2012 (2009) - Roland Emmerich
Unser Roland macht in 2012 genau das, was er am besten kann: er macht die Welt platt. Mit einer förmlich ansteckenden Freude an der Zerstörung zelebriert er in den ersten beiden Stunden von 2012 eine in diesem Ausmaß nie dagewesene destruktive Orgie auf höchst unterhaltsame und kurzweilige Art und Weise. Wie ein Kind im Spielzeugladen tobt sich der schwäbische Regisseur auf seinem ureigenen Spielfeld aus und beweist einmal mehr ein goldenes Händchen für spektakuläre und extrem aufwändige Actionszenen. Irgendwie gelingt es ihm dabei immer noch einen obendrauf zu setzen.
Ebenfalls bemerkenswert ist sein Umgang mit CGI, denn obwohl er die digitale Wunderwaffe auf breiter Front einsetzt wirkt sein Film dennoch nie ähnlich künstlich wie bei vielen Produktionen der aktuelleren Blockbusterkonkurrenz. Da ihm dazu auch noch seine Wissenschaftsmystery-meets-Familienwertedramödchen Story locker leicht von der Hand geht ist 2012 über weite Strecken der gelungenste von Emmerichs Blockbustern, zumal er auch hier wieder eine sehr sympathische und passend besetzte Darstellerriege an Bord geholt hat.
Klar, wie in allen seinen Blockbustern werden auch in 2012 wieder Klischees ohne Ende bemüht, auch dieses mal wieder wird die heile Familienwelt quasi als Äquivalent zur zusehends mehr in Trümmern liegenden echten Welt in Szene gesetzt. Immerhin muss man ihm hier zu Gute halten, dass er zumindest in Ansätzen etwas aus dem üblichen Schwarz-Weiss-Szenario eines Spielbergs ausbricht wenn er beispielsweise den Stiefvater von John Cusacks Kindern dann eben doch nicht als den unsympathischen Ich-Menschen zeigt, wie man ähnliche Figuren aus anderen Hollywoodproduktionen gemeinhin kennt.
Schade nur, dass Emmerichs Film in der letzten halben Stunde dann doch etwas die Luft ausgeht, da einerseits die Actionszene im Rahmen des Schiffstarts den hohen Standard der vorangegangenen Sequenzen nicht mehr halten kann und vor allem er der Versuchung nicht widerstehen konnte seine Figurenkonstellation in einer fast schon Soapartig anmutenden emotionalen Überdosis aufzulösen. Das ist nicht nur extrem vorhersehbar, sondern auch in seiner naiv-gutmütigen Heile-Welt-Anschauung (in welcher erwartungsgemäß alle Figuren, die einem familiären Happy End im Wege stehen würden über die Wupper gehen) fast schon ärgerlich.
Dennoch, die ersten beiden Stunden sind so unterhaltsam und vergnüglich, dass auch das abfallende Finale den Film nicht entscheidend beschädigen kann. Unser Roland aus dem Schwabenländle zeigt sich daher auch mit 2012 als der Meister des modernen Krawall- und Destruktionskinos. Da darf man dann schon auch ruhig ein bisschen stolz auf unseren Landsmann sein.
Wertung: 7,5 / 10