Wie bewertet ihr den Roman Carte Blanche

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Insgesamt abgegebene Stimmen: 5

Re: Romanbesprechung: Carte Blance (Deaver)

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Buchreview zu „Carte Blanche“

Im Original „Carte Blanche“ von Jeffery Deaver in der deutschsprachigen Erstauflage von 2012.

„Carte Blanche“ ist das 37. Bondbuch und der 1. und einzige Roman von Jeffery Deaver

„Carte Blanche“ wird von mir als eigenständiger Roman keinem listenbezogenen Ranking unterzogen.


Worum geht es in „Carte Blanche“ ?:

Nachdem Bond das Entgleisen eines Zuges mit chemischem Gefahrgut im serbischen Novi Sad an einem Sonntag verhindert hat, bekommt der britische Geheimdienst die Info, dass am kommenden Freitag ein Anschlag mit tausenden Toten stattfinden soll. Da Bond in Serbien auf den irischen Söldner/Terroristen Niall Dunne getroffen ist, nimmt er die Spur von Dunne auf und deckt das groß angelegte Firmengeflecht eines Severan Hydt auf, der eine perfide Vorliebe für Tod und Zerfall hat und dies auch mit seinem multinationalen Entsorgungsunternehmen unter Beweis stellt. Ob das alles miteinander zusammenhängt oder ob wir am Ende alle wie Bond im Dunkeln tappen, schildert Carte Blanche.

Kapitelverzeichnis der deutschen Version 2012:

Es gibt nur 6 Buchabschnitte
1. Sonntag: Die Rote Donau (Seite 13 bis 41)
2. Montag: Der Lumpensammler (Seite 45 bis 142)
3. Dienstag: Tod im Sand (Seite 145 bis 230)
4. Mittwoch: Killing Fields (Seite 233 bis 324)
5. Donnerstag: Das Schwarze Loch (Seite 327 bis 404)
6. Freitag: Abwärts zu Gehenna (Seite 407 bis 530)

Das Buch umfasst komplett 72 Kapitel

Seitenanzahl: 530 / Kapitelanzahl: 72 = Kapitelfrequenz von 7-8 Seiten.

Hauptschauplätze: Novi Sad, London, Dubai, Kapstadt

Wichtige Charaktere (neben Bond):

- Severan Hydt
- Niall Dunne
- Ophelia Maidenstone
- Bheka Jordaan
- Felicity Willing
- Gregory Lamb
- Percy Osborne-Smith
- Jessica Barnes

Was halte ich davon ?

Mittlerweile kenne ich die ersten 21 Bondromane, Solo, Trigger Mortis und eben Carte Blanche. Hier sticht Carte Blanche definitiv aus diversen Gründen heraus. Zum einen ist es mit 530 Seiten ein richtiger „Schinken“ im Bondroman-Universum. Extrem viele Seiten mit einem größeren Format aber kleiner gedruckten Lettern. Würde Cross-Cult das Buch in deren Format rausbringen, würde es Carte Blanche auf ca. 800 Seiten schaffen – Im Vergleich zu den anderen Büchern mit ca. 330 bis 350 Seiten durchschnittlich, sieht man schon, worin ich ein kleines Problem von Carte Blanche sehe – ES IST EINDEUTIG ZU GROSS !

Und streckenweise zu komplex. Das hängt zum einen an der Anzahl der in der Story verwickelten Personen und zum anderen an den Twists und Haken, die das Buch schlägt. Würde ich hier als Wertungsreferenz z.B. Eisbrecher nehmen, kam hier die Handlung mit wenigen Leuten aus und die Story war trotz doppelter Doppelbödigkeit nicht zu komplex. Das ist Carte Blanche nicht gelungen, aber auch die einzige wirklich wichtige negativ zu beurteilende Kritik.

Ich kann mir erklären, warum Jeffery Deaver Carte Blanche auf eine solche Größe aufgepumpt hat. Er wollte Bond zum einen in unsere heutige Zeit literarisch einbinden und modernisieren und zum anderen nahezu jede wichtige Person aus dem Bondkosmos ins Buch einbinden (M, Tanner, Q-Branch, Moneypenny, Mary Goodnight, Felix Leiter, Rene Mathis, May) und darüber hinaus noch weitere für den Handlungsverlauf entscheidende Charaktere in die Handlung integrieren. Dazu hat er denke ich mal für seine übliche Leserschaft hier einen „neuen Bond“ kreiert. Dass hier in diesem Buch auch weltpolitische Einflüsse zu finden sind, genauso wie die moderne Technik über I-Phones Einzug erhält, sind tolle Einfälle.

