny Depp auch heute noch darstellerische Sternstunden abzuliefern versteht, wenn es das Ausgangsmaterial und die Inszenierung denn zulassen. Depp zieht als unheilbar Krebskranker Professor, der angesichts des nahenden Todes auf Etikette und Konventionen pfeift, wahrlich eine Gala-Vorstellung ab und meistert sowohl die launigen als auch die dramatischen Momente in beeindruckendem Maße. Unterstützt wird dies durch eine über weite Strecken des Films leichtfüssige Inszenierung. Erst ganz am Ende verliert der Film etwas an Schwung, als sich die Geschichte etwas zu melodramatisch entwickelt. Dennoch ein feiner, kleiner Film mit einem bärenstarken Hauptdarsteller.
8 / 10
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Jahresrückblick 2020

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iHaveCNit: 2020 – der filmische Jahresrückblick

2020 – Normalerweise wäre das Filmjahr 2020 ein unglaublich großartiges Jahr für das Kino gewesen, denn viele große Blockbuster und Filme warteten Anfang des Jahres auf ihre Auswertung im Jahr 2020. Normalerweise hätten wir neben dem 25. Bond-Film auch den 2. Teil von Wonder Woman, den 2. Teil von Top Gun, den 2. Teil von „A Quiet Place“, eine Neuverfilmung von „Dune“, einen Solofilm von Black Widow als Abschiedsgeschenk für Scarlett Johansson, und, und, und …. - Im Kino gesehen !

Doch es kam alles anders. Eine unscheinbare, eher harmlose Bedrohung, die ihre ersten Schatten in China bereits Ende 2019 geworfen hat, wurde zum viralen Hit des Jahres 2020. Und der Einschlag auf uns alle ist unfassbar hart gewesen, denn der gesundheitliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden von „Corona“ ist einer, der uns auf Jahrzehnte prägen wird. Der Einfluss auf die Filmindustrie und auch die Kinolandschaft ist hier selbstverständlich auch problematisch gewesen. Kinos wurden zwangsweise geschlossen, Filme wurden nach hinten geschoben, finanzieller Erfolg für die Filme und Filmstudios sind mit den Einschränkungen aktuell nicht möglich, es wurden Alternativen durch Streaming gesucht und angeboten.

Trotz allem gab es 2 tolle Phasen im Kinojahr 2020 für mich. Die 1. Phase vom Beginn des Jahres bis zur ersten Schließung der Kinos und danach die 2. Phase von der Wiedereröffnung Anfang Juli bis zur Schließung Anfang November. Mit ein paar Sonderveranstaltungen habe ich nicht nur Filme wie Gladiator, Inception und Interstellar im Kino sehen können, ich habe auch mal Ballett aus dem Bolshoi-Theater Moskau im Kino mit 3 Generation meiner Familie in einer ausverkauften Vorstellung sehen können. Bei den Oscars habe ich mit erleben dürfen, wie mein Film des Jahres 2019 „Parasite“ nicht nur den Preis für „Best International Feature Film“, sondern auch Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch und Bester Film gewonnen hat und damit großer Sieger der Verleihung wurde – und in dieser Folge habe ich diesen auch im Kino meines Vertrauens in der letzten ausverkauften Vorstellung bis jetzt mit einer großartigen Zuschauermenge sehen können.

In der 2. Phase habe ich einen weiteren Kinorekord für mich aufgestellt. In der Zeit vom 02.07.2020 bis 01.11.2020 war ich insgesamt 70 mal im Kino. Und mit 5 Kinobesuchen ist Christopher Nolans „Tenet“ mein Rekordhalter, was die meisten Kinobesuche für einen Film angeht. Ich habe zwar dieses Jahr keinen Bondfilm sehen können, dafür aber einen Bond-ähnlichen Film von Christopher Nolan mit einem afroamerikanischen Hauptdarsteller in einer Bond-ähnlichen Rolle. Und dann noch mit diesem Film die erste D-BOX-Erfahrung meines Lebens gehabt. Den Film fühlen – wortwörtlich genommen.

Im Rückblick möchte ich selbstverständlich auch nochmal Personen erwähnen, die dieses Jahr von uns gegangen sind. Im Sinne der gegenwärtigen Krise ist aber auch eine Zahl sehr wichtig:
Knapp 1,8 Millionen Menschen sind weltweit durch die Corona-Krise an Covid19 verstorben.

Darüber hinaus möchte ich hier folgende Menschen erwähnen:

11.01.2020 – Stan Kirsch – Schauspieler - „Richie Ryan“ in der Serie „Highlander“

15.01.2020 – Rocky Johnson – Wrestler – Vater von „The Rock“ Dwayne Johnson

21.01.2020 – Terry Jones – Mitglied von Monthy Python

26.01.2020 – Kobe Bryant – Basketball-Legende

05.02.2020 – Kirk Douglas – Schauspieler

08.03.2020 – Max von Sydow – Schauspieler

10.03.2020 – Frank-Otto Schenk – Schauspieler und Synchronsprecher

20.03.2020 – Kenny Rogers – Country-Sänger

24.03.2020 – Albert Uderzo – Comic-Zeichner

01.04.2020 – Rüdiger Nehrberg – Survival-Experte

05.04.2020 – Honor Blackman – Schauspielerin

12.04.2020 – Stirling Moss – Rennfahrer

15.04.2020 – Brian Dennehy – Schauspieler

18.04.2020 – Leon Boden – Schauspieler und Synchronsprecher

23.04.2020 – Norbert Blüm – Politiker

08.05.2020 – Roy Horn – Illusionist und Zauberkünstler

11.05.2020 – Jerry Stiller – Schauspieler

17.05.2020 – Shad Gaspard – Wrestler und Schauspieler

23.05.2020 – Hana Kimura – Wrestlerin

25.05.2020 – George Floyd

31.05.2020 – Christo – Verhüllungskünstler

02.06.2020 – Werner Böhm – Sänger

19.06.2020 – Ian Holm – Schauspieler

22.06.2020 – Joel Schumacher – Regisseur

29.06.2020 – Carl Reiner – Schauspieler

06.07.2020 – Ennio Morricone – Komponist

11.07.2020 – Marc Angelucci – Anwalt und Männerrechtler

12.07.2020 – Kelly Preston – Schauspielerin

07.08.2020 – Alan Peters – Bassist (ehemals bei „Agnostic Front“)

09.08.2020 – Kamala – Wrestler

25.08.2020 – Riley Gale – Sänger („Power Trip“)

28.08.2020 – Chadwick Boseman – Schauspieler

29.08.2020 – Uli Stein – Cartoonist

01.09.2020 – Arthur Wooster – Kameramann und Second-Unit-Regisseur

03.09.2020 – Birol Ünel – Schauspieler

10.09.2020 – Diana Rigg – Schauspielerin

18.09.2020 – Ruth Bader Ginsburg – Bürgerrechtlerin und Juristin

21.09.2020 – Alan Tomkins – Szenenbildner und Art-Director

21.09.2020 – Michael Lonsdale – Schauspieler

22.09.2020 – Joseph Laurinatis „Road Warrior Animal“ - Wrestler

22.09.2020 – Michael Gwisdek – Schauspieler

05.10.2020 – Margaret Nolan – Schauspielerin

06.10.2020 – Eddie Van Halen – Rockmusiker

06.10.2020 – Herbert Feuerstein – Kabarretist

25.10.2020 – Thomas Oppermann – Politiker

28.10.2020 – Tracy Smothers – Wrestler

31.10.2020 – Sean Connery – Schauspieler

05.11.2020 – Goeffrey Palmer – Schauspieler

10.11.2020 – Horst Schön – Schauspieler und Synchronsprecher

20.11.2020 – Udo Walz – Friseur

23.11.2020 – Karl Dall – Moderator, Sänger, Schauspieler, Komiker

25.11.2020 – Diego Maradona – Fußballspieler und Trainer

28.11.2020 – David Prowse – Schauspieler

01.12.2020 - Hugh Keays-Byrne – Schauspieler

10.12.2020 – Thomas Lister Junior – Schauspieler und Wrestler

12.12.2020 – John Le Carre – Schriftsteller

17.12.2020 – Jeremy Bulloch – Schauspieler

18.12.2020 – Peter Lamont – Architekt und Produktionsdesigner

26.12.2020 – Brodie Lee – Wrestler

28.12.2020 – Pierre Cardin – Modedesigner

Nach dieser In-Memoriam-Sektion geht es nun um die Preisverleihung für besondere Leistungen, die mir dieses Kinojahr 2020 im Gedächtnis geblieben sind.

Eingangs die Regeln für diese Preisverleihung:
Jeder Kinostart eines Films im Jahr 2020 in Deutschland von 1.1.2020 bis 31.12.2020 eines Films, den ich gesehen habe, ist qualifiziert. Nach jeder Filmsichtung wurde ein Brainstorming durchgeführt, für welche Kategorien der Film sich qualifiziert. Am Ende des Jahres wurden die Qualifizierten je Kategorie zusammengeführt und aus diesen wurde dann der jeweilige Sieger ermittelt.
Die Jury dieser Entscheidung besteht nur aus mir. Jede Entscheidung entspricht somit 100 %.

