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von HAMLET
Agent
Quantum mag zwar die Verbindung zu Vesper sein, doch Greene hat direkt nichts mit Vesper zu tun. Im Grunde genommen, fühlt Bond also nicht denen auf den Zahn, die Vesper tatsächlich unter Druck gesetzt haben. Es geht ja nicht nur um Rache, so wie ich das sehe. Es geht für Bond darum, Fragen zu beantworten. Er möchte seinen Frieden mit Vesper machen, er kann ja den Verrat eines geliebten Menschen(und vermutlich des ersten Menschen, den er je geliebt hat, schließlich können wir annehmen, dass "Ein Quantum Trost" vor "Im Geheimdienst ihrer Majestät" spielt) nicht einfach so hinnehmen. Er möchte wissen, wie es dazu kommen konnte. Ich hatte zumindest diese Erwartungen an den Film. Ich wollte mehr über Vespers Vergangenheit wissen, wie sie mit Quantum in Berührung kam, wie sie sich darauf eingelassen hat und daher lässt mich der Film von der Geschichte her unbefriedigt zurück.
Was die Wasser- und Luft-Szenen angeht, so stören mich diese nicht aufgrund ihrer Machart, ich finde sie spannend, die Bootszene löst sogar ein bisschen "Liebesgrüße aus Moskau" - Nostalgie bei mir aus. Ich finde sie jedoch nicht notwendig, im Gegenteil, dem Rhythmus des Films sogar abträglich.
Die Idee mit den vier Elementen ist sicherlich ganz nett, gerade, wenn sie so ist, wie du, Maibaum, es beschreibst, nämlich, dass sich der Film durchaus auch ohne Hintergrundwissen genießen lassen kann, nur als konzeptuelles Extra, sozusagen. Ich finde auch, dass es bei der Wahrnehmung auf Filme, wie auch auf alle andere Kunst, hauptsächlich um Gefühle geht. Deshalb gefällt mir "Ein Quantum Trost" auch so gut, weil er mich mit seiner linearen Ästhetik sehr bewegt hat.
Wenn es bei den Actionszenen jedoch tatsächlich um die vier Elemente geht, so sollte das auch Sinn ergeben für die einzelnen Szenen und nicht nur für die elementare Polung des gesamten Films. Wenn Forster diese Symbole absichtlich verwendet, dann müssen sie auch schlüssig sein an ihrer jeweiligen, konkreten Stelle und nicht nur im Gesamtkontext. Die Befreiung von Camille hat thematisch überhaupt nichts mit Wasser zu tun. Und Wasser als Symbol löst ja eine Menge an Konnotationen aus. Doch weder die zerstörerische Kraft, noch die reinigende Kraft, noch irgendeine Kraft berechtigt diese Szene dafür mit dem Element Wasser übertitelt zu werden. Im Gegensatz dazu steht zum Beispiel ein Symbol wie der Titel "Skyfall", wo man schon eine Hybris assoziieren kann, was sehr viel mit Bond im Allgemeinen zu tun hat, genau wie man es auch wörtlich für den Sturz Bonds sehen kann. Sicherlich wird "Skyfall" auch noch in der Storyline aufgegriffen, doch schon jetzt ergibt die Symbolik dieses Titel immens viel Sinn für mich.
Die vier Elemente in "Ein Quantum Trost" allerdings sind tatsächlich nur Kulisse und deshalb keine Symbole, denn sie bedeuten in diesem Kontext nichts. Das wäre dann tatsächlich ein wenig prätentiös, wenn Forster die Actionszenen an die vier Elemente angelehnt hat.
Was ich vorher noch vergessen hatte zu erwähnen, ist das großartige Ensemble von "Ein Quantum Trsot". Besonders gefreut habe ich mich über die große Rolle, die Judi Dench schon in diesem Film zuteil wird, sie macht das großartig, sie ist der einzige M, der irgendeinen nachträglichen Eindruck bei mir hinterlassen hat und auch der einzige Geheimdienstchef, der mich auch als Privatperson(beim Abschminken oder Badeinlassen zum Beispiel) interessiert. Daniel Craig finde ich als Bond wundervoll, die große Sorgenfalte, die er den Film über auf der Stirn mit sich herumschleppt mag etwas melodramatisch wirken, doch bei mir hat sie zu einem großen Einfühlungsvermögen in sein traumatisiertes Inneres geführt. Ich mag gleichzeitg die Entschlossenheit seines Bonds, der sich nie verwundert umsieht oder nachdenkt. In "Casino Royale" schnappt er sich ohne langes Zaudern das Salzfass und ein Glas, als er vergiftet wird, in diesem Film bricht er ohne mit der Wimper zu zucken die Türklinke der Operntoilette ab. Man glaubt ihm den pragmatisch trainierten Agenten, der nie lang zaudern muss, wenn es wirklich um seinen Beruf geht. Nur mit seinen Gefühlen kommt er nicht voran, er brennt von innen und dieses Brennen veräußerlicht sich nicht wirklich. Dass man dieses Brennen trotzdem bemerkt, ist dem großen Talent des Hauptdarstellers anzurechnen.
Mathieu Almaric ist ein hinreißender Schauspieler und er holt aus seinen weniegn Auftritten sehr viel raus. Er ist die ganze Zeit präsent, auch wenn er nicht körperlich anwesend ist. Meiner Ansicht nach, verkörpern Mathieu Almaric und Mads Mikkelsen die interessantesten Bondschurken seit Christopher Walkens Max Zorin.
Sowohl Olga Kurylenko als auch Gemma Arterton spielen schnörkellose Figuren, kluge Frauen, dreidimensionale Charaktere, die nur leider nach der starken Vesper von Eva Green nicht wirklich Aufsehen erregen, es sonst aber mit nahezu jedem Moore- oder Connerybondgirl aufnehmen können.
Schon im letzten Bondfilm haben mich zwei Darsteller sehr beeindruckt: Giancarlo Giannini und Jeffrey Wright. Der Tod von Mathis war für mich besonders traurig, weil ich diesen altgewordenen Filou so geschätzt habe und in ihm eine Art Vaterfigur für Bond gesehen habe.
Jeffrey Wright ist der erste Felix Leiter - Darsteller, an den sich tatsächlich Menschen erinnern. Habe ich früher mit Freunden über diese Figur gesprochen, war sie denen, die sich nicht besonders viel mit Bond beschäftigten, kein Begriff. Auch in "Lizenz zum Töten", immerhin dem Film, bei dem Felix Leiter den Stein ins Rollen bringt, bleibt kein wirklich nennenswerter amerikanischer Freund für Bond zurück. Anders in "Casino Royale" und "Ein Quantum Trost". In beiden Filmen hat Wright keine besonders große Spielzeit, aber er stellt seine Künste so kompromisslos und ehrlich in den Dienst seiner Rolle, dass es ein wahres Vergnügen ist, ihm dabei zuzusehen.
Nicht zuletzt wegen der starken Besetzung bleibt "Ein Quantum trost" für mich ein wirklich guter Bond.