Der Hitchcock Thread

#1
aus aktuellem Anlass:

Im Oktober wird es ein Hitchcok Special auf arte geben, in dessen Rahmen diverse vor allem ältere seiner FIlme, die sonst praktisch nie zu sehen sind, gezeigt werden. Bin total begeistert, weil ich selbst bisher nur 2 der 6 Filme vor langer Zeit mal gesehen habe.

@ 007james bond: kennst du schon alle oder freust du dich mit mir? ;-)

Hier die Details

Montag, den 12. Oktober, um 21.00 Uhr
SKLAVIN DES HERZENS (UNDER CAPRICORN)
Kostümmelodram von Alfred Hitchcock, Großbritannien 1949, 112 Min.
Mit: Ingrid Bergman, Joseph Cotten, Michael Wilding u.a.
Der junge Ire Charles Adare macht sich 1831 nach Australien auf, um dort sein Glück zu versuchen. Dabei macht er Bekanntschaft mit Sam Flusky und seiner depressiven Frau Henriette. Als Charles sich in Henriette verliebt, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Sam.

Montag, den 19. Oktober, um 21.00 Uhr
VERDACHT (SUSPICION)
Psychothriller von Alfred Hitchcock, USA 1941, 96 Min.
Mit: Cary Grant, Joan Fontaine, Cedric Hardwicke u.a.
Die Tochter eines Generals heiratet gegen den Willen ihrer Eltern einen sprunghaften und verschwende-rischen Playboy. Durch vermeintliche Indizien argwöhnisch geworden, glaubt sie, dass er ein Mörder sei.

Montag, den 26. Oktober, um 21.00 Uhr
DER AUSLANDSKORRESPONDENT (FOREIGN CORRESPONDENT)
Spionagefilm von Alfred Hitchcock, USA 1940, 120 Min.
Mit: Joel McCrea, Laraine Day, Albert Bassermannu.a.
Ein amerikanischer Sensationsreporter kommt 1939 nach Europa und entdeckt auf der Suche nach einer spannenden Story einen deutschen Spionagering. Im Bewusstsein der politischen Verhältnisse hält er eine Rundfunkansprache, welche die Amerikaner zum Überdenken ihrer Neutralität auffordert.

Montag, den 2. November, um 21.00 Uhr
MR. & MRS. SMITH
Komödie von Alfred Hitchcock, USA 1941, 91 Min.
Mit: Carole Lombard, Robert Montgomery, Gene Raymond u.a.
Zwei junge Eheleute, die sich ebensooft versöhnen, wie sie miteinander streiten, geraten durch die Mitteilung, dass ihre Ehe auf Grund eines Formfehlers nicht rechtsgültig ist, in ernste Schwierigkeiten.

Montag, den 9. November, um 21.00 Uhr
SABOTAGE
Spionagethriller von Alfred Hitchcock, Großbritannien 1936, 74 Min.
Mit: Oskar Homolka, Sylvia Sydney, Desmond Tester u.a.
Ein Londoner Bürger geht im Auftrag einer Geheimorganisation terroristischen Aktivitäten nach. Seine Frau ahnt von nichts…

Donnerstag, den 12. November, um 21.00 Uhr
DIE 39 STUFEN (THE 39 STEPS)
Vorkriegsthriller von Alfred Hitchcock, Großbritannien 1935, 82 Min.
Mit: Robert Donat, Madeleine Carroll, Godfrey Tearle u.a.
Als eine Agentin in der Londoner Wohnung eines ahnungslosen Kanadiers ermordet wird, gerät dieser zwischen die Polizei, die ihn verdächtigt, und einen Spionagering, der verhindern will, dass er die Mission der Ermordeten zu Ende führt.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Der Hitchcock Thread

#2
ARTE ist, nachdem Das Vierte kapituliert und Kabel 1 Leitspruch sowieso seit Jahren nicht mehr zutrifft, der einzige Lichtblick in der Fernsehenlandschaft. Ich verfolge schon seit längerem das Montagskino von ARTE. Ich hoffe es überdauert noch diesen Monat und zeigt weitere Klassiker von Hawks, Huston, Wilder bis hin zu Hitchcock.
Die Hälfte von den Filmen kenne und besitze ich (Korrespondent, Sabotage, Stufen).
Ganz besonders freue ich mich auf VERDACHT.

Ich hoffe in Zukunft finden noch mehrere Hitchcocks der alten Generation ihren Weg ins Fernsehen. THE LODGER, BLACKMAIL oder auch REBECCA würden mich brennend interessieren.

Re: Der Hitchcock Thread

#3
Heute lief die amerikanische Komödie "Mr. & Mrs. Smith" von Hitch.
Man sieht das Hitch nicht überzeugt war und einfach nur fotografierte. Nach eigener Aussage drehte er der Hauptdarstellerin zuliebe und verstand nicht mal das Drehbuch, welches sich klischeehaft entwickelt und seinem Genre höchstens ein- oder zweimal Rechenschaft ablegt. :?

Re: Der Hitchcock Thread

#4
Der unsichtbare Dritte

Nein, auch bei erneuter Sichtung will es nicht funktionieren. Der als Hitch's ultimatives Meisterstück geltende Film bereitet mir immer wieder Kopfschmerzen, denn ich frage mich, was an diesem Film in so hohem Maß Gefallen findet. Keine Frage, es ist ein guter Film, mehr aber auch nicht. Oder doch?
Die Stärken sind nicht zu übersehen: starke Dialoge und sehr gute Situationskomik von der ersten bis zur letzten Minute eines vorbildlich geplotteten Spektakel.
Der Humor stellt dem Film allerdings auch ein Bein. Er unterdrückt jede Dramatik