2 Besonderheiten in 2020:
- Eine Kategorie enthält 2 Preisträger, da mir nur eine geteilte Entscheidung möglich war.
- Bei den Männern gab es keinen einzelnen Schauspieler, der mir in mehreren Filmen im Gedächtnis geblieben ist, so dass es bei den Schauspielpreisen bei den Männern nur 4 statt 5 Preisträger gibt. Bei den Frauen gibt es 5 Preisträgerinnen

Nachfolgend die Preisträger 2020:

Dokumentarfilm: „Viva The Underdogs – A Parkway Drive Film“
Regie/Dokumentation: Roman Droux „Der Bär in Mir“
Internationaler Film: „Die Wütenden – Les Miserables“
Deutscher Film: „Freies Land“
Animationsfilm: „Weathering With You“

Produktionsdesign: Dennis Gassner „1917“
Kostüme: „Emma.“
Make-Up/Hairstyling: „Bombshell“

Musik: Ludwig Göransson „Tenet“
Song: Travis Scott „The Plan“ „Tenet“
Soundmixing/Soundediting“: „1917“

Kamera: (Split Decision) Roger Deakins „1917“ / Hoyte van Hoytema „Tenet“
- Sowohl das Experiment Plansequenzen von Roger Deakins als auch der Einsatz von invertierten IMAX-Kameras von Hoyte van Hoytema hat mich in diesem Jahr zu einer geteilten Entscheidung gezwungen.
Schnitt: Lee Smith „1917“
Visuelle Effekte: „Der Unsichtbare“

Drehbuch: Christopher Nolan “Tenet“

Ensemble: Knives Out
Weiblich/Newcomer: Sidney Flanigan „Niemals Selten Manchmal Immer“
Männlich/Newcomer: Welket Bungue „Berlin, Alexanderplatz“
Weblich/Deutsch: Jella Haase „Berlin Alexanderplatz“ + „Kokon“
Männlich/Deutsch: Felix Kramer „Freies Land“
Weiblich/Support: Ana De Armas „Knives Out“
Männlich/Support: Robert Pattinson „Tenet“
Weiblich/Einzeln: Elisabeth Moss „Der Unsichtbare“
Männlich/Einzeln: Mark Ruffalo „Vergiftete Wahrheit“
Weiblich/Masse: Eliza Scanlen „Little Women“ + „Milla Meets Moses“

Regie/national: Christian Alvart „Freies Land“
Regie/männlich: Christopher Nolan „Tenet
Regie/weiblich: Eliza Hittman „Niemals Selten Manchmal Immer“


Nun sind die Preise vergeben worden, bis auf die 2 wichtigsten Preise des Jahres. Den für den Film des Jahres 2020 und den für den schlechtesten Film des Jahres 2020.

Dieses Jahr sind es 90 Filme geworden:
10 Sonderveranstaltungen (Dokus, Neuaufführungen, Ballett)
80 Filme, davon
73 im Kino
7 im Heimkino

Wie strukturiere ich nun meinen Countdown der TOP90 / 2020 ?

Die Sonderveranstaltungen werden ausgeklammert und chronologisch von Beginn bis Ende des Jahres aufgelistet.
Die Flop5 wird von Platz 5 bis 1 (bzw. Platz 76 bis 80) aufgelistet.
Im Anschluss wird der Countdown von Platz 75 bis 1 aufgelistet. Hierzu sind meine „Tagebucheinträge“ bzw. Kurzreviews aus meinem Filmtagebuch entsprechend an die Platzierung angepasst worden. Im „Filmtagebuch“ schreibe ich in wenigen Sätzen/Worten eine kurze Meinung nieder, die mir den Rückblick wesentlich vereinfacht.

Sonderveranstaltungen:

1. Sondervorstellung: Viva The Underdogs – A Parkway Drive Film (Ohne Wertung) – gesehen am 22.01.2020 in OmU (einmalige limitierte Kinoauswertung: 22.01.2020)
Dokumentation über die australische Metalcore-Band „Parkway Drive“, die mit einem Filmteam bei ihrer letzten Tour begleitet worden ist, die mit dem Headlinen der größten Metalfestivals Europas endet. Dabei liefert die Dokumentation einen schönen Blick hinter die Kulissen und Köpfe hinter „Parkway Drive“.

2. Sondervorstellung: Parasite (ohne Wertung in 2020 – Wertung 10/10 in 2019) gesehen am 15.02.2020 in Onyx LED 4K (deutscher Filmstart: 17.10.2019)
Mein Film des Jahres 2019 und nach seinem großartigen Triumph bei den Oscars wollte ich ihn nochmal sehen und da hat mein Multiplex um die Ecke eine Vorstellung in Onyx LED 4K angeboten. Die Vorstellungen in einem anderen meiner Kinos von Parasite sind bereits wochenlang mit ausverkauften Sälen gesegnet und das war im Kinopolis Main-Taunus heute auch fast der Fall, bis auf wenige Sitze war der Saal fast ausverkauft und das Publikum hat im Saal auch den gesamten Film über die richtige Stimmung mitgebracht, so dass mir der Film nochmal eine Ecke besser gefallen hat, als damals als ich ihn am Starttag gesehen habe. Und es hat mich einfach gefreut mit zu erleben, wie auch viele andere an dem Film ihre Freude hatten. Das Publikum hat es verdient und natürlich auch dieser großartige Film.

3. Sondervorstellung: Schwanensee (ohne Wertung) – gesehen am 23.02.2020 (deutscher Sonderstart: 23.02.2020)
Live-Übertragung von Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Schwanensee“ aus dem Bolshoi-Theater in Moskau. Die erste richtige Ballett-Erfahrung für mich im Kino und eine richtig interessante Erfahrung, wie durch ein Ballett nur mit Musik, Tanz und dem Ausdruck der Tänzer eine Geschichte erzählt wird. Vollen Respekt für alle darin Beteiligten und für die unfassbare Körperbeherrschung. Jedoch hat mich die Geschichte und seine Erzählung nicht vollends in den Bann gezogen und so kam durchaus auch mal die ein oder andere Länge bedingt durch die relativ überschaubare Handlung von „Schwanensee“ auf.

4. Sondervorstellung: Inception (10/10 Punkte / Ohne Wertung für 2020) – gesehen am 14.08.2020 (deutscher Filmstart: 29.07.2010)
Als ersten Teil von zwei Wiederaufführungen im Kino von Filmen Christopher Nolans habe ich mir „Inception“ auf der für mich größten Leinwand gesehen. Ich erinnere mich noch dunkel, in damals zum Kinostart in einem kleineren Saal in einem Frankfurter Kino gesehen zu haben, aber nun habe ich den Film auf der für mich größten Leinwand auf meinem Lieblingsplatz gesehen und hatte durchgehend Gänsehaut, hat er sich doch auf Ewigkeiten in mein Herz gespielt. Nicht zu vergessen, welchen Einfluss dieser Film auch auf mich gehabt hat. Als kleines Schmankerl vor dem Film gab es eine kurze Featurette zum neuen Nolan-Film „Tenet“ (ganz klar spoilerfrei) und auch ein kurzes Vorwort von Nolan zu „Inception“.

5. Sondervorstellung: Interstellar (10/10 Punkte / Ohne Wertung für 2020) – gesehen am 16.08.2020 in ONYX LED 4K (deutscher Filmstart: 06.11.2014)
Der zweite Teil von Wiederaufführungen im Kino von Filmen Christopher Nolans ist sein Science-Fiction-Epos „Interstellar“, der mich bereits 2014 unfassbar begeistert hat. Ähnlich wie zwei Tage zuvor bei „Inception“ war hier durchgehend Spannung, Begeisterung und Unterhaltung angesagt. Zwar war ich hier in einem wesentlich kleineren Saal als damals, aber hier in noch schärferen Bildern auf dem LED-Schirm ohne Pause und ohne eigene Unterbrechung dieses Mal den Film an einem Stück genossen.

6. Sondervorstellung: Gladiator (10/10 Punkte / Ohne Wertung für 2020) – gesehen am 17.08.2020 (deutscher Filmstart: 25.05.2000)
Wiederaufführung des modernen Klassikers und 5-fachen Oscarpreisträgers „Gladiator“, der dem Monumentalfilm eine kleine Renaissance bescherte und Russell Crowe zum Schaupsielstar machte. Nicht zu vergessen, dass der mitreißende Film einer meiner Lieblingsfilme ist.

7. Sondervorstellung: Die Blechtrommel (Ohne Wertung für 2020) – gesehen am 31.08.2020 (deutscher Filmstart: 03.05.1979)
Wiederaufführung des ersten deutschen Oscarpreisträgers für den Oscar des besten nicht englischsprachigen Films. Mit der Sichtung habe ich eine kleine aber auch wichtige Wissenslücke geschlossen, da ich bisher weder den Film von Volker Schlöndorff, noch das Buch von Günter Grass gelesen habe. Der Film liefert einen extrem unbequemen Blick auf eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte aus der Sicht eines kleinen Jungen, der sich im Alter von 3 Jahren weigert zu wachsen und sich seinen Weg durch die Welt trommelnd und gläserberstend bahnt. Zum aktuellen Zeitpunkt möchte ich dem Film noch keine Wertung geben.

