Wer ist der beste Gegenspieler von James Bond?

Dr. No
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (9%)
Donald Grant
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (2%)
Auric Goldfinger
Insgesamt abgegebene Stimmen: 10 (21%)
Emilio Largo (Keine Stimmen)
Ernst Stavro Blofeld (Donald Pleasance)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (4%)
Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (2%)
Ernst Stavro Blofeld (Charles Gray) (Keine Stimmen)
Mr. Big aka Dr. Kananga
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (2%)
Francisco Scaramanga
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (2%)
Karl Stromberg
Insgesamt abgegebene Stimmen: 5 (11%)
Hugo Drax (Keine Stimmen)
Aristoteles Kristatos (Keine Stimmen)
General Orlov (Keine Stimmen)
Max Zorin (Keine Stimmen)
Georgi Koskov (Keine Stimmen)
Franz Sanchez
Insgesamt abgegebene Stimmen: 9 (19%)
Alec Trevelyan (Keine Stimmen)
Elliot Carver
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (9%)
Renard (Keine Stimmen)
Gustav Graves (Keine Stimmen)
Le Chiffre
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (4%)
Dominic Green
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (2%)
Silva
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (4%)
Franz Oberhauser
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (9%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 47

Re: Der beste Gegenspieler

#376
Also am bleibensten in Erinnerung geblieben von den älteren Gegenspielern sind mir eindeutig Auric Goldfinger, Blofeld (mit Donald Pleasence), Karl Stromberg & Dr. No !
Neu dazu gesellt sich jetzt Franz Oberhauser (Christof Waltz), der auch einen ganz eigensinnigen Charme in seiner Figur verleiht.
So ein Ding wie man liebt es oder man hasst es.
Bei mir ist ersteres der Fall, deshalb hab ich fürs Franzl, natürlich der Oberhauser Franzl gstimmt ! ;-)

Doch auch der andere Franz liegt bei mir weit vorne, Robert Davis Paraderolle als skrupeloser Drogenbaron Sanchez ist einfach klasse !
Ich behaubte mal es ist der Bondgegenspieler der in einem Film am meisten zum Einsatz kommt.
Denn Film habe ich mir gestern nach langer Zeit nochmal angeschaut & natürlich auch jetzt intensiver wahrgenommen !
"Zum korrekten Anzug das passende Gerät !" "Ein toller Apparat !" "Njja !"

Frag doch mal den Hille - Der beste Gegenspieler

#377
25. Gustav Graves (alias Toby Stephens, DAD)
- Die größte Fehlbesetzung in DAD - und das will was heißen. Toby Stephens versucht mit aller Mühe, eine Art "Evil Bond" Karikatur zu präsentieren und legt Gustav Graves (sicherlich gemäß der Rolleninterpretation) als fleischgewordenen Gigantomanen an. Leider fehlt es ihm dabei zu jeder Zeit an Ausstrahlung, Charisma und schauspielerischem Können. Besonders in seinen wenigen Szenen mit Rosamund Pike wirkt er gar hilflos mit seiner Rolle überfordert. Das Script hilft ihm da wenig und begnügt sich damit, ihm platte Allmachtsphrasen in den Mund zu legen. Gustav Graves ist in DAD für die Charaktere das, was der Tsunami für die visuellen Effekte ist: Das Paradebeispiel Nummer Eins dafür, woran DAD scheitert und was an der Konzeptionierung des Films schief gelaufen ist.

24. Raoul Silva (alias Javier Bardem, SF)
- Javier Bardem brillierte in "No Country for Old Men" als einer der wohl intelligentesten Schurken der jüngeren Filmgeschichte. In SF ist es das Drehbuch, welches ihm ein Bein stellt. Mit absurder Frisur referiert Silva gerne Minuten lang über eine Rattenplage auf seiner Insel, lotet vorsichtig die mögliche Homosexualität Bonds aus und macht Judi Dench für alles Leid der Welt verantwortlich. Die peinliche CGI-Entstellung in seinem Gesicht im Zusammenhang mit der blassen Motivation und die klischeehaften Dialoge à la "Mommy was very bad" machen aus ihm einen langweiligen Standard-Psychopathen, der die Gravitas eines Bondschurken vermissen lässt, und eher an Heath Ledger als Joker in "The Dark Knight" erinnert, als an einen traumatisierten Ex-Agenten und Computergenie.

23. Ernst Stavro Blofeld (alias Donald Pleasence, YOLT)
- Die Vorlage für Dr. Evil aus den "Austin Powers"-Filmen. Leider muss man sagen. Donald Pleasence, der einen formidablen, dämonischen Bondschurken abgeben hätte können, wird mit grotesker Narbe entstellt und zur Karikatur eines Bondschurken degradiert. Das dümmlich aufgemalte Gesichts-Accessoire unterstreicht die flapsige Rolleninterpretation des vormals gesichtslosen Blofeld nur umso mehr. Pleasence dreht voll auf, und spielt den Größenwahn seiner Rolle so offensichtlich, dass es zurecht immer wieder parodiert wurde. Wenn Blofeld sich nicht entscheiden kann, ob er Bond töten oder mit ihm plaudern will, wirkt der SPECTRE-Anführer wie ein trotziges Kind. Was der ursprünglich besetzte Jan Werich aus der Rolle herausgeholt hätte, bleibt derweil ein großes Geheimnis.

22. Franz Oberhauser (alias Christoph Waltz, SP)
- Ein schwacher Schurke ist meist ein Genickbruch. In SP hat Oberhauser seinen ersten richtigen Auftritt zum Glück erst nach 2 Stunden. Ab da kommt man leider nicht drum herum, zu bemerken, dass Christoph Waltz bloß seinen Hans Landa aus "Inglourious Basterds" variiert und dabei deutlich ins Chargieren abrutscht. Da Oberhauser wenig mit der eigentlichen Bedrohung rund um ein Überwachungssystem zu tun hat, hinterlässt er nur wenig Eindruck. Das hat scheinbar auch Mendes gemerkt, und so ist Oberhauser nicht nur Bonds Quasi-Stiefbruder, sondern auch noch Blofeld (liebevoll: Brofeld), obwohl er mehr an Dr. No erinnert und zudem rückwirkend für die Geschehnisse der ganzen Craig-Ära verantwortlich. Eine schwache Notlösung für einen schwachen Schurken.

21. Franz Sanchez (alias Robert Davi, LTK)
- Das besondere an Sanchez in LTK ist seine Beziehung zu Bond. Bis kurz vor Schluss ist Bond als Wolf im Schafspelz mit seinem Gegenspieler per Du. Und das, obwohl die Rivalität nie persönlicher war als hier. Die Dialoge zwischen Bond und Sanchez sind wirklich gut geschrieben und ein Glanzlicht des Films. Als Charakter selbst bleibt Sanchez aber wenig im Gedächtnis. Wenngleich Robert Davi ordentlich spielt, bleibt Sanchez in weiten Teilen ein Klischee-Mafiosi, der zu viel substanzlos über Loyalität und Geld redet, während er sich immer wieder von Bond übertölpeln lässt - wobei er dessen Maskerade am Ende nicht einmal selbst durchschauen darf. Das obligatorische Haustier der Marke Blofeld hilft da auch wenig. Ein 08/15-Gegner, der in LTK dennoch funktioniert.

20. Ernst Stavro Blofeld (alias Charles Gray, DAF)
- Sicherlich war der Katzenstreichler schon vor DAF etwas zu inflationär von den Filmen eingesetzt worden. Aber Charles Gray versteht es, die Rolle würdevoll und fast mit an Aristokratie erinnernde Arroganz und Überheblichkeit auszustatten. Seine snobistische Auslegung des Superschurken ist manchmal etwas zu over the top, im Prinzip in einem so abgedrehten Film wie DAF aber überaus passend. Einen Strich durch die Rechnung macht ihm hinterrücks mehrmals der Film, wenn er als Drag-Queen verkleidet durch ein Casino läuft oder in seinem Mini-U-Boot zwingend gewassert werden will. Dennoch hat Gray ganz klar seine Momente - und besonders, als er Bond über den Irrtum mit der "falschen Mieze" unterrichtet, mag man ihn als Blofeld gerne akzeptieren.