Und wie er das getan hat – seine Charakterisierung Bonds als Typ aus dieser, unserer Zeit ist ihm bravourös gelungen, ähnlich wie der Aufbau der Charakter Ophelia Maidenstone, Niall Dunne, Felicity Willing, Severan Hydt und auch Bheka Jordaan. Das hatte schon fast das Niveau eines Flemings. Hervorzuheben sind hierbei vor allem Ophelia Maidenstone als Kollegin und Love-Interest von Bond, der perfide Geschäftsmann Severan Hydt mit all seinen Vorlieben und Niall Dunne als „Mann, der an alles denkt“ - der für mich literarisch einer der besten Henchmen ist.

Die Eröffnung in Novi Sad liest sich extrem spannend und könnte für sich selbst auch mal später Teil einer PTS in den Filmen sein – Hier ist Deaver ein Meisterstück gelungen.

Die Einbindung von exotischen Orten wie Dubai und Kapstadt inklusive leichten Reiseführereinflüssen lassen auch ein wenig von Fleming in den Roman einfließen. Man merkt, egal ob es die Handlung oder die Beschreibung der Umgebung ist, dass sehr viel Detailreichtum dahinter steckt.

Zum Plot selbst möchte ich wenig verlieren, denn dieser ist stellenweise zu komplex und zu vielschichtig. Das Buch versucht, uns erst über ca. 450 Seiten lang Hydt als Gegner zu verkaufen, um doch am Ende ähnlich wie „Renard“ in TWINE oder auch „Markus Bismaquer“ in „Der Kunstsammler“ als Tool eines weiblichen Gegners missbraucht zu werden.

Stellenweise kommt das Buch auch nicht aus dem Quark und lässt hier und da ein wenig Spannung wegfallen. Ich frage mich, ob es z.B. diesen „Steel-Cartridge“-Nebenplot und den Besuch der Ausstellung in Dubai genauso wie einige Abschnitte in London wirklich gebraucht hätte ?

Trotz allem ist das Buch sehr lesenswert und es sollte jeder Bondkenner und Liebhaber der Bondbücher im Schrank stehen haben.

„Carte Blanche“ bekommt von mir auf der 007er-Skala 006/007 Punkte

Im 10er-System würde ich das ganze auf 8/10 bewerten.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Romanbesprechung: Carte Blance (Deaver)

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Schöne Kritik, aber aus der Erinnerung heraus sehe ich den Roman etwas kritischer. Die vor allem technologisch stark modernisierte Bondwelt funktioniert zwar richtig gut, und auch die Charaktere gehen soweit alle in Ordnung und sind solide gezeichnet (auch wenn ich ein paar von den Frauen bei der Lektüre immer wieder durcheinander gebracht habe). Was ich weniger gelungen fand sind die meiner Meinung nach meistens ziemlich farblos und austauschbar umschriebenen Locations (vor allem diese ganzen Müllhalden, aber auch Kapstadt und Dubai), dass Deaver wirklich jeden Charakter aus dem Fleming-Repertoire mit einbringen wollte und der generelle dramaturgische Aufbau der Geschichte. Wie du richtig sagst ist Carte Blanche für seine dünne Handlung in erster Linie viel zu lang und vor allem der künstlich hinten drangeklebte letzte Akt war mir dann doch zu viel des Guten.

Versuch mal Sebastian Faulks' Devil May Care. Das hat zwar auch seine Länge, ist aber wunderbar stilvoll und sehr im Geist der Fleming-Romane.
We'll always have Marburg

Re: Romanbesprechung: Carte Blance (Deaver)

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Danke dir, kam gerade von einer Weihnachtsfeier mit der Abteilung heim mit einem Desperado, 3 Glühwein, einem Vodka Martini und einem Heineken intus. Wir waren Bowlen, danach auf dem Sternschnuppenmarkt und dann in der Bar Lumen auf dem "dernschen Gelände" in Wiesbaden. Ich bin gerade zu müde und zu angeheitert, um selbst nachzusehen !
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