8. Sondervorstellung: Der Bär in mir (Ohne Wertung) – gesehen am 17.10.2020 (deutscher Filmstart: 15.10.2020)
Wunderschöner Dokumentarfilm des bärenbegeisterten Dokumentarfilmer Roman Droux, der sich für einen Sommer dem Bärenforscher David Bittner anschließt, der in der Wildnis Alaskas den Grizzlybären sehr nahe kommt, ihr Verhalten erforscht und uns als Zuschauer damit unfassbar intime Bilder der Bären und großartige Landschaftsaufnahmen geliefert werden.

9. Sondervorstellung: I Am Greta (Ohne Wertung) – gesehen am 18.10.2020 (deutscher Filmstart: 16.10.2020)
Dokumentarfilm von Nathan Grossman, der die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg bis zu ihrer Reise nach New York begleitet hat und dabei einen sehr intimen Blick in die Gefühlswelt der jungen Schwedin liefert und auch zeigt, wie Gretas Engagement zu einem weltweiten Phänomen geworden ist.

10. Sondervorstellung: Oeconomia (ohne Wertung) – gesehen am 01.11.2020 (deutscher Filmstart: 15.10.2020)
Interessanter, spannender, unterhaltsamer und auch visuell gut aufbereiteter Dokumentarfilm von Carmen Losmann, die dem wirtschaftlichen Phänomen von gleichzeitigem Wirtschaftswachstum und gleichzeitiger Verschuldung auf den Grund geht.

Flop 5

Platz 5
76. Gretel und Hänsel (6/10 Punkte) – gesehen am 28.07.2020 (deutscher Filmstart: 09.07.2020)

Audiovisuell beeindruckende, aber relativ unausgewogene Mischung aus Coming-Of-Age und morbidem Märchen ohne wirklich viel Horror zu bieten. Die Neuinterpretation des Märchens der Gebrüder Grimm fokussiert sich hier zum Großteil auf der Figur der Gretel und der Hexe, während die Figur des Hänsels eher einem „Hänsel in Distress“ gleicht.

Platz 4
77. 21 Bridges (6/10 Punkte) – gesehen am 08.02.2020 (deutscher Filmstart: 08.02.2020)

Sehr geradliniger, kurzweiliger und unterhaltsamer „Old-School“-Copthriller mit einem coolen Chadewick Boseman in der Hauptrolle und guter handgemachter Action. Jedoch ist der Film relativ vorhersehbar, überraschungsarm und macht zu wenig aus der zugrundeliegenden Idee.

Platz 3
78. The Lodge (5/10 Punkte) – gesehen am 16.12.2020 im Heimkino (deutscher Filmstart: 09.02.2020)

Der Slowburner und Psychohorror „The Lodge“ von Veronika Franz und Severin Fiala pendelt irgendwo zwischen „Hereditary“ ; „The Shining“ und „Rebecca“, bietet interessante Ideen beim Produktionsdesign und der Kameraarbeit, jedoch schafft es die Story zu keinem Punkt mich zu fesseln und bei der Stange zu halten, so dass ich immer wieder leicht abgelenkt war.

Platz 2
79. Follow Me (5/10 Punkte) – gesehen am 09.09.2020 (deutscher Filmstart: 20.08.2020)

Relativ fiese, bodenständige und harte Mischung aus „Escape Room“ ; „Saw“ ; „Hostel“ und einem gewissen Film von David Fincher, dessen Nennung hier spoilern würde. Jedoch sind die schauspielerischen Leistungen auf einem sehr niedrigen Niveau.

Platz 1
80. 3 Engel für Charlie (5/10 Punkte) – gesehen am 04.01.2020 (deutscher Filmstart: 02.01.2020)

Sehr durchschnittlicher und tonal inkonsistenter Film, der auf der erfolgreichen TV-Serie basiert, die bereits in den Jahren 2000 und 2003 in Filmen von McG verfilmt worden ist. Leider fokussiert sich der Film viel zu selten auf das tolle Zusammenspiel des Trios aus Kristen Stewart, Naomi Scott und Ella Balinska und der Film verhebt sich leicht an sehr oberflächlicher und plakativer Gesellschaftskritik und stellenweise unfreiwillig komischen Humor.

Schlechtester Film für mich in meinem Kinojahr 2020: 3 Engel für Charlie

Plätze 75 bis 1

75.
Chaos auf der Feuerwache (6/10 Punkte) – gesehen am 20.09.2020 auf Blu-Ray (deutscher Filmstart: 27.02.2020)

Witzige, aber auch sehr warmherzige Komödie um eine Feuerwache und deren Einheitsleiter, der unverhofft die Rolle eines Babysitters übernehmen muss. Optisch kommt der Film wie ein B-Movie daher und manche Gags sind genau wie die Handlung vorhersehbar, aber das tut dem Spaß am Film keinen Abbruch.

74.
Bloodshot (7/10 Punkte) – gesehen am 07.03.2020 in Onyx LED (deutscher Filmstart: 05.03.2020)

Interessanter, launiger aber auch sehr unterhaltsamer B-Action-Trash mit einem coolen Design, einer coolen Actionsequenz und interessanten Wendungen basierend auf einem Comic von Valiant Comics. Leider sind die Special Effects dann doch manchmal etwas sehr billig umgesetzt.

73.
Birds of Prey The Emancipation of Harley Quinn (7/10 Punkte) – gesehen am 05.02.2020 in Dolby Atmos (deutscher Filmstart: 06.02.2020)

Wer in „Suicide Squad“ nicht genug von Margot Robbies Harley Quinn bekommen konnte, wird nun in Birds of Prey einen anfangs etwas holprigen, aber immer dynamischer werdenden Film bekommen, der tolle Action bietet, unterhaltsam ist und natürlich sowohl von Margot Robbie als auch Ewan McGregor und dem Ensemble tolle darstellerische Leistungen vorzuweisen hat.

72.
Unhinged (7/10 Punkte) – gesehen am 17.07.2020 in ONYX LED 4K (deutscher Filmstart: 16.07.2020)

Effektiver, kompakter Action-Psychothriller mit einem Russell Crowe im absoluten Rage-Modus. Jedoch auch sehr vorhersehbar und durchaus nicht immer logisch konstruiert.

71.
Wege des Lebens – The Roads Not Taken (7/10 Punkte) – gesehen am 19.08.2020 (deutscher Filmstart: 13.08.2020)

Sehr intimes und kompaktes Demenz-Drama mit einem tollen Vater-Tochter-Gespann aus Javier Bardem und Elle Fanning, das innerhalb von 24 Stunden viel erlebt und sich dabei näher kommt. Leider wirkt die letztendliche Einflechtung von 2 weiteren Zeit- und Traumebenen und die kurze Laufzeit dann so, dass der Film überfrachtet ist und nicht sein volles Potential entfaltet.

70.
Schwesterlein (7/10 Punkte) – gesehen am 30.10.2020 (deutscher Filmstart: 29.10.2020)

Von Nina Hoss und Lars Eidinger großartig gespieltes Krebsdrama, indem jedoch der Fokus auf die Leidenschaft zur Kunst und die Auswirkungen auf die eigene Lebensqualität durch die Einbindung banaler Konflikte ausgebremst wird.

69.
Exil (7/10 Punkte) – gesehen am 23.08.2020 (deutscher Filmstart: 20.08.2020)

Von Misel Maticevic und Sandra Hüller großartig gespieltes Psychodrama, dass eine möglichst ambivalente Darstellung mit dem Thema Ausgrenzung und Diskriminierung im Alltag versucht, aber letztendlich zu unentschlossen bleibt und der Hauptcharakter auch nicht unbedingt als sympathische Identifikationsfigur taugt.

68.
Jean Seberg (7/10 Punkte) – gesehen am 19.09.2020 (deutscher Filmstart: 17.09.2020)

Interessante Mischung aus Biopic, Bürgerrechtsdrama, Spionagethriller und Charakterdrama um die Schauspielerin Jean Seberg, die sich durch die Unterstützung der Black Panther-Bewegung ins Fadenkreuz der FBI begibt und an dem damit verbundenen öffentlichen Druck zerbricht. Der Film ist etwas zu kurz, um all seinen Themen die ordentliche Tiefe zu geben, aber vor allem Kristen Stewart ist hier der ganz große Pluspunkt des Films.

67.
Suicide Tourist (7/10 Punkte) - gesehen am 06.07.2020 (deutscher Filmstart: 02.07.2020)

Hartes und schwer verdauliches Mysterydrama um einen todkranken Versicherungsmakler, der von Nicolaj Coster-Waldau gespielt wird und in einem mysteriösen Hotel eincheckt, das Sterbehilfe anbietet. Der Film wirft einige Fragen auf, bleibt dabei etwas zu vage und regt ein wenig zum Nachdenken an.

66.
Blackbird (7/10 Punkte) – gesehen am 26.09.2020 (deutscher Filmstart: 24.09.2020)

US-Amerikanisches Remake des dänischen Familiendramas „Silent Heart“, in dem die todkranke Mutter noch einmal ihre Liebsten um sich versammelt, bevor sie den Freitod wählt und natürlich die ein oder andere Wunde aus der Vergangenheit aufgerissen wird. Tolles Ensemble, schönes Produktionsdesign und eine trotz Kenntnis des Originals emotional mitreißende Geschichte.