19. Alec Trevelyan (alias Sean Bean, GE)
- In vielen Teilen ist Alec das böse Gegenstück zu Bond. Die Drehbuchautoren stehen hier aber offensichtlich vor einem Dilemma: Natürlich muss ein böser Bond auch genau wie er ein König der Oneliner sein. Und so verbringt Sean Bean einen Großteil seiner Leinwandzeit damit, einen deplatzierten trashigen Spruch nach dem anderen zu präsentieren. Der Präsenz seiner Figur schadet das gewaltig. Bean aber liefert eine sehr physische, selbstsichere Performance, die ihn als Anti-Bond glaubwürdig macht, obgleich sie in seiner Filmografie fast unauffällig wirkt und der Sprung seines Charakters zum Superschurken mit Headquarter im letzten Drittel trotzdem unglaubwürdig bleibt. So gefällt an 006 der Zwiespalt, in welchen er Bond stürzt, eigentlich mehr als die Figur selbst.

18. Max Zorin (alias Christopher Walken, AVTAK)
- Zusammen mit Raoul Silva ist Zorin der einzige Bondschurke, der ganz klar als Psychopath ausgewiesen wird. Seine total absurde, selbst für einen Bondfilm extrem alberne Nazi-Experimente-Vergangenheit vergisst man lieber schnell, denn davon ab ist Christopher Walken als Larger-than-Life-Ausgabe von Großkapitalisten überaus sehenswert. Das ist gerade deshalb so, weil er darauf verzichtet, der Psychopathie seiner Rolle mimisch entsprechen zu wollen, sondern den Wahnsinn subtil nur in wenigen Momenten durchschimmern und ansonsten kleine Gesten wirken lässt, etwa, wenn er den Augenkontakt zu Bond immer ein Stück zu lange hält oder eine Spur zu laut lacht. Eine tolle Leistung, die leider im etwas zu behäbigen Film manchmal unterzugehen droht.

17. Le Chiffre (alias Mads Mikkelsen, CR)
- Der Däne Mads Mikkelsen ist eine ungewöhnliche Wahl für einen Bond-Schurken. Im Kontext von CR aber überaus passend: Le Chiffre ist nicht das antagonistische Zentrum des Films, sondern selbst ein Gejagter, der versucht, sich aus der von Bond verursachten Misere zu befreien. Einerseits spielt Mikkelsen diese toll geschriebene und sehr menschliche Version eines gescheiterten Schurken unglaublich stark und suggestiv, andererseits fehlt es dem Konflikt zwischen ihm und Bond an Tiefe. Zudem verbleibt Chiffre nicht bis zum Klimax, sondern verlässt den Film früher als erhofft und muss zu Lebzeiten mit einer blöden Narbe im Gesicht à la Blofeld hausieren gehen. Schade um Mikkelsen, der dafür schauspielerisch in allerbester Erinnerung bleibt und eine tolle Präsenz hat.

16. Aristoteles Kristatos (alias Julian Glover, FYEO)
- Man könnte sicher widerspruchslos sagen, dass Kristatos der unscheinbarste aller Bond-Gegner ist, und das mag mitunter daran liegen, dass er sich in der ersten Hälfte von FYEO bewusst bedeckt hält, um 007 Columbo als "Die Taube" zu verkaufen. Als die Karten jedoch offen auf dem Tisch liegen, spielt Julian Glover seinen Bond-Schurken als eiskalten, fast schon sadistischen Geschäftsmann, der von allen Gegenspielern Bonds in seiner menschenverachtenden Gleichgültigkeit der größte Unsympath sein dürfte. Schaut man in seinen Szenen vor der Enthüllung genau hin, erkennt man in Glovers Spiel zudem einige Nuancen, die seine "wahre" Charakterisierung bereits preisgeben. Toll gespielt und äußerst schade, dass er zu wenige Szenen hat, um dramaturgisch richtig zu wirken.

15. Dominic Greene (alias Mathieu Amalric, QOS)
- Für den Franzosen Mathieu Amalric kann man eigentlich nur schwärmen, so ist er doch einer der wandlungsfähigsten französischen Darsteller seiner Generation. Auch in QOS macht er jede seiner Szenen schauspielerisch zu einem Genuss. Bewusst verzichten er und Regisseur Forster auf den üblichen "erhabenen Schurken", sondern legen Greene als wendige Schlange an, die mit einer schon fast durchdringenden Präsenz für Unruhe sorgt. Die besten Momente sind daher immer die, in denen Amalric einfach nur wirken darf. Nicht immer gelingt das und es wird für QOS gerne zum Problem, dass Greene nicht im eigentlichen Interesse von Bond liegt und auch Camille eher in einem Nebenkriegsschauplatz kämpft. Diese Schönheitsmakel verhindern leider eine höhere Positionierung.

14. Georgi Koskov (alias Jeroen Krabbé, TLD)
- Die Scharade, mit der Koskov in TLD den britischen Geheimdienst zum Narren hält, ist derart ausgeklügelt, dass sie unter anderem sein Überlaufen nach England beinhaltet. Koskov ist eben ein sehr guter Schauspieler - genau wie Jeroen Krabbé, der als Villain in TLD in Fankreisen etwas unterschätzt wird. Die Gerissenheit, der er an den Tag legt, ist schon beachtlich und besonders sein Auftreten im ersten Drittel wird bei mehrfacher Sichtung richtig schön fies und schleimig. Glen verpasst es leider, ihm einen großen Abgang zu spendieren, so dass die große Katharsis für den Zuschauer etwas auf der Strecke bleibt. Die zusätzliche Figur Whitaker hätte es außerdem gar nicht gebraucht, dafür wären noch etwas mehr Szenen mit Krabbé sehr wünschenswert gewesen. "Duty has no sweethearts."

13. Maximilian Largo (alias Klaus Maria Brandauer, NSNA)
- Gut, dass es NSNA gibt, denn es wäre schon arg bedauerlich gewesen, hätte Klaus Maria Brandauer nie in einem Bondfilm den Gegner gespielt. Als Largo liefert er schließlich genau das ab, was man von ihm erwartet: Eine große, theatralische und alles in Allem wunderbare Performance, die vielleicht nicht ganz aus dem Sortiment sehr guter Bondschurken-Leistungen herausragt, in NSNA aber zu jeder Zeit funktioniert. Besonders schön ist, wie Brandauer mit seiner knabenhaften Gefährlichkeit im Zusammenspiel mit seiner Gespielin Fatima Blush funktioniert oder in den Gesprächen mit Domino von Verliebtheit zur Gefühlslosigkeit blitzschnell umschalten kann. Sein wir also weiterhin dankbar, dass es NSNA gibt: Brandauer und Connery wäre ein Duo, auf das man sonst verzichten müsste.

12. Elliot Carver (alias Jonathan Pryce, TND)
- TND wird von Fans gerne als "Comic-Bond" bezeichnet. Kein anderer Film der Reihe dreht so sehr auf, ist so vollgepackt mit Action. Es ist überdeutlich, dass nicht nur der Film sich an den beiden Lewis-Gilbert-Serienbeiträgen TSWLM und MR orientiert, auch Jonathan Pryce muss seinen Elliot Carver mit geballtem Größenwahn spielen. Das gelingt ihm ganz ausgezeichnet, und trotz seiner - gelinde ausgedrückt - konstruierten Motivation macht seine überdrehte Rupert Murdoch Variation geballten Spaß. Anders als der ursprünglich angedachte Anthony Hopkins die Rolle wohl angelegt hätte, ist Pryce eine launige Knallcharge, die in der Welt von TND der perfekte Schurke ist. Einzig: Der Karate-Moment hätte wirklich nicht sein müssen. Drücken wir also ein Auge zu.