65.
Marie Curie (7/10 Punkte) – gesehen am 16.07.2020 (deutscher Filmstart: 16.07.2020)

Von Rosamund Pike großartig gespieltes Biopic um die erste wichtige Frau in der Wissenschaft und ihren für die Menschheit wichtigen Erkenntnissen und Entdeckungen. Leider wirkt das Biopic sehr gehetzt und auch die visuellen Spielereien bei Effekten wirkte etwas befremdlich.

64.
The Photograph (7/10 Punkte) – gesehen am 11.09.2020 (deutscher Filmstart: 10.09.2020)

Schön bebilderte und musikalisch untermalte Romanze und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einer New Yorker Kuratorin. Jedoch wirkt trotz guter schauspielerischer Leistungen die ganze Romanze etwas distanziert und die Verknüpfung von 2 Zeitebenen wirkt in der Dramaturgie etwas holprig.

63.
Harriet (7/10 Punkte) – gesehen am 13.07.2020 (deutscher Filmstart: 09.07.2020)

Von Cynthia Erivo sehr toll gespieltes Biopic um eine der größten Freiheitskämpferinnen, die im Zeitalter der Sklaverei in den vereinigten Staaten von einer Sklavin zur Freiheitskämpferin geworden ist und vielen versklavten Afroamerikanern den Weg in die Freiheit ermöglicht hat. Leider wirken einige Stationen in diesem Biopic etwas nüchtern, ein paar der Darstellungen sind auch etwas hölzern und die Spiritualität war für mich etwas befremdlich.

62.
Edison – Ein Leben voller Licht (7/10 Punkte) – gesehen am 24.07.2020 (deutscher Filmstart: 23.07.2020)

Sehr dynamischer, aber auch sehr hektischer und oberflächlicher historischer Film mit toller Besetzung über das Werk von Thomas Edison und George Westinghouse, deren Wettkampf eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Zeit vorangetrieben hat und auch einen großen Einfluss auf mein Leben hat.

61.
Mrs Taylors Singing Club (7/10 Punkte) – gesehen am 21.10.2020 (deutscher Filmstart: 15.10.2020)

Schöner, wenn auch etwas formelhafter und vorhersehbarer Film über eine Gruppe von Ehefrauen von Militärangehörigen, die einen Chor gründen. Tolles Ensemble und vor allem großartig von Kristin Scott Thomas und Sharon Horgan gespielt.

60.
On The Rocks (7/10 Punkte) – gesehen am 07.10.2020 (deutscher Filmstart: 01.10.2020)

Sofia Coppolas neuer Film entpuppt sich als sehr unterhaltsame Tragikomödie, in der Bill Murray als erfahrener Schwerenöter seiner Tochter dabei hilft, ihren vermutlich fremdgehenden Mann zu beschatten. Vor allem Bill Murray ist hier in diesem durchaus auch vorhersehbarem Film großartig.

59.
Der Spion von Nebenan (7/10 Punkte) – gesehen am 26.12.2020 im Heimkino (deutscher Filmstart: 12.03.2020)

Sehr harmlose, aber sehr charmante, unterhaltsame und witzige Action-Agentenkomödie mit Dave Bautista in der Hauptrolle als CIA-Agent, der es bei der Überwachung einer Zielperson mit der gewieften Tochter zu tun bekommt.

58.
Der Geheime Garten (7/10 Punkte) – gesehen am 19.10.2020 (deutscher Filmstart: 15.10.2020)

Schön ausgestattetes und erzähltes Fantasy-Märchen basierend auf dem Roman von Frances Hodge-Burnett, der bereits mehrfach verfilmt worden ist. Die neue Version benötigt etwas Anlauf für seine Geschichte, genau wie für die Sympathien gegenüber der Charaktere.

57.
The New Mutants (7/10 Punkte) – gesehen am 12.09.2020 (deutscher Filmstart: 10.09.2020)

Der vorerst letzte Film aus dem X-Men-Universum ist eine relativ kurze, kompakte und runde Mischung aus softem Horror, Coming-Of-Age-Story und Kammerspiel mit einen tollen Ensemble, das definitiv Spaß macht und unterhaltsam ist, auch wenn es in den Bereichen des Films sicherlich bessere Filme gibt.

56.
The Outpost (7/10 Punkte) – gesehen am 29.09.2020 (deutscher Filmstart: 17.09.2020)

Sehr bodenständiger und authentischer Kriegsactioner über den aussichtslosen Kampf von US-Truppen in einem Außenposten bei Kamdesh, welcher auf wahren Begebenheiten passiert. Trotz geringem Budget großartige Inszenierung der Actionsequenzen. Dazu wird einem als Zuschauer wenig an die Hand geliefert und man wird direkt in das Geschehen geworfen.

55.
Nightlife (7/10 Punkte) – gesehen am 18.02.2020 in Dolby Atmos (deutscher Filmstart: 13.02.2020)

Ganz witzige Komödie von Simon Verhoeven mit dem tollen Trio aus Elyas M´Barek, Frederick Lau und Palina Rojinski in den Hauptrollen, die jedoch einen etwas holprigen Start hat, etwas überladen wirkt und auch so mancher Humor dann doch etwas drüber ist.

54.
Gott, du kannst ein zensiert sein! (7/10 Punkte) – gesehen am 01.10.2020 (deutscher Filmstart: 01.10.2020)

Unterhaltsamer und warmherziger Feel-Good-Roadmovie über eine junge Frau, die nach einer Krebsdiagnose von zuhause abhaut um noch einmal das Leben zu genießen. Jedoch gerät bei der teils holprigen Struktur die Ernsthaftigkeit ein wenig auf der Strecke.

53.
Peninsula (7/10 Punkte) – gesehen am 13.10.2020 (deutscher Filmstart: 08.10.2020)

Fortsetzung von „Train To Busan“ und dem animierten Spin-Off „Seoul Station“, die die Handlung von einem Zug quasi 4 Jahre später in eine postapokalyptische Welt verlegt und eine Geschichte erzählt, die ein wenig an John Carpenters „Escape from New York“ erinnert – nur mit Zombies.

52.
Into The Beat (7/10 Punkte) – gesehen am 02.08.2020 (deutscher Filmstart: 16.07.2020)

Schöne, wenn auch etwas formelhafte und holprige Mischung aus Tanzfilm, Coming-Of-Age und Liebesfilm aus Deutschland, dass einen dann doch vor allem durch die Chemie der beiden Hauptdarsteller und den Tanzszenen ordentlich mitreißt.

51.
Eine Frau mit berauschenden Talenten (7/10 Punkte) – gesehen am 08.10.2020 (deutscher Filmstart: 08.10.2020)

Jean-Paul Salomes Krimikomödie über eine Polizeidolmetscherin, die den Weg einer Drogendealerin eingeht, punktet mit der großartigen Isabelle Huppert und der unterhaltsamen Geschichte, die etwas holprig und unbissig geraten ist.

50.
Auf der Couch in Tunis (7/10 Punkte) – gesehen am 05.08.2020 (deutscher Filmstart: 30.07.2020)

Charmante und amüsante Tragikomödie über eine tunesische Psychoanalytikerin, die nach der tunesischen Revolution in die Heimat zurückkehrt und eine Praxis trotz aller soziokulturellen, religiösen und bürokratischen Hindernisse eröffnen möchte. Schön gespielt von Golshifteh Farahani. Ich finde es nur schade, dass der Film etwas kurz ist und seine Themen nur etwas oberflächlich und handzahm behandelt.

49.
Faking Bullshit (7/10 Punkte) – gesehen am 10.09.2020 (deutscher Filmstart: 10.09.2020)

Sehr leichtfüßige Komödie, die ein deutsches Remake des schwedischen Films „Kops“ ist und in der es um eine Polizeiwache in einem ruhigen unkriminellen Örtchen geht, die infolge einer Prüfung geschlossen werden soll und deswegen selbst Straftaten begeht, damit die Wache nicht geschlossen wird. Leider sind die im Film enthaltenen gesellschaftskritischen Kommentare ein wenig zu flach, oberflächlich und unentschlossen.

48.
Astronaut (7/10 Punkte) – gesehen am 15.10.2020 (deutscher Filmstart: 15.10.2020)

Schönes emotionales Drama über einen verwitweten pensionierten Straßenbauingenieur, der sich trotz aller Umstände den Traum von einer Raumfahrt erfüllt und dabei auch mit seiner Erfahrung ein nicht kalkuliertes Problem ausfindig macht. Toll gespielt von Richard Dreyfuss.

47.
Es ist zu deinem Besten (7/10 Punkte) – gesehen am 09.10.2020 (deutscher Filmstart: 08.10.2020)

Unfassbar witzige, unterhaltsame und harmlose Komödie mit einem großartigen Ensemble um 3 Väter, die mit der Partnerwahl ihrer Töchter nicht einverstanden sind und einen Plan entwickeln, diese Bindungen zu lösen.

46.
In Berlin wächst kein Orangenbaum (7/10 Punkte) – gesehen am 06.10.2020 (deutscher Filmstart: 24.09.2020)

Kida Ramadans Regiedebüt als Einzelregisseur ist eine etwas kurze und oberflächliche Mischung aus Gangsterthriller und Vater-Tochter-Drama, in dem vor allem Emma Drogunova und Anna Schudt großartig sind und sowohl Kidas Sohn Momo als auch Tom Schilling, Frederick Lau, Stipe Erceg und Burak Yigit in kleinen Nebenrollen zu sehen sind.

45.
Die Misswahl (8/10 Punkte) – gesehen am 04.10.2020 (deutscher Filmstart: 01.10.2020)

Sehr amüsante britische Feelgood-Komödie mit einer sehr bodenständigen Keira Knightley, die als Frauenrechtlerin gemeinsam mit anderen Frauen die Wahl zur Miss World im Jahre 1970 sabotieren will, während zum ersten Mal dunkelhäutige Damen aus Südafrika und Grenada im Wettbewerb teilnehmen. Auch wenn ich weniger mit zugrundeliegenden Theorien anfangen kann und sich sowohl die im Film dargestellten Männer etwas dümmlich verhalten, war ich sehr unterhalten.

44.
Die Rüden (8/10 Punkte) – gesehen am 03.09.2020 (deutscher Filmstart: 20.08.2020)

Filmisch minimalistisch aufbereitete Versuchsanordnung eines Experiments mit einer Hundetrainerin, unvermittelbaren Hunden und aggressiven Straftätern, dass uns einiges über Vorurteile, Selbstwahrnehmung und Aggressivität aufzeigt.

43.
Der Göttliche Andere (8/10 Punkte) – gesehen am 13.08.2020 (deutscher Filmstart: 13.08.2020)

Sehr charmante romantische Komödie mit tollen Aufnahmen von Rom und vor allem einer witzigen Idee, wenn ein atheistischer Journalist auf eine kommende Ordensschwester trifft, sich auf den ersten Blick verliebt, aber immer wieder von einer größeren Macht daran gehindert wird, ihr die Liebe zu gestehen. Sehr kreativ und sehr interessant verläuft der Film, er bleibt jedoch stellenweise ein wenig holprig.

42.
Bad Boys For Life (8/10 Punkte) – gesehen am 21.01.2020 in Dolby Atmos (deutscher Filmstart: 16.01.2020)

Die Fortsetzung von Michael Bays Buddy-Cop-Actionkomödie kommt dieses Mal mit einem interessant konstruierten Plot mit Bezug auf die Vergangenheit von Will Smiths Mike Lowrey daher. Die Chemie zwischen Will Smith und Martin Lawrence stimmt immer noch und mir es gefallen, dass das relativ unbeschriebene Regie-Dou aus Adil El Arbi und Bilall Fallah hier bis auf wenige Ausnahmen auf den ganz großen Bay-Bombast verzichtet, den Anteil an Action etwas runtergefahren und sich klar auf sein Dou, den Humor und den emotionalen Background fokussiert hat.

41.
Irresistible – Unwiderstehlich (8/10 Punkte) – gesehen am 07.08.2020 (deutscher Filmstart: 06.08.2020)

Sehr witzige und kurzweilige Politsatire mit großartigem Steve Carrell, die sehr gut die ganze Absurdität und Skurrilität des US-Amerikanischen Wahlkampfs seziert und aufs Korn nimmt. Jedoch wirkt es manchmal etwas holprig und nicht so bissig wie erhofft.

40.
Tesla (8/10 Punkte) – gesehen am 24.08.2020 (deutscher Filmstart: 20.08.2020)

Von Ethan Hawke sehr toll gespieltes Biopic über Nikola Tesla, das mit einigen interessanten und guten filmischen Einfällen kommt.

39.
Undine (8/10 Punkte) – gesehen am 08.07.2020 (deutscher Filmstart: 02.07.2020)

Christian Petzold verpackt die mythologische Sage der Undine, an der sich auch Disneys Arielle bedient hat, in eine sehr reduzierte und von Paula Beer, Franz Rogowski, Jakob Matschenz und Maryam Zaree sehr gut gespielte Geschichte um Liebe und Schicksal.

38.
Pelikanblut (8/10 Punkte) – gesehen am 27.09.2020 (deutscher Filmstart: 24.09.2020)

Sehr interessantes Mutterschaftsdrama, das im Laufe seiner Handlung ein paar harte Einschübe psychologischem Horror serviert und viele unangenehme Momente und eine starke Performance von Nina Hoss liefert.

37.
Guns Akimbo (8/10 Punkte) - gesehen am 04.07.2020 (deutscher Filmstart: 25.06.2020)

Total abgedrehte und unterhaltsame Action-Comedy in dem ein Daniel Radcliffe gegen seinen Willen mit zwei an die Hände genagelten Pistolen in ein tödliches Spiel gezogen wird. Alles was man sich hier vorstellen kann, wird auch passieren. Jedoch ist der Film doch recht oberflächlich geraten und die Action schwankt zwischen Unübersichtlichkeit und Ästhetik.

36.
Master Cheng in Pohjanjoki (8/10 Punkte) – gesehen am 25.08.2020 (deutscher Filmstart: 30.07.2020)

Vollkommen unkitschige und philosophische Mischung aus Liebeskomödie und kultureller Annäherung aus Finnland mit einem für mich komplett unaufgebrauchtem Cast, allen voran Chu Pak Hong und Anna-Maija Tuokko, die für mich die Geschichte von einem chinesischen Koch, der sich langsam ins Herz der dortigen Bürger und auch ins Herz der liebeswürdigen Sirkka kocht.

35.
Mein Liebhaber, der Esel & Ich (8/10 Punkte) – gesehen am 27.10.2020 (deutscher Filmstart: 22.10.2020)

Charmante Selbstfindungskomödie über eine liebeshungrige Lehrerin, die für ihre Affäre in den Sommerferien in die französischen Berge fährt und dort eine Wanderung mit einem Esel durchmachen muss. Interessanter Verlauf der Geschichte, eine charmante Laure Calamy in der Hauptrolle und die Landschaftsaufnahmen machen den Film zu einem kleinen Vergnügen.

34.
Kokon (8/10 Punkte) – gesehen am 21.08.2020 (deutscher Filmstart: 13.08.2020)

Sehr warmherziges und einfühlsames Coming-Of-Age-Drama mit großartigen Schauspielleistungen von Lena Urzendowsky, Jella Haase und Lena Klenke. Leider ist der Verlauf des Films natürlich etwas vorhersehbar und manch ein eingeflochtener Kommentar überlädt den Film etwas.

33.
Und Morgen Die Ganze Welt (8/10 Punkte) – gesehen am 29.10.2020 (deutscher Filmstart: 29.10.2020)

Interessante und ambivalente Milieustudie über eine linke Kommune in Mannheim, der sich eine junge Jurastudentin anschließt, die mit weiteren Mitgliedern eine rechtsradikale Gruppierung ausspioniert und sogar vor Gewalt nicht zurückschreckt. Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, hält sich der Film offen und lässt den Zuschauer selbst entscheiden.

32.
The Climb (8/10 Punkte) – gesehen am 20.08.2020 (deutscher Filmstart: 20.08.2020)

Unglaublich authentischer und bodenständiger, aber auch sehr witziger, tragischer und absurder Film, der in Episoden die Chronologie einer toxischen Männerfreundschaft darstellt. Der große Pluspunkt des Films ist, dass die Hauptdarsteller sich quasi selbst spielen und bereits sehr lange eine Freundschaft pflegen, nicht zu vergessen auch die großartige Kameraarbeit, die die Episoden in möglichst wenigen Plansequenzen aufteilt.

31.
Queen and Slim (8/10 Punkte) – gesehen am 14.07.2020 im Heimkino auf Blu-Ray (deutscher Filmstart: 09.01.2020)

Lässige und cool inszenierte Mischung aus Romanze, Roadmovie – und knallharter Abrechnung mit der für viele Afroamerikaner in den vereinigten Staaten präsenten Diskriminierung der eigenen Bevölkerungsgruppe. Toll inszeniert und auch vor allem vom Duo Daniel Kaluuya und der Newcomerin Jodie Turner-Smith sehr gut gespielt.

30.
Underwater (8/10 Punkte) – gesehen am 10.01.2020 (deutscher Filmstart: 09.01.2020)

Sehr effektiver, spannender, atmosphärischer und klaustrophobischer Survivalhorror in den unheilvollen Untiefen des Mariannengrabens in einer Tiefe von bis zu 7 Meilen. Leider fehlt genau diese Tiefe ein wenig bei der charakterlichen Ausarbeitung, so dass man bis auf wenige Details bei den Charakteren nur an der Oberfläche kratzt. Aber da der kompakte Film von „The Signal“-Regisseur William Eubank mehr auf seine Handlung fokussiert bleibt, fällt das hier bei diesem Film weniger stark ins Gewicht.