11. Elektra King (alias Sophie Marceau, TWINE)
- Die einzige Frau auf dieser Liste - und was für eine! Bond, der sich in TWINE tragisch in seine Gegenspielerin verliebt, kann hier kein Vorwurf gemacht werden: Sophie Marceau spielt ihre erotische Wirkung wunderbar aus, überzeugt aber besonders bei Mehrfachsichtungen als verbitterte, hoch intelligente Intrigantin. Wie sie James mit den Waffen einer Frau besiegt, ist hinreißend anzusehen und auch in ihrer Beziehung zum Terroristen Renard begeistert Marceau als Vollblutschauspielerin. Genau wie vieles andere in TWINE steht Elektra King für den Versuch, der Reihe im Jahre 1999 mehr Tiefe und Charakterdrama einzuimpfen, was Elektra aber nicht davon abhält, am Ende ganz klassisch den diabolischen Schurkenmonolog zu halten. Eine Frau mit Format eben!

10. Sir Hugo Drax (alias Michael Lonsdale, MR)
- Um aus dem All mit einer Pflanze die ganze menschliche Zivilisation auslöschen zu wollen, muss man schon eine ziemliche Macke haben. Oder unglaublich gelangweilt sein. Drax, der sich sogar den Eiffelturm gekauft hat, ist Mutter Erde einfach müde geworden und da ihm eh fast alles gehört, kann er in seinen Augen damit machen, was er will. Es liegt wohl an Michael Lonsdale, der diese Rolle mit beinahe gleichgültiger Aristokratie füllt, dass diese komplett überzogene Figur ihre Verankerung in der Realität behält - und es macht einem Höllenspaß, ihm zuzusehen, wie er etwa M und Bond mit Gasmasken in seinem "Büro" bloßstellt, Oscar Wilde zitiert oder Bond und Goodhead einen schönen Tod wünscht. In diesem Sinne: Ein Gurkensandwich auf den alten Hugo!

09. Ernst Stavro Blofeld (alias Telly Savalas, OHMSS)
- Es gibt einen Moment in OHMSS, in dem Peter Hunt und Telly Savalas "ihren" Blofeld definieren: Als Bond per Ski vom Piz Gloria flüchtet und Blofeld am Telefon davon unterrichtet wird, knallt er beherzt seine weiße Muschi auf den Tisch. Dieser Moment macht klar, dass Savalas als Blofeld aktiver, brutaler und aggressiver vorgeht als in den anderen Filmadaptionen. Nur in OHMSS wird Blofeld seinen Status als Bonds "Nemesis" im Sinne von Ian Fleming wirklich gerecht. Savalas ist das schauspielerische Zentrum des Films und liefert eine superbe Leistung, die ihn als ebenbürtigen Gegners Bond wirklich glaubwürdig macht. Es ist nicht auszudenken, wie er im Zusammenspiel mit Connery brilliert hätte. Katze mit Glatze war jedenfalls nie bedrohlicher als in diesem Film.

08. Emilio Largo (alias Adolfo Celi, TB)
- Als Pirat hätte Largo durchaus Karriere machen können. Die schnöde Augenklappe darf jedoch nicht von der fantastischen Leistung ablenken, die Adolfo Celi in TB gelingt und die leider viel zu oft übersehen wird. Celi spielt richtig schön böshaft und das den ganzen Film durch und sorgt schon in seiner Einführung beim SPECTRE-Meeting für Eindruck, als er sich als Einziger vom gegrillten Nr. 9 nicht verunsichern lässt, bzw. ihn kaum zur Kenntnis nimmt. Als bulliger Aggressor ist Largo eine stark ikonografische Rolle für die Bondreihe, und bekommt im figürlichen Zusammenhang zwischen ihm und Domino eine leicht widerliche Note, die seinen überraschenden Abgang im Showdown umso befriedigender macht. Ein rundum gelungener Schurke aus dem Lehrbuch.

07. General Orlov (alias Steven Berkoff, OP)
- Als einziger echter "böser Russe" der Reihe hat Steven Berkoff in OP nur wenig Zeit zum wirken, doch diese Zeit nutzt er fantastisch aus. Die Szene, in der er in Russland vor russischen Würdenträgern seinen Plan zur Übernahme des Westens präsentiert ("The west is deca-dent"!), gehört zu den schauspielerischen Highlights der Reihe und es kommt ihm enorm zu Gute, dass seine Rolle die besten und intelligentesten Szenen des Films zu stemmen muss. Gänsehaut bereitet hier vor allem das Aufeinandertreffen zwischen Bond und ihm im Zug, wenn Moo7e ganz langsam hinter den brillanten Plan seines bis dato unsichtbaren Gegenspielers kommt. Der ganze Wahn Orlovs entlädt sich in einer Todesszene, die für die Bondreihe ungewohnt tragikomische Züge enthält. Toll!

06. Dr. Julius No (alias Joseph Wiseman, DN)
- Unglaublich, welche Wirkung Joseph Wiseman im ersten Bondfilm als titelgebender Schurke hat, obwohl er nur in den letzten 20 Minuten zu sehen ist. Wiseman füllt die genial geschriebene Rolle mit einer beachtlichen Präsenz und Bedrohlichkeit, wobei besonders seine Arroganz und Eloquenz stilbildend für die ganze Reihe sein durften. Bis heute überrascht, wie frisch der Charakter wirkt, der bislang als Prototyp für immerhin 24 Nachfolger dienen durfte. Inszenatorisch sehr präzise eingeführt, überzeugt Dr. No als eitles SPECTRE-Mitglied, welches rücksichtslos zur Machterprobung Raketenstarts in den USA manipuliert. Das Abendessen mit 007 und Honey Rider ist die klassischste Szene ihrer Art in der Bond-Reihe - und bis heute auch ganz ohne Frage eine der besten im Franchise.

05. Francisco Scaramanga (alias Christopher Lee, TMWTGG)
- Mit Christopher Lee ist der Mann mit dem goldenen Colt einer der hochkarätigsten besetzten Bad Guys der Reihe. Die Besetzung ist doppelt klug, wäre Lee doch auch ein hervorragender James Bond gewesen. In diesem Sinne funktioniert Scaramanga hervorragend als die andere Seite der Bond-Medaille, der sich als Auftragskiller von Bond nur durch die fehlende staatliche Legitimation unterscheidet. Ansonsten ist er seinem Kontrahenten in jeder Hinsicht ebenbürtig - womöglich sogar überlegen. Das einvernehmende Charisma von Lee transferiert die überaus interessanten Facetten der Scaramanga-Rolle vom Papier auf Zelluloid und dürfte verdient als Bonds mit weitem Abstand gefährlichster Gegenspieler einen besonderen Rang innerhalb der Reihe genießen.

04. Karl Stromberg (alias Curd Jürgens, TSWLM)
- Ist es nicht traurig, dass der perfekte Blofeld eigentlich Karl Stromberg heißt? Das Modell des in seinem Sessel sitzenden Gigantomanen, der in einem gewaltigen Geheimversteck den Weltuntergang plant, hat nie wieder so gut funktioniert wie in TSWLM. Vieles davon hängt mit Stromberg zusammen, der in seinen wenigen Szenen mächtig Eindruck hinterlässt. Seine dekadente, entrückte Lebensweise korrespondiert mit seiner Verachtung für das menschliche Wesen und seinem Wunsch, die "ideale" Welt des Meeres zur einzig bestehenden zu machen. Mit Curd Jürgens ist diese Rolle perfekt besetzt und bringt unglaublich viel Gravitas und Würde in den verbitterten Orson Welles Verschnitt. Ein Prima-Schurke, der spätestens mit seinem brutalen Abgang zum Top-Villain aufsteigt.

03. Dr. Kananga (alias Yaphet Kotto, LALD)
- Eigentlich ist alles daran genial, wie Yaphet Kotto in LALD spielt, auftritt und agiert. Er gibt seinem Kananga eine ganze Menge mit, doch die Rolle ist auch wahnsinnig dankbar für ihn, weil Kananga abseits seiner obligatorischen Allmachtsphantasien als Mr. Big eine sehr emotionale Note mitbringt, die den Konflikt zwischen ihm, Bond und Herzensdame Solitaire besonders tragisch und explosiv macht, bis es dann zwischen der Dreierkonstellation zu einem Knall kommt, der besser nicht hätte gespielt werden können und zu den Gänsehaut-Momenten der Reihe gehört. LALD, der ohnehin zu den Bondfilmen mit den spannendsten Charakteren gehört, hat mit Kananga das ganz große Schurken-Los gezogen und Yaphet Kotto war in seiner Karriere nie besser als als ambitionierter Druglord.