29.
Jojo Rabbit (8/10 Punkte) – gesehen am 24.01.2020 (deutscher Filmstart: 23.01.2020)

Taika Waititis Coming-Of-Age-Kriegs-Satire lässt uns an der Seite eines 10-jährigen Junge sowohl die perfide Ideologie der Nazis im 2. Weltkrieg als auch den Schrecken dieser Zeit miterleben und vor allem die Ideologie dieser Zeit hinterfragen. Leider gelingt der Spagat zwischen ernsten Tönen und dem Humor nicht immer und aufgrund der Entscheidung, hier aus der Sicht eines 10-jährigen naiven und nicht ganz hellen Jungen die Geschichte präsentiert zu bekommen wirkt manches sehr oberflächlich und plakativ.

28.
Greenland (8/10 Punkte) – gesehen am 26.10.2020 (deutscher Filmstart: 22.10.2020)

Sehr spannender und effektiver Katastrophenthriller über einen Bauingenieur, dessen Ex-Frau und Sohn, die sich infolge eines Kometeneinschlags in einem Wettlauf gegen die Zeit begeben um einen schützenden Bunker in Grönland zu erreichen.

27.
Bombshell (8/10 Punkte) – gesehen am 14.02.2020 (deutscher Filmstart: 13.02.2020)

Von Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie und Jon Lithgow extrem stark gespieltes Drama über den Sexismus-Skandal bei Fox News um den Schöpfer Roger Ailes, der bereits eine kurze Zeit vor #metoo eine große Welle gemacht hat. Trotz einer sehr ambivalenten und einer möglichst ausdifferenzierten Auseinandersetzung mit dem Thema birgt die relativ dynamische und sprunghafte, an Adam McKays „The Big Short“ orientierte Inszenierung von Jay Roach das Problem, nicht immer ganz stimmig zu sein.

26.
Onward (8/10 Punkte) – gesehen am 05.03.2020 in 3D (deutscher Filmstart: 05.03.2020)

Der neuste Film aus dem Hause Disney und Pixar ist ein sehr routinierter und unterhaltsamer Fantasy-Action-Roadtrip, der sowohl eine Vater-Sohn-Beziehung als auch eine Bruder-Bruder-Beziehung in den Vordergrund einer Coming-Of-Age-Geschichte stellt und sich mit der Frage auseinandersetzt wie wohl eine zauberhafte Welt mit Magie und Fabelwesen aussehen würde, wenn sie sich so entwickelt, wie die Menschheit sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat.

25.
Persischstunden (8/10 Punkte) – gesehen am 24.09.2020 (deutscher Filmstart: 24.09.2020)

Großartiges KZ-Drama, das von einer wahren Begebenheit inspiriert ist und auf dem Buch „Erfindung einer Sprache“ von Wolfgang Kohlhaase beruht und die Geschichte über einen französisch-belgischen Juden erzählt, der sich als Perser ausgibt und einen von einem Restaurant in Iran träumenden Offizier die persische Sprache näher bringen muss, woraus sich eine unheilvolle und sehr vertraute Freundschaft entwickelt.

24.
Der Fall Richard Jewell (8/10 Punkte) – gesehen am 02.07.2020 (deutscher Filmstart: 25.06.2020)

Bis auf wenige Details ein sehr realistisches Drama von Altmeister Clint Eastwood um die Geschichte des Sicherheitsmanns Richard Jewell, der in Folge eines halbwegs vereitelten Bombenanschlags während der Olympischen Sommerspiele in Atlanta, in der Eastwood mit seinem relativ unaufgeregten und nüchternen Stil erzählt, wie eine behördlich und medial lancierte Hetzjagd das Leben eines unbescholtenen Mannes und seiner Mutter zerstört. Paul Walter Hauser, Kathy Bates und Sam Rockwell liefern hier sehr tolle Leistungen ab.

23.
Just Mercy (8/10 Punkte) – gesehen am 28.02.2020 (deutscher Filmstart: 27.02.2020)

Von Jamie Foxx, Michael B. Jordan und Brie Larson stark gespieltes und eindringliches Justiz- und Rassismusdrama auf wahren Begebenheiten über Bryan Stevenson und seinen Kampf für juristische Gerechtigkeit vor allem für unschuldig zum Tode verurteilte Afroamerikaner in Alabama. Im Film vor allem für den zum Tode verurteilten Walter McMillan. Der Film hat mich emotional richtig berührt, bleibt jedoch bei seiner Inszenierung klar am Schema des Justizdramas.

22.
Hello Again (8/10 Punkte) – gesehen am 18.09.2020 (deutscher Filmstart: 17.09.2020)

Der Film von Maggie Peren verbindet eine romantische Komödie mit der Zeitschleifenthematik und erschafft daraus eine rasante, temporeiche, witzige und unterhaltsame Geschichte, bei der vor allem Alicia von Rittberg und Edin Hasanovic großartig sind.

21.
Emma. (8/10 Punkte) – gesehen am 30.12.2020 im Heimkino (deutscher Filmstart: 05.03.2020)

Autumn De Wildes´ Regiedebüt ist eine Neuverfilmung von Jane Austens Klassiker „Emma“, mit einer wunderbaren Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle. Mit einer prächtigen Ausstattung erzählt der Film die Geschichte einer Frau, die inmitten der Dekadenz des britischen Establishments Beziehungen zwischen anderen knüpft und manipuliert, bis sie sich selbst gefühlsmäßig verrennt.

20.
Corpus Christi (9/10 Punkte) – gesehen am 04.09.2020 (deutscher Filmstart: 03.09.2020)

Großartiges Hochstapler-Drama aus Polen mit einem großartigen Bartosz Bielenia in der Hauptrolle, das einen gewissen Sog entwickelt, aus dem man sich schwer entziehen kann und trotz vorhersehbarem Verlauf am Ende einen richtigen Tiefschlag verpasst.

19.
Die Stimme des Regenwaldes (9/10 Punkte) – gesehen am 25.10.2020 in OmU (deutscher Filmstart: 22.10.2020)

Tolles Abenteuer- und Umweltrechtsdrama über die Arbeit des Umweltaktivisten Bruno Manser, der auf der Flucht vor der Zivilisation in Borneo auf das Nomadenvolk der Penan getroffen ist und den Schutz ihres Lebensraumes zur Lebensaufgabe gemacht hat.

18.
Der Unsichtbare (9/10 Punkte) – gesehen am 14.09.2020 auf Blu-Ray (deutscher Filmstart: 27.02.2020)

Sehr spannender und fieser Psychothriller, der auf dem gleichnamigen Horrorklassiker „Der Unsichtbare“ beruht. Sehr toll gefilmt und mit einem kräftigen Soundtrack unterlegt ist vor allem die Tour De Force von Elisabeth Moss als auch das Design sehr sehenswert. Auch wenn er umheimlich erffektiv ist, hätte ihm lediglich ein wenig mehr Tempo gut getan.

17.
Little Women (9/10 Punkte) – gesehen am 30.01.2020 (deutscher Filmstart: 30.01.2020)

Greta Gerwigs starbesetzte Neuinterpretation des bereits schon oft verfilmten Stoffs von Louisa May Alcott schießt zwar mit der gewählten Form der nonlinearen Narration etwas über sein Ziel hinaus, hat mich aber durch das wundervolle Schau- und Zusammenspiel des Ensembles emotional bekommen. Vor allem Saoirse Sonan und Florence Pugh haben mir sehr gut gefallen.

16.
The Gentlemen (9/10 Punkte) – gesehen am 26.02.2020 (deutscher Filmstart: 27.02.2020)

Guy Ritchies neuer Gangsterthriller besticht durch eine stylische Optik, eine tolle Besetzung, einen cleveren und coolen Aufbau sowie einem richtig coolen Humor, auch wenn er bei all seiner Exposition braucht, bis er letztendlich an Fahrt aufnimmt.

15.
Kajillionaire (9/10 Punkte) – gesehen am 23.10.2020 (deutscher Filmstart: 22.10.2020)

Skurrile, absurde aber sehr herzliche Tragikomödie von Miranda July über eine Trickbetrüger-Familie und ihre Tochter, deren Leben durch eine Zufallsbekanntschaft auf den Kopf gestellt wird. Sehr großartig inszeniert und auch vom vierköpfigen Ensemble gespielt, bei dem vor allem Evan Rachel Wood mir im Gedächtnis bleiben wird.

14.
Ema (9/10 Punkte) – gesehen am 31.10.2020 (deutscher Filmstart: 22.10.2020)

Pablo Larrains Drama ist ein total abgefahrener Mix aus Tanz, Sex, Feuer und einem abgedrehten Plan einer Tänzerin, die nach einer folgenschweren Entscheidung alle Hebel in Bewegung setzt, diese Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Großartige Bilder, Musik und darstellerische Leistungen erschaffen einen schwer zu entgehenden Sog.

13.
Die Wütenden – Les Misérables (9/10 Punkte) – gesehen am 15.12.2020 im Heimkino (deutscher Filmstart: 23.01.2020)

Zwischen Crimedrama und Milieustudie pendelnder Film des Franzosen Ladj Ly, der in starken, leicht dokumentarischen und hektischen Bildern ein Portrait des Banliues Montfermil in Paris zeichnet und das ausweglose Spannungsfeld zwischen rassistischer Polizeigewalt und kriminellen Parallelwelten aufzeigt.

12.
Milla Meets Moses (9/10 Punkte) – gesehen am 10.10.2020 (Deutscher Filmstart: 08.10.2020)

Starkes Krebs- und Coming-Of-Age-Drama, in dem eine Familie mit der Krebserkrankung ihrer Tochter auf sehr ungewöhnliche Art und Weise umgeht, während die Tochter noch einmal alles dafür tut, das Leben und die Liebe zu genießen. Ungewöhnliche und interessante Struktur und vor allem ein großartiger Cast mit Eliza Scanlen, Ben Mendelsohn, Essie Davis und Toby Wallace.

11.
Weathering With You (9/10 Punkte) – gesehen am 19.01.2020 (deutscher Filmstart: 16.01.2020)

Makoto Shinkais neuer Film nach „Your Name“ besitzt zwar nicht die erzählerische Wucht wie „Your Name“ ist aber dennoch wieder ein wundervoll animierter Film über die Liebe zweier Menschen zwischen denen wieder ein fantastisches Element steht.

10.
Berlin, Alexanderplatz (9/10 Punkte) – gesehen am 19.07.2020 (deutscher Filmstart:16.07.2020)

Dreistündiges Epos frei nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin, indem die Handlung in die aktuelle Zeit transportiert wird und wir den Weg eines illegalen afrikanischen Einwanderer namens Francis erleben, der in Berlin zwischen der kriminellen Laufbahn und einem ehrlichen Leben hin- und hergerissen ist. Großartig Inszeniert und gespielt wird daraus einer der besten deutschen Filme des Jahres.

9.
Out of Play (9/10 Punkte) – gesehen am 23.07.2020 in Dolby Atmos (deutscher Filmstart: 23.07.2020)

Starke Mischung aus Trinker- und Sportlerdrama mit einem unfassbaren Ben Affleck in der Hauptrolle, der hier die Rolle seines Lebens spielt – gerade weil sie auch einen Bezug auf seine privaten Erfahrungen hat. Das Drama hat alle meine Emotionen bedient und mich vollkommen mitgerissen. Ich hätte gerne mehr davon gesehen.

8.
Cortex (9/10 Punkte) – gesehen am 22.10.2020 (deutscher Filmstart: 22.10.2020)

Starkes Regiedebüt von Moritz Bleibtreu, der hier auch als Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller aktiv war und einen sehr stilsicheren und fordernden Psychothriller über einen „Körpertausch“ inszeniert hat, der sich selbst nicht vor Leuten wie Nolan, Lynch, Fincher, Villeneuve und Winding Refn verstecken muss.

7.
Freies Land (9/10 Punkte) – gesehen am 14.01.2020 im deutschen Filmmuseum Frankfurt in Anwesenheit des Regisseurs Christian Alvart mit anschließendem Fachgespräch (deutscher Filmstart: 09.01.2020)

Starker Genremix aus Western, Krimi und Thriller, der die Handlung der spanischen Vorlage „La Isla Minima“ in die Zeit kurz nach der Wende verlegt und in einer kargen trostlosen Gegend zwei ungleiche Ermittler, die perfekt von Trystan Pütter und Felix Kramer gespielt werden, in einem Fall von vermissten Mädchen nach der dunklen düsteren Wahrheit suchen. Schauspielerisch, audiovisuell und atmosphärisch auf den Punkt.

6.
Waves (10/10 Punkte) – gesehen am 20.07.2020 (deutscher Filmstart: 16.07.2020)

Extrem starkes Familiendrama, bei dem die komplette inszenatorische Struktur ein wenig an eine Welle erinnert. Stark von allen Beteiligten gespielt und auch sowohl im Bereich der Kameraarbeit als auch des Soundtracks einfach ein großartiges Stück Kino.

5.
Knives Out – Mord ist Familiensache (10/10 Punkte) gesehen am 31.12.2019 (deutscher Filmstart: 02.01.2020)

Rian Johnsons starbesetzter Krimi entpuppt sich als unterhaltsamer und spannender origineller Ansatz zu den klassischen Agatha-Christie-Krimis mit einem herrlich verschrobenen Daniel Craig in der Hauptrolle sowie mit der besten Leistung, die ich bisher von Ana De Armas gesehen habe.

4.
Niemals Selten Manchmal Immer (10/10 Punkte) – gesehen am 02.10.2020 (deutscher Filmstart: 01.10.2020)

Eliza Hittmans Drama über eine ungewollte Schwangerschaft einer minderjährigen jungen Frau und ihrem Weg zur Abtreibung ist ein ungeschönter, empathischer, ehrlicher und ohne jegliche Überspitzung, Stigmatisierung und Dämonisierung auskommender Film, in dem vor allem die Newcomerinnen Sidney Flanigan und Talia Ryder brillieren. Ein kleines Highlight im Filmjahr 2020.

3.
Vergiftete Wahrheit (10/10 Punkte) – gesehen am 12.10.2020 (deutscher Filmstart: 08.10.2020)

Brisanter und unfassbarer Tatsachenthriller über die Machenschaften von einem der größten Chemiehersteller der Welt, dessen Auswirkungen die komplette Menschheit betreffen und der Kampf noch bis heute anhält. Interessant inszeniert, klassisch erzählt und unfassbar gut gespielt von seinem Ensemble mit vor allem Mark Ruffalo und Bill Camp.

2.
1917 (10/10 Punkte) – gesehen am 08.01.2020 in Dolby Atmos (deutscher Filmstart: 16.01.2020)

Sam Mendes neuer Film handelt über eine fast körperlich nahe Erfahrung von 2 Soldaten im 1. Weltkrieg, die eine Nachricht zur Rettung von 1600 Soldaten überbringen müssen. Die Kameraarbeit von Roger Deakins, der dieses Mal mit One-Takes und Plansequenzen ohne fühlbaren Schnitt arbeitet ist grandios, genauso wie das gesamte Produktionsdesign und der Soundtrack von Thomas Newman, was ein tolles Kinoerlebnis liefert.

1.
TENET (10/10 Punkte) – gesehen am 26.08.2020 in ONYX LED 4K, am 28.08.2020 in Dolby Atmos, am 29.08.2020 in ONYX LED 4K, am 01.09.2020 in Dolby Atmos OV, am 07.09.2020 in Dolby Atmos D-BOX (Deutscher Filmstart: 26.08.2020)

Christopher Nolans neuer Film ist ein internationaler klassischer Spionagethriller, in dem Nolan seine Obsession für Zeit auf ein neues Level bringt und den realistischen wissenschaftlichen Ansatz für Zeitreisen in Form von Inversion so wie noch nie zuvor auf der Leinwand audiovisuell entfalten lässt. Der Cast passt perfekt, die gesamte Inszenierung und die visuellen, handgemachten Effekte sind atemberaubend und ein weiteres Mal hat mich Nolan begeistert. Ganz klarer Kandidat für meinen Film des Jahres 2020.

UPDATE am 1.1.2021 – Nicht nur Kandidat, sondern Film des Jahres 2020 für HCN007/iHaveCNit: TENET !

Somit finale Preisträger:
Flop 1 2020: 3 Engel für Charlie (5/10 Punkte)
Top 1 2020: TENET (10/10 Punkte)


Ausblick auf 2021:

Natürlich warten viele großartige Filme, unabhängig ob große Blockbuster oder auch kleine Arthouse-Filme und Geheimtipps auf ihre Veröffentlichung im Kino. Der virale Hit des Jahres 2020 wird noch einige Zeit im Umlauf sein, aber die jüngsten Entwicklungen machen Hoffnung, dass sich mit den aktuellen Einschränkungen und der Impfung der Hype so zurück entwickelt, dass es auch für Kinos „uneingeschränkt“ wieder weitergehen kann.

Natürlich werden die Entwicklungen im Streaming-Bereich auch für mich ein Thema sein, so dass ich mich vor allem in der „kinofreien“ Zeit mit den Angeboten im „Streaming-Bereich“ beschäftigen werde. Hier gibt es aus den vorigen Jahren ein paar Filme nachzuholen, egal ob bei Netflix, Amazon Prime, Disney+, Sky … und vielleicht auch bei HBO Max, sollte das Angebot der Warner-Streaming-Plattform irgendwann auch für den deutschen Raum verfügbar sein. Aber da der Zugang und der Aufwand am Ende für Filme im Streaming wesentlich geringer ist als für Filme im Kino, verlieren Filme für mich schneller ihre Wertigkeit als es Filme im Kino tun. Und „Heimkino“ wird für mich immer einen geringeren Stellenwert haben als „Kino“. Selbst wenn ich Filme fürs „Kino“ erst im „Heimkino“ sehe.

Normalerweise starte ich ins neue Jahr immer mit einem bereits vollgepackten Filmkalender, in dem viele Filme des Jahres bereits gelistet sind. Bei „2021“ ist das nun anders. Ohne genaue Planung und Konzept. Aber da mache ich mir die nächsten Tage mal genaue Gedanken, damit es in „2021“ sehr oft lauten wird: „iHaveCNit“
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Jahresrückblick 2020

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Maibaum hat geschrieben: 1. Januar 2021 23:52
Revoked hat geschrieben: 31. Dezember 2020 23:51 🤣
Ich habe folgende Filme 2020 im Kino gesehen:

Knives Out
Und, welches war der Höhepunkt, welches der Tiefpunkt des abgelaufenen Jahres? Oder muß das erst noch sacken?
Knives war gut, Out hatte ein paar Schwächen....
...punk in drublic.