02. Auric Goldfinger (alias Gert Fröbe, GF)
- Der Bondschurke schlechthin und das vollkommen zurecht. "No, Mr. Bond, I except you to die" tönt es noch lange nach dem Abspann in den Ohren. Goldfinger ist ein brillanter Filmschurke und Gert Fröbe sowie Voice Actor Michael Collins formen ihn zu einem unverwechselbaren Villain, der weit über Fankreise hinaus bekannt geworden ist. Alles an dieser Rolle stimmt bis ins kleinste Detail: Seine Liebe zum Gold, sein Hang zur Theatralik, seine bestechende Egozentrik, sein überdeutlicher Größenwahn, sein sportlicher Ehrgeiz, seine technische Intelligenz... Goldfinger ist zum Synonym des idealen Bondgegners geworden und ein verdienter Anwärter dafür - denn wäre da nicht die ungezügelte Libido seines Kontrahenten gewesen, so wäre Fort Knox heute ein äußerst verstrahlter Ort.

01. Donald Grant (alias Robert Shaw, FRWL)
- Was für eine Performance! Der Charakterdarsteller Robert Shaw ist eine mehr als würdige Wahl für den Titel als Bester Fiesling der Reihe. Seine rohe, körperliche Bedrohung schwebt wie ein Damoklesschwert über Bond, der sein Leben ohne den auch in Punkto Intelligenz brillanten Assassinen mehrmals ausgehaucht hätte. Niemand konnte so eine Präsenz entfesseln wie Shaw, dem man es beinahe gönnen würde, 007 ins Jenseits zu schicken. Es besteht kein Zweifel daran, dass er Bond als Killer und "Spion" in jeder Hinsicht absolut überlegen ist. Nur Bonds Patriotismus, über den Grant sich noch lustig macht, wird ihm zum Verhängnis: Ein James Bond lässt sich nicht bestechen. Grant hingegen ist scharf auf das Geld - und findet so ein brutales Ende. Die menschliche Schwachstelle eines übermenschlichen Gegenspielers.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Der beste Gegenspieler

#378
Dann will ich auch (noch)mal:

25. Gustav Graves (alias Toby Stephens, DAD)

Schlechtester Bondschurke im schlechtesten Bondfilm. Absolut stimmig.

24. General Orlov (alias Steven Berkoff, OP)

23. Ernst Stavro Blofeld (alias Donald Pleasence, YOLT)
22. Elliot Carver (alias Jonathan Pryce, TND)

Berkoff, Pleasence und Pryce bilden für mich das Bad-Overacting-Trio der Bondfilme und diese drei sind auch mit der Grund, warum ihre jeweiligen Filme bei mir so schlecht abschneiden.

21. Aristoteles Kristatos (alias Julian Glover, FYEO)
Für mich ist Julian Glover als Kristatos der Schauspieler, der als Bondschurke wohl am meisten verheizt wurde. Ich hätte ihm einen besseren Bondfilm bzw. eine bessere Rolle gegönnt.

20. Dominic Greene (alias Mathieu Amalric, QOS)
Schwacher Part in eher schwachem Film. Amalric hätte es auch besser gekonnt, aber wenn es das Drehbuch nicht hergibt...

19. Ernst Stavro Blofeld (alias Charles Gray, DAF)
Ähnlicher Fall wie bei Glover und Amalric. Ich hätte Gray gerne bereits in YOLT statt Pleasence gesehen.

18. Dr. Kananga (alias Yaphet Kotto, LALD)
Tja, der wahre Schurke in LALD ist und bleibt eben Samedi. Dagegen wirkt der olle Kananga eben ziemlich blass. 8)

17. Karl Stromberg (alias Curd Jürgens, TSWLM)
Es ist ja sehr offensichtlich, dass man für den Film eigentlich Blofeld reaktivieren wollte. Die Figur Stromberg ist dadurch etwas halbgar geraten. Curd Jürgens holt aber das beste raus.

16. Georgi Koskov (alias Jeroen Krabbé, TLD)
Wie LALD (und in Teilen QOS) krankt auch TLD an der obskuren Schurken-Konstellation. Hier hätte man gerne auf Whitaker verzichten können, was auch Koskov alias Krabbé zugute gekommen wäre.

15. Franz Sanchez (alias Robert Davi, LTK)
Davi spielt sehr solide, aber ich kann eben mit dem Film an sich wenig anfangen. Daher landet Sanchez im Mittelfeld.

14. Sir Hugo Drax (alias Michael Lonsdale, MR)
Drax hat von allen Bondschurken die besten Dialoge. Leider wird es im Weltraum doch arg absurd, was sich auch auf meine Bewertung des Charakters negativ auswirkt.

13. Le Chiffre (alias Mads Mikkelsen, CR)
Top Schauspieler in einem der besten Bondfilm überhaupt. Aber auch Mads Mikkelsen könnte das noch besser, was er u. a. in Hannibal gezeigt hat.

12. Ernst Stavro Blofeld (alias Telly Savalas, OHMSS)
11. Franz Oberhauser (alias Christoph Waltz, SP)

Savalas und Waltz sind für mich klar die besten Blofelds "mit Gesicht".

10. Alec Trevelyan (alias Sean Bean, GE)
Ganz klar der beste männliche Bondschurke der Brosnan-Ära und auch der passendste.

09. Elektra King (alias Sophie Marceau, TWINE)
Elektra King ist wohl die beste Figur, die je von P&W erschaffen wurde und Marceau ist die Idealbesetzung.

08. Francisco Scaramanga (alias Christopher Lee, TMWTGG)
07. Max Zorin (alias Christopher Walken, AVTAK)

Es gibt wohl kaum Bondschurken, die ihre Filme so getragen haben, wie Scaramanga und Zorin.

06. Maximilian Largo (alias Klaus Maria Brandauer, NSNA)
05. Emilio Largo (alias Adolfo Celi, TB)

Largo ist einfach ein genialer Charakter und ehrlich gesagt möchte ich mich auch gar nicht entscheiden, wer von den beiden jetzt besser ist.

04. Raoul Silva (alias Javier Bardem, SF)
Silva ist für mich der beste und auch innovativste Bondschurke der Neuzeit. Manche Szenen hätte man sich zwar sparen können, aber insgesamt ist es einfach eine Freude, Bardem bei seinem Spiel zuzusehen.

03. Dr. Julius No (alias Joseph Wiseman, DN)
Was für ein Start für die Reihe. Und vermutlich der beste Nicht-Asiat in einer solchen Rolle. Und ja, ich kenne Christopher Lee. ;-)

02. Auric Goldfinger (alias Gert Fröbe, GF)
01. Ernst Stavro Blofeld (alias Anthony Dawson, FRWL und TB)

Ohne Worte. Über die beiden habe ich mich ja schon so oft geäußert. Bei Bond gibt es einfach nichts besseres als diese beiden Schurken.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Der beste Gegenspieler

#379
Cool Listen aber ich könnte nie alle einreihen.

Eine Top 10 ist aber gut möglich, sind aber alle relativ nahe beinander wobei die Top 5 schon so stehen bleiben würde.

1. Scaramanga
2. Blofeld (DAF)
3. Goldfinger
4. Kamal Khan
5. Alec Trevelyan
6. Dr. No
7. Blofeld (OHMSS)
8. Drax
9. LeChiffre
10. Sanchez

Die letzten wären wohl (ohne bestimmte Reihenfolge):
-Silva
-Oberhauser
-Renard
-Kristatos
-Kananga

Re: Frag doch mal den Hille - Der beste Gegenspieler

#380
Casino Hille hat geschrieben:21. Franz Sanchez (alias Robert Davi, LTK)
- Das besondere an Sanchez in LTK ist seine Beziehung zu Bond. Bis kurz vor Schluss ist Bond als Wolf im Schafspelz mit seinem Gegenspieler per Du. Und das, obwohl die Rivalität nie persönlicher war als hier. Die Dialoge zwischen Bond und Sanchez sind wirklich gut geschrieben und ein Glanzlicht des Films. Als Charakter selbst bleibt Sanchez aber wenig im Gedächtnis. Wenngleich Robert Davi ordentlich spielt, bleibt Sanchez in weiten Teilen ein Klischee-Mafiosi, der zu viel substanzlos über Loyalität und Geld redet, während er sich immer wieder von Bond übertölpeln lässt - wobei er dessen Maskerade am Ende nicht einmal selbst durchschauen darf. Das obligatorische Haustier der Marke Blofeld hilft da auch wenig. Ein 08/15-Gegner, der in LTK dennoch funktioniert.
Das wir da anderer Ansicht sind war eigentlich klar. Gerade die Dinge, die du offenbar am wenigsten magst, schätze ich sehr. Sanchez mag ein Klischee-Mafiosi sein, aber gerade darin unterscheidet er sich so sehr von den anderen Bondschurken. Auch jemand wie Karl Stromberg (den ich übrigends auch höher im Ranking habe als du) ist nicht an Geld interessiert, aber aus völlig anderen Gründen. Gerade aufgrund solcher Sprüche wie "Loyalität bedeutet mir mehr als Geld" macht ihn segr interessant.

Sein Leguan ist mir egal. Der macht ihn nicht besser, aber auch nicht schlechter.


Deine Begründung zu Grant kann ich nachvollziehen. Trotzdem würde ich ihn gar nicht in dieses Ranking aufnegmen.
"Ich glaube nie, was in den Zeitungen steht." - TND

Re: Der beste Gegenspieler

#381
Henrik hat geschrieben:Deine Begründung zu Grant kann ich nachvollziehen. Trotzdem würde ich ihn gar nicht in dieses Ranking aufnegmen.
Geht mir auch so. In FRWL gibt es zwar nicht den einen Schurken, aber Grant ist eher ein Henchmen.

Die passende Umfrage ist also diese hier:

viewtopic.php?f=36&t=4769
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Frag doch mal den Hille - Der beste Gegenspieler

#382
Casino Hille hat geschrieben:19. Alec Trevelyan (alias Sean Bean, GE)
- In vielen Teilen ist Alec das böse Gegenstück zu Bond. Die Drehbuchautoren stehen hier aber offensichtlich vor einem Dilemma: Natürlich muss ein böser Bond auch genau wie er ein König der Oneliner sein. Und so verbringt Sean Bean einen Großteil seiner Leinwandzeit damit, einen deplatzierten trashigen Spruch nach dem anderen zu präsentieren. Der Präsenz seiner Figur schadet das gewaltig. Bean aber liefert eine sehr physische, selbstsichere Performance, die ihn als Anti-Bond glaubwürdig macht, obgleich sie in seiner Filmografie fast unauffällig wirkt und der Sprung seines Charakters zum Superschurken mit Headquarter im letzten Drittel trotzdem unglaubwürdig bleibt. So gefällt an 006 der Zwiespalt, in welchen er Bond stürzt, eigentlich mehr als die Figur selbst.
In was für einen Zwiespalt stürzt 006 007 denn?
-----
Klasse Zorin-Beschreibung übrigens.
It's the BIGGEST... It's the BEST
It's BOND

AND BEYOND

Re: Frag doch mal den Hille - Der beste Gegenspieler

#384
Thunderball1965 hat geschrieben:In was für einen Zwiespalt stürzt 006 007 denn?
Ohne jetzt diskutieren zu wollen, wie gut GE das macht, aber ein wesentlicher Teil des Dramas im Film ist der, dass Bond hier eben von einem Kollegen und Freund verraten wurde und das er in diesem Fall keine simple Mission ausübt, sondern seine persönlichen Gefühle sich einmischen. Ihm fehlt die Leidenschaftslosigkeit seinem Ziel gegenüber, welche er sonst hat. Die Szene auf dem Statuenfriedhof, als Alec Bond eine Ansage macht à la "Dir ist deine Mission wichtiger als deine Freunde", ist entscheidend, da trifft er definitiv einen wunden Punkt, wie Campbell in der Strandszene andeutet. Wie gesagt: Das alles mag in GE unterentwickelt sein, ist aber zumindest in Ansätzen erkennbar.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Der beste Gegenspieler

#385
Sehr schöne Analyse, mein lieber Hille. Auch wenn ich einige der Schurken etwas anders im Ranking eingordnet hätte, so stimme ich mit fast all deinen Begründungen überein.
Casino Hille hat geschrieben:
Mit absurder Frisur referiert Silva gerne Minuten lang über eine Rattenplage auf seiner Insel, lotet vorsichtig die mögliche Homosexualität Bonds aus und macht Judi Dench für alles Leid der Welt verantwortlich. Die peinliche CGI-Entstellung in seinem Gesicht im Zusammenhang mit der blassen Motivation und die klischeehaften Dialoge à la "Mommy was very bad" machen aus ihm einen langweiligen Standard-Psychopathen, der die Gravitas eines Bondschurken vermissen lässt, und eher an Heath Ledger als Joker in "The Dark Knight" erinnert, als an einen traumatisierten Ex-Agenten und Computergenie.
Bei Bardem habe ich immer den Eindruck, dass man seine Figur mit aller Gewalt möglichst skurril anlegen wollte (nicht zuletzt auch aufgrund der Chigurr-Vorgabe), um so eine Art Brückenschlag zu den Over-the-Top-Schurken vergangener Klassiker herzustellen, er gleichzeitig aber durch den IT- und Agentenhintergrund sowie das ganze „Psychogedöns“ möglichst real und tiefgründig sein sollte. Dieser Spagat – den ich praktisch identisch bei Waltz Oberhauser sehe – ist für mein Empfinden gründlich daneben gegangen. Am meisten missfällt mir bei dieser Kategorie Schurke ihre Geschwätzigkeit, da ihre Dialoge/Monologe einerseits nicht die sprachliche Eleganz früherer Schurken aufweisen (Grays Blofeld oder Lonsdales Drax kommen mir da spontan in den Sinn) und andererseits hinsichtlich ihrer figürlichen Funktion sehr aufgesetzt und konstruiert wirken. Aus diesen Gründen sehe ich Bardem und Waltz (bei letzterem kommt auch für mich erschwerend das einfallslose und vor allem auch aufgrund der wesentlich platteren Dialoge nicht wirklich funktionierende Hans-Landa-Aufwärmen dazu) ebenfalls am Ende der Liste.

Casino Hille hat geschrieben:
Donald Pleasence, der einen formidablen, dämonischen Bondschurken abgeben hätte können, wird mit grotesker Narbe entstellt und zur Karikatur eines Bondschurken degradiert. Das dümmlich aufgemalte Gesichts-Accessoire unterstreicht die flapsige Rolleninterpretation des vormals gesichtslosen Blofeld nur umso mehr.
(…)
Was der ursprünglich besetzte Jan Werich aus der Rolle herausgeholt hätte, bleibt derweil ein großes Geheimnis.
Wobei ich persönlich die Narbe zwar ebenfalls als überflüssig ansehe, aber sie für mich nie wirklich ein Problem darstellte (zumal eigentlich wirklich gut getrickst). Die von dir bereits angesprochene Rolleninterpretation macht mir Pleasences Darbietung kaputt. Die betonte Nervosität und Zappeligkeit, die Unentschlossenheit und letztlich auch seine körperlichen „Defizite“: denn der gute Donald ist einfach viel zu klein. In einem anderen Film und anders in Szene gesetzt wäre das wohl gar kein Problem, aber in Mitten des Adamschen Gigantismus und umringt von einer ganzen Armee an Leuten, die gefühlt allesamt mindestens einen Kopf größer sind (obwohl überwiegend Asiaten!), wirkt er wie ein Zwerg, was die Zappeligkeit und Unebeholfenheit noch weiter betont. Eine Einschätzung wie es mit Werich gewesen wäre fällt mir schwer, da ich den Tschechen nur von den allseits bekannten Bildern in voller Blofeld-Montur kenne – und da wirkt er halt tatsächlich wie der nette Märchenonkel. Dass eine betont freundliche Blofeld-Interpretation (hinter der das unfassbar Böse lauert) funktionieren kann hat Von Sydow in NSNA ja eindrucksvoll bewiesen, aber Schwedens Max ist halt bereits aufgrund seiner Statur und seiner Gesichtszüge geradezu prädestiniert für ambivalente und latent diabolische Figuren (obwohl er ironischerweise in seinem vermutlich größten Hollywood-Film ja mit Jesus Christus das komplette Gegenteil verkörpert hat).