Re: Jahresrückblick 2020

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Jahresrückblick 2020

Bester Hauptdarsteller: James Spader (The Blacklist)
Beste Hauptdarstellerin: Liv Lisa Fries (Babylon Berlin)

Bester Nebendarsteller: Charles Dance (Mank)
Beste Nebendarstellerin: Fiona Dourif (TENET)

Beste Regie: David Fincher (Mank)

Bestes Drehbuch: Rian Johnson (Knives Out)

Beste Kamera: Erik Messerschmidt (Mank)

Bestes Szenenbild: David Schlesinger (Knives Out)

Bestes Kostümdesign: Jenny Eagan (Knives Out)

Beste Filmmusik: Nathan Johnson (Knives Out)

Bester Schnitt: Kirk Baxter (Mank)

Bester Ton: Richard King (TENET)

Bester Film: Mank

Beste Serie (national): Babylon Berlin

Beste Serie (returning): The Blacklist

Beste Serie (new): The Mandalorian
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2021

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Jahresrückblick 2020

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Filmjahresrückblick 2020

Voller Vorfreude habe ich Ende 2019 aufs Filmjahr 2020 geschaut: So viele heißerwartete Filme und noch dazu einige die zumindest nicht uninteressant waren. Nach den beiden eher schwachen Jahren zuvor hatte ich große Hoffnung auf deutlich bessere 365 Tage. Doch Corona hat dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Allerdings nur bedingt. Denn auch wenn die Quantität stark gemindert wurde, qualitativ hochwertige Filme gab es auf jeden Fall. Unter anderem zwei Filme, die ich auch in den nächsten Jahren und vermutlich auch Jahrzehnten noch häufig sehen werde.
Außerdem hatte der Mangel an Neuerscheinungen den positiven Nebeneffekt, dass einige ältere Filme wiederaufgeführt wurden. Bei uns wurden zwar kaum wirklich alte Filme gezeigt, aber ich konnte die Dark Knight Trillogie und Inception auch noch auf der großen Leinwand erleben, bis auf TDK alle sogar im Original. Und die Erfahrung will ich auf keinen Fall missen.



5.Parasite (Kinowertung: 8/10)

Anfang des Jahres sorgte Bong Joon-hos neuer Film „Parasite“ auf internationalen Filmpreisverleihungen für Aufsehen und wurde dadurch einer größeren Masse an Kinogängern zugänglich. Auch ich habe ihn im Februar 2020 gesehen und wurde durchaus von ihm überzeugt, auch wenn ich die Lobeshymnen in ihrem Ausmaß nicht nachvollziehen konnte. Doch auch wenn ich hier und da ein paar Probleme mit dem Film hatte konnte er mich mit genügend seiner Qualitäten überzeugen und hat einige Szenen in mein Gedächtnis eingebrannt sodass ich ihn insgesamt nach wie vor als intensiven, sehenswerten Film bezeichnen würde.


4.1917 (Kinowertung: 8/10)

Ex-Bondregisseur Sam Mendes hat mit seinem preisgekrönten neuen Film 1917 bei mir einen gespaltenen Eindruck hinterlassen. Die erste Hälfte hat mich durchweg in ihren Bann gezogen und vollends begeistert. Der Onetakeansatz funktioniert hervorragend und erzeugt mehrere grandiose Kinomomente. Leider wirft der Film mit seinem einzigen Sichtbaren Cut in der Mitte des Films einiges seiner realistisch, dreckigen Inszenierung beiseite und wandelt mehr und mehr zu einem Standard-Hollwoodblockbuster-Heldenepos. Zwar gelingen Mendes und Kameramann Roger Deakins auch hier noch einige herausragende Einzelmomente, doch als Ganzes bietet der Film nichts wirklich besonderes mehr. Schlecht wird er zwar nicht, aber eine höhere Wertung verspielt er hier.


3.The Gentleman (Kinowertung: 8/10)

Wenige Tage vor dem ersten Lockdown hatte ich noch das große Vergnügen meinen ersten Guy Ritchie Film zu sehen und ich habe es keine Sekunde bereut. Von der ersten bis zur letzten Sekunde hat mich der Film mit seinen toll geschriebenen und gespielten schrägen Charakteren unterhalten. In der Zwischenzeit habe ich zwar vieles wieder vergessen, was normalerweise kein Gutes Zeichen ist, doch die Lust auf eine Zweitsichtung ist nach wie vor ungebrochen. Witzig, charmant und intelligent.


2.Tenet (Kinowertung: 9/10)

Mein persönlicher Kinorekordfilm. Insgesamt 4 mal habe ich mir Tenet im Kino angesehen, hätte der Lockdown Light Anfang November nicht für erneute Kinoschließungen gesorgt, es wäre wohl noch mindestens eine weitere Sichtung gefolgt. Tenet ist fürs Kino gemacht, nur dort wird er seine vollständige Magie entfalten können. Nolan setzt die Messlatte für Actionblockbuster in einigen Bereichen einen weiteren Schritt nach oben und zaubert Szenen auf die Leinwand, die so noch nie zu sehen und zu hören waren. Dabei geht er seinen Weg vielleicht konsequenter als je zuvor und nimmt dafür auch in Kauf den ein oder anderen Zuschauer auf der Strecke zu lassen. Es ist in jedem Fall sinnvoll, es dem Protagonisten gleichzutun und einer temporalen Zangenbewegung gleichend mit dem wissen der Handlung den Film ein weiteres mal zu schauen. Ganz fehlerlos ist Tenet zwar nicht, aber die wenigen Fehler werden von der puren Brillianz des Rests schlichtweg in den Schatten gestellt.


1.Knives Out (Kinowertung: 10/10)

Der in meinen Augen beste Film des Jahres erschien in den USA schon 2019, doch da er es hier in Deutschland erst im Januar in die Kinos geschafft hat, zähle ich ihn zu den diesjährigen Filmen hinzu. Und auch wenn 2020 aufgrund von Corona mit vergleichsweise wenigen Kinostarts aufwarten konnte, wird wohl einer meiner All-Time Favourites aus diesem Jahr kommen. Rian Johnsons Mix aus Agatha Christie Who Dunnit und Hitchcock-Thriller ist von der ersten bis zur letzten Sekunde brilliant geschrieben, hervorragend gespielt und außergewähnlich gefilmt. Kaum ein Film zuvor hatte so viele einzelne außergewöhnliche Shots, die sich gleichzeitig perfekt in Ganze einfügen. Für mich ist Knives Out ein Meisterwerk, das beweist, dass man das Rad nicht neu erfinden muss um etwas ganz, ganz großes zu schaffen!
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Jahresrückblick 2020

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GoldenProjectile hat geschrieben: 31. Dezember 2020 14:09 The King (David Michôd) - Heimkino
Schön oldschooliges mittelalterliches Shakespeare-Drama mit herrlichen rauen und dreckigen Schlachtenszenen. Robert Pattinson spielt das sehr gute Ensemble um Timothée Chalamet in zehn Minuten Screentime an die Wand.
7 / 10
Gestern geschaut und ich bin sehr, sehr angetan von diesem großartigen Film. Irgendwo bei 8,5/9 Punkten würde ich ihn ansiedeln. Endlich mal ein auf Shakespeare basierender Film, der auf den Vers-Quatsch verzichtet und damit die Form nicht über den Inhalt stellt. Atmosphäre und Ausstattung sind hervorragend, die Darsteller absolute Spitzenklasse. Und ja, Pattinson als arroganter-gehts-nicht-mehr Dauphin ist extraordinär, gleiches gilt aber mindestens auch für Chalamet.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Jahresrückblick 2020

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AnatolGogol hat geschrieben: 1. Januar 2021 08:59 Homeless Brooklyn (Edward Norton)

8,5 / 10
AnatolGogol hat geschrieben: 15. Januar 2021 14:01 Gestern geschaut und ich bin sehr, sehr angetan von diesem großartigen Film. Irgendwo bei 8,5/9 Punkten würde ich ihn ansiedeln. Endlich mal ein auf Shakespeare basierender Film, der auf den Vers-Quatsch verzichtet und damit die Form nicht über den Inhalt stellt. Atmosphäre und Ausstattung sind hervorragend, die Darsteller absolute Spitzenklasse. Und ja, Pattinson als arroganter-gehts-nicht-mehr Dauphin ist extraordinär, gleiches gilt aber mindestens auch für Chalamet.
Schön dass dir der Film (sogar noch besser) gefallen hat! Pattinson und Chalamet sind meine zwei Lieblingsdarsteller ihrer Generation, folglich waren ihre beiden gemeinsamen Szenen (das herausragende erste Treffen und der ruppige Zweikampf im Matsch) der reinste Genuss und ein wahrgewordener Traum. Chalamet ist natürlich auch grossartig, er wird zwar oft auf ähnliche Typen besetzt (obwohl sein Henry natürlich schon etwas anders ist als seine vorherigen Rollen) aber es ist immer ein Genuss, ihm zuzuschauen.

Motherless (nicht Homeless) Brooklyn habe ich mir dafür gerade gekauft und werde den auch bald nachholen.
We'll always have Marburg
cron