Casino Hille hat geschrieben: Wenngleich Robert Davi ordentlich spielt, bleibt Sanchez in weiten Teilen ein Klischee-Mafiosi, der zu viel substanzlos über Loyalität und Geld redet, während er sich immer wieder von Bond übertölpeln lässt
Den Prototyp des Klischee-Mafiosi stellt für mich im Bond-Universum aber eigentlich Celis Largo dar, da hier wirklich alle Klischees bedient werden. Sanchez ist da finde ich deutlich ambivalenter und vielschichtiger angelegt, gerade seine von dir kritisierten Ausführungen über Loyalität halte ich für essentiell für seinen Charakter und auch wesentlich als Erklärung, warum Bond überhaupt so nahe an ihn ran kommen kann. Das Thema eines dunklen Spiegelbildes ist bei Bond ja nichts neues, aber bei der Beziehung Sanchez/Bond geht man wie ich finde dann doch noch mal einen Schritt weiter, gerade weil man die klar umrissenen Unterschiede (wie z.B. in deinen Ausführungen schön bei Grant herausgearbeitet) hier bewusst verwischt und die charakterliche Trennung allerhöchstens noch durch eine übergeordnete, aber kaum greifbare Moral vorhanden ist, Bond und Sanchez den ganzen Film aber praktisch identisch handeln. Da ich zudem Davis Darstellung sehr schätze spielt der Sanchez Franz bei mir im oberen Drittel der Liste mit.


Casino Hille hat geschrieben: Dennoch versteht Charles Gray es, die Rolle würdevoll und fast mit an Aristokratie erinnernde Arroganz und Überheblichkeit auszustatten. Seine snobistische Auslegung des Superschurken ist manchmal etwas zu over the top, im Prinzip in einem so abgedrehten Film wie DAF aber überaus passend.
Absolut! Für die Blofeld-Enttarnung in YOLT wäre mir Grays Süffisanz dann doch etwas zu viel gewesen, aber in DAF passt das perfekt. Zumal seine Kultiviertheit und (scheinbare) Überlegenheit von Gray einfach wunderbar gespielt sind. Auch Grays Statur passt viel besser zu Blofeld, obwohl ich ihn letzenendes dann doch eher die asketisch-hagere Erscheinung der Von Sydow-Interpretation (oder alternativ die bullig-draufgängerische von Savalas) bevorzuge. Aber gerade für DAF passt Gray perfekt, auch weil er ein paar besonders schöne Dialoge bieten kann und es zudem versteht, in kleinen Szenen immer auch mal wieder die Bedrohlichkeit durchscheinen zu lassen. Schade, dass man auf die Drag-Revue und den Slapstick-Abgang nicht verzichten konnte.


Casino Hille hat geschrieben: 18. Max Zorin (alias Christopher Walken, AVTAK)
(…)weil er darauf verzichtet, der Psychopathie seiner Rolle mimisch entsprechen zu wollen, sondern den Wahnsinn subtil nur in wenigen Momenten durchschimmern und ansonsten kleine Gesten wirken lässt(…)
Exakt! Die „Brüche im Marmor“ machen Walkens Darstellung besonders reizvoll und spannend, gerade weil man seinen Wahnsinn nicht richtig fassen und einschätzen kann. Walkens Zorin ist für einen Bondschurken schon erstaunlich nuanciert gespielt, da hier in der Regel doch eher groß und laut statt leise und subtil angesagt ist (unser Fröbe Gert war da einfach zu prägend).
Casino Hille hat geschrieben: Seine total absurde, selbst für einen Bondfilm extrem alberne Nazi-Experimente-Vergangenheit vergisst man lieber schnell
Wobei ich die Idee an sich nicht so verkehrt finde, gerade auch aufgrund der spannenden Beziehung zu seinem „Vater“ Mortner. Dass AVTAK so wenig aus dieser Prämisse macht und sie eigentlich nur als bequeme Erklärung für Zorins übermenschliche Intelligenz und seinen Wahnsinn einsetzt ist die eigentliche Crux daran. Dennoch bzw. weil dies im Film nie wirklich eine (negative) Rolle spielt ist Walkens Zorin für mich in der Oberliga der Bondschurken anzusiedeln.
Casino Hille hat geschrieben: Man könnte sicher widerspruchslos sagen, dass Kristatos der unscheinbarste aller Bond-Gegner ist, und das mag mitunter daran liegen, dass er sich in der ersten Hälfte von FYEO bewusst bedeckt hält, um 007 Columbo als "Die Taube" zu verkaufen. Als die Karten jedoch offen auf dem Tisch liegen, spielt Julian Glover seinen Bond-Schurken als eiskalten, fast schon sadistischen Geschäftsmann, der von allen Gegenspielern Bonds in seiner menschenverachtenden Gleichgültigkeit der größte Unsympath sein dürfte. Schaut man in seinen Szenen vor der Enthüllung genau hin, erkennt man in Glovers Spiel zudem einige Nuancen, die seine "wahre" Charakterisierung bereits preisgeben. Toll gespielt und äußerst schade, dass er zu wenige Szenen hat, um dramaturgisch richtig zu wirken.
Da bringst du meine Einschätzung wirklich haargenau auf den Punkt! Glovers Kristatos ist für mich der charakterlich dynamischste Bondschurke, da er einen figürlichen Sprung hinlegt, der seinesgleichen sucht. Zudem gibt es meiner Ansicht nach auch keinen anderen Bondschurken, der seine Bösartigkeit so ungebremst und ohne „redeeming qualities“ vom Stapel lässt. Ab dem Zeitpunkt seiner figürlichen Enttarnung ist Kristatos einfach nur noch diabolisch und böse.Toll an Glovers Darstellung ist wie du es schon geschrieben hast, dass er auch in seiner „guten“ Hälfte immer wieder bereits kurz durchblitzen lässt, welches Geistes Kind „Onkel Ari“ eigentlich ist (z.B. wie er Ferrara am Ende des ersten Treffens mit Bond keines Blickes mehr würdigt und natürlich nichtzuletzt auch in seiner eher „unnatürlichen“ Beziehung zu Bibi und wie er mit Bond über sie spricht). Glover ist für dieses charakterliche Wechselspiel auch geradezu prädestiniert, da er seine ganze Karriere über mühelos zwischen edlen Figuren und Schurken hin- und herwechseln konnte. Man kann wohl auch davon ausgehen, dass der bekennende Bond-Fan Spielberg die Kristatos-Interpretation auch nicht ganz schlecht fand, da er Glover im dritten Indiana Jones-Film in praktisch identischer Konstellation besetzte.

Casino Hille hat geschrieben: - Die Scharade, mit der Koskov in TLD den britischen Geheimdienst zum Narren hält, ist derart ausgeklügelt, dass sie unter anderem sein Überlaufen nach England beinhaltet.
Ich würde sogar (in bester Schulze&Schultze-Manier) sagen: die Scharade ist derart ausgeklügelt, dass selbst gestandenen Bondfans angesichts von Diamanten, Opium und Waffen den Überblicken verlieren. :D
Casino Hille hat geschrieben: Glen verpasst es leider, ihm einen großen Abgang zu spendieren, so dass die große Katharsis für den Zuschauer etwas auf der Strecke bleibt.
Ja und Nein. Hier sehe ich eher das Problem, dass der finale Clash mit Whitaker nicht so richtig funktioniert, auch da Joe Don Baker nie aus dem Schatten von Krabbe rauskommt. Koskovs Ende ist dann eigentlich sehr stimmig: wie er sich bis zuletzt aus der Bredouille rausschleimen will ist passend zum Rest der Figur. Nicht gerade spektakulär und wie man sich das Ende eines Bondschurken gemeinhin vorstellt, aber eben sehr stimmig und rund. Und dem guten Jeroen bei seiner launig vorgetragenen letzten Szene zuzuschauen ist eh ein Genuss, auch weil er hier mit Rhys Davies genau den richtigen „Sparringspartner“ hat.
Casino Hille hat geschrieben: - Gut, dass es NSNA gibt, denn es wäre schon arg bedauerlich gewesen, hätte Klaus Maria Brandauer nie in einem Bondfilm den Gegner gespielt.
Ganz genau! Gott segen NSNA und die geniale Kombination Brandauer/Connery!
Casino Hille hat geschrieben: Eine große, theatralische und alles in Allem wunderbare Performance, die vielleicht nicht ganz aus dem Sortiment sehr guter Bondschurken-Leistungen herausragt, in NSNA aber zu jeder Zeit funktioniert.
Wobei ich sie schon als herausragend empfinde, auch weil Brandauer sehr bewusst die Figur operettenhaft und zuweilen schon hart an der Grenze zur Parodie anlegt (etwa wenn er in Palmyra anfängt Schubertlieder zu pfeifen). Und auch, weil er sich dennoch nie so wirklich in die Karten schauen lässt, ob sein Largo nun wirklich verrückt ist oder nur mit dem Wahnsinn spielt, um seinem Umfeld diesen Eindruck zu vermitteln und ihn nicht einschätzbar werden zu lassen (womit er – wie auch in einigen anderen Dingen – die direkte Vorlage für Walkens Zorin darstellt).


Casino Hille hat geschrieben: 12. Elliot Carver (alias Jonathan Pryce, TND)
Anders als der ursprünglich angedachte Anthony Hopkins die Rolle wohl angelegt hätte, ist Pryce eine launige Knallcharge, die in der Welt von TND der perfekte Schurke ist.
Pryces Carver sehe ich eher im unteren Mittelfeld, da mir hier einfach das Besondere fehlt und gerade in Bezug auf die Dialoge und die Momente mit Bond mir zu viel Mittelmaß aufgefahren wird. Wirklich erinnerungswürdig ist für mich dann tatsächlich nur der in der Tat entbehrliche Karate-Ausfall.

Casino Hille hat geschrieben: 10. Sir Hugo Drax (alias Michael Lonsdale, MR)
- Um aus dem All mit einer Pflanze die ganze menschliche Zivilisation auslöschen zu wollen, muss man schon eine ziemliche Macke haben. Oder unglaublich gelangweilt sein. Drax, der sich sogar den Eiffelturm gekauft hat, ist Mutter Erde einfach müde geworden und da ihm eh fast alles gehört, kann er in seinen Augen damit machen, was er will.
Das ist auch für mich der Kern der Drax-Figur. Dem Kerl ist einfach todlangweilig! Denn eigentlich verzweifelt an bzw. frustriert über die existierende Welt (wie z.B. im Ansatz bei Stromberg) ist er ja gar nicht. Diese Grundkonstellation eines gelangweilten, blasierten Megaschruken passt wunderbar ins Gesamtkonstrukt der maß- und zügellosesten aller Bondfilme. Und Lonsdale ist in der Tat genau der richtige Darsteller dafür, da er eigentlich in all seine Rollen eine Art natürliches Phlegma miteinbrachte (exemplarisch sei die Szene in Ivorys The Remains of the Day genannt, in welcher er über seine geschwollenen Füße lamentiert und sich von Anthony Hopkins eine Schüssel heissen Wassers mit Salz erbittet – köstlich! :D ). Drax ist daher auch einer meiner persönlichen Lieblingsschurken und selbst bei einer größtmöglich nüchternen Betrachtung muss er eigentlich im oberen Drittel einer solchen Liste seinen Platz finden.

Casino Hille hat geschrieben: Savalas ist das schauspielerische Zentrum des Films und liefert eine superbe Leistung, die ihn als ebenbürtigen Gegners Bond wirklich glaubwürdig macht.
Die Souveränität und Selbstverständlichkeit mit der Savalas seinen Blofeld gibt ist bewundernswert. Er verfügt über eine enorme Ausstrahlung und weiss diese auch sehr gezielt einzusetzen und zu verstärken durch kleine Gesten und subtilen mimischen Einsatz. Savalas Szenen sind die darstellerischen Glanzlichter in OHMSS, im Zusammenspiel mit Diana Rigg sprühen dann förmlich die Funken. Savalas Blofeld macht viel von dem wett, was mir an Lazenbys Darstellung fehlt, dennoch bin ich ganz bei dir und hätte mir für diesen formidablen Bondschurken auch einen formidablen Bond als Gegenüber gewünscht.

Casino Hille hat geschrieben: 07. General Orlov (alias Steven Berkoff, OP)
(…)Die Szene, in der er in Russland vor russischen Würdenträgern seinen Plan zur Übernahme des Westens präsentiert ("The west is deca-dent"!), gehört zu den schauspielerischen Highlights der Reihe
Ja, das finde ich auch. Beeindruckend, wie Berkoff diese Szene dominiert und ihr seinen Stempel aufdrückt. Nicht unbedingt subtiles Spiel, aber gerade die Übertreibung empfinde ich als sehr passend zum Grössenwahn und der ideologischen Verblendung der Orlov-Figur. Hier kommt Berkoff seine Theatervergangenheit zu Gute, wo ja auch immer alles eine Spur größer und deutlicher sein muss. Berkoffs Sprung nach ganz vorne im Ranking wird bei mir eigentlich nur dadurch verhindert, dass seine Rolle für meinen Geschmack zu klein und dem eher blassen Jordan in der filmischen Wertigkeit untergeordnet ist (ähnlich wie z.B. auch Renard, wobei ich Elektra nicht für blass halte).

Casino Hille hat geschrieben:Die Besetzung ist doppelt klug, wäre Lee doch auch ein hervorragender James Bond gewesen.
Sein Cousin war ja der gleichen Ansicht, ich sehe das allerdings nicht so. Lee ist bzw. war mir zu unsportlich und zu schlaksig, um die Bondrolle anforderungsgerecht auszufüllen. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum es Lee nie wirklich vergönnt war richtigte Heldenrollen zu spielen.
Casino Hille hat geschrieben:In diesem Sinne funktioniert Scaramanga hervorragend als die andere Seite der Bond-Medaille, der sich als Auftragskiller von Bond nur durch die fehlende staatliche Legitimation unterscheidet.
Trotz meines Einwandes gegen Lee als potenziellen Bond finde auch ich, dass die Spiegelbild-Idee zwischen Scaramanga und Bond bestens funktioniert, aber eben auch weil ich den Mann mit dem goldenen Colt eher berufsbedingt und was den aufwändigen Lebensstil angeht als gespiegeltes Gegenüber von Bond sehe und weniger als Typ Mann. Denn selbst Old Rog wirkt gegenüber Lee wesentlich durchtrainierter und kräftiger (wie der eifrige Foren-Mitleser sicher weiss, gehört daher auch Lees betont sportlicher Einsatz im dritten Airport-Sequel ("Ich bin erfahrener Sport-Taucher!") zu meinen liebsten ungewollt-komischen Momenten :mrgreen: ).
Casino Hille hat geschrieben:Das einvernehmende Charisma von Lee transferiert die überaus interessanten Facetten der Scaramanga-Rolle vom Papier auf Zelluloid und dürfte verdient als Bonds mit weitem Abstand gefährlichster Gegenspieler einen besonderen Rang innerhalb der Reihe genießen.
Jein. Ich nehem Lee den perfekten Killer schon ab, aber die empfundene Gefährlichkeit leidet auch hier wieder etwas unter Lees gewöhnlicher Körperlichkeit. Viel davon wird durch seine natürliche sinistre Ausstrahlung mehr als wettgemacht, aber die körperliche Unterlegenheit (trotz Größenvorteils) lässt sich bei mir auch hier nicht vollständig ausblenden. Vermutlich auch deshalb muss sich Lees Scaramanga bei mir mit einem Platz im vorderen Mittelfeld begnügen.

Casino Hille hat geschrieben: Ist es nicht traurig, dass der perfekte Blofeld eigentlich Karl Stromberg heißt? Das Modell des in seinem Sessel sitzenden Gigantomanen, der in einem gewaltigen Geheimversteck den Weltuntergang plant, hat nie wieder so gut funktioniert wie in TSWLM.
Wobei das Schlüsselwort in deiner treffenden Auführung „sitzt“ ist, denn wenn bei Drax das Gelangweiltsein das Wesen der Figur ist, dann ist es bei Stromberg die Behäbigkeit. Jürgens spielt das dann auch wunderbar reduziert mit geradezu spartanischer Gestik und Mimik. Die Gefährlichkeit transportiert er in feinen Nuancen, wenn etwa die Andeutung eines milden Lächelns in einen Ausdruck bitterer Bösartigkeit oder Enttäuschung wechselt. Und dann ist da natürlich des Teufels Generals einmalige Stimme, die den „besseren Blofeld“ auch für die gesichtslose Inkarnation der Stromberg-Vorlage prädestiniert hätte.
Casino Hille hat geschrieben: Er gibt seinem Kananga eine ganze Menge mit, doch die Rolle ist auch wahnsinnig dankbar für ihn, weil Kananga abseits seiner obligatorischen Allmachtsphantasien als Mr. Big eine sehr emotionale Note mitbringt, die den Konflikt zwischen ihm, Bond und Herzensdame Solitaire besonders tragisch und explosiv macht, bis es dann zwischen der Dreierkonstellation zu einem Knall kommt, der besser nicht hätte gespielt werden können und zu den Gänsehaut-Momenten der Reihe gehört.
Unbedingt, da sprachen wir ja neulich schon drüber. Die Verhör-Szene ist auch für mich fraglos einer der darstellerischen Sternstunden innerhalb der Serie. Die Bandbreite und Dynamik in Kottos Spiel ist hier sagenhaft, auch weil er ja zusätzlich zur emotionalen Achterbahnfahrt von Kananga noch den Wechsel von seinem lauten und aufbrausenden Mr. Big-Alter Ego hinlegt.

Casino Hille hat geschrieben: Was für eine Performance! Der Charakterdarsteller Robert Shaw ist eine mehr als würdige Wahl für den Titel als Bester Fiesling der Reihe. Seine rohe, körperliche Bedrohung schwebt wie ein Damoklesschwert über Bond, der sein Leben ohne den auch in Punkto Intelligenz brillanten Assassinen mehrmals ausgehaucht hätte.
Da bin ich dann doch etwas weniger enthusiastisch als du. Die Wahl eines Charakterdarstellers als Henchman war fraglos brillant und man hätte sich dies deutlich häufiger innerhalb der Serie gewünscht (entsprechend dürfte es nicht verwundern, dass mit Michael Gothards Emile Leopolde Locque ein weiterer von einem Charakterdarsteller gemimter Handlanger zu meinen Liebelingsschurken gehört). Shaw verleiht seinem Grant eine Tiefe, die man bei Bond-Henchmen ansonsten zumeist vergeblich sucht. Dennoch empfinde ich Grant in erster Linie als körperliche Bedrohung für Bond, da die Figur sehr stark als Werkzeug in Szene gesetzt ist, welches Befehle ausführt, aber keine eigenen Entscheidungen trifft. Daher ist es auch stimmig, dass Grant letztlich daran scheitert, dass er eigenständige Entscheidungen trifft (bei Bonds Bestechungsversuch) und er nicht gemäß Plan und Befehlen handelt. Brillante Intelligenz sehe ich deshalb in FRWL auch eher bei Klepp und vor allem Kronsteen, Grant ist ganz klar das ausführende Organ (aber was für eines!).
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Frag doch mal den Hille - Der beste Gegenspieler

#387
Casino Hille hat geschrieben:05. Francisco Scaramanga (alias Christopher Lee, TMWTGG)
- Mit Christopher Lee ist der Mann mit dem goldenen Colt einer der hochkarätigsten besetzten Bad Guys der Reihe. Die Besetzung ist doppelt klug, wäre Lee doch auch ein hervorragender James Bond gewesen. In diesem Sinne funktioniert Scaramanga hervorragend als die andere Seite der Bond-Medaille, der sich als Auftragskiller von Bond nur durch die fehlende staatliche Legitimation unterscheidet. Ansonsten ist er seinem Kontrahenten in jeder Hinsicht ebenbürtig - womöglich sogar überlegen. Das einvernehmende Charisma von Lee transferiert die überaus interessanten Facetten der Scaramanga-Rolle vom Papier auf Zelluloid und dürfte verdient als Bonds mit weitem Abstand gefährlichster Gegenspieler einen besonderen Rang innerhalb der Reihe genießen.
Mir ist gestern ein Gedanke zu Salamander entfallen:
"He comes just before the kill." - Francisco hat jedesmal Sex, bevor er jemanden tötet. Heißt das, dass er nach der Tötung Octopussys Bond eigentlich gar nicht mehr töten konnte? (Wäre ein wneig brillant!)
Oder hat er sich mit Goodnight auf das Duell vorbereite?
It's the BIGGEST... It's the BEST
It's BOND

AND BEYOND

Re: Frag doch mal den Hille - Der beste Gegenspieler

#388
Casino Hille hat geschrieben:
Thunderball1965 hat geschrieben:In was für einen Zwiespalt stürzt 006 007 denn?
Ohne jetzt diskutieren zu wollen, wie gut GE das macht, aber ein wesentlicher Teil des Dramas im Film ist der, dass Bond hier eben von einem Kollegen und Freund verraten wurde und das er in diesem Fall keine simple Mission ausübt, sondern seine persönlichen Gefühle sich einmischen. Ihm fehlt die Leidenschaftslosigkeit seinem Ziel gegenüber, welche er sonst hat. Die Szene auf dem Statuenfriedhof, als Alec Bond eine Ansage macht à la "Dir ist deine Mission wichtiger als deine Freunde", ist entscheidend, da trifft er definitiv einen wunden Punkt, wie Campbell in der Strandszene andeutet. Wie gesagt: Das alles mag in GE unterentwickelt sein, ist aber zumindest in Ansätzen erkennbar.
Ich müsste GE vllt. noch einmal schauen, um das besser eburteilen zu können, aber gab es da wirklich einen Zwiespalt (a la Freund oder Mission)? 006 & 007 waren ja zu dem zeitpunkt, als 007 006 beseitigen musste, ohnehin keine Freunde mehr. Bonds Konflikt war doch eigentlich vielmehr, dass er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist, in die sein Job ihn immer wieder bringt. (Womit der Brosnan-Bond bisschen stärker in die Fleming-Richtung des Byronic Hero geht.)
It's the BIGGEST... It's the BEST
It's BOND

AND BEYOND

Re: Der beste Gegenspieler

#389
Maibaum hat geschrieben:Listen in denen Renard, Kamal Khan und Whitaker fehlen sind an sich komplett wertlos.
Also wenn der Gegenspieler (Villain, Oberschurke) derjenige ist, der die Befehle gibt und einen "Plan" hat, fehlen Kamal Khan und Whitaker definitiv. Daher sehe ich auch Grant nicht in dieser Kategorie. Bei TWINE würde ich Renard und Elektra beide als Villains sehen, aber Elektra noch ein bisschen stärker.
Vorfreude ist die schönste Freude

#Marburg2020

Though this be madness, yet there is method in’t
William Shakespeare, Hamlet

Re: Der beste Gegenspieler

#390
DonRedhorse hat geschrieben:Also wenn der Gegenspieler (Villain, Oberschurke) derjenige ist, der die Befehle gibt und einen "Plan" hat, (...) Bei TWINE würde ich Renard und Elektra beide als Villains sehen, aber Elektra noch ein bisschen stärker.
Aber ist Renard dann gerade kein "Gegenspieler", da er den ganzen Film über von Elektra ja nur benutzt wird? Sein "Plan" ist ja nur der, den ihm Elektra souffliert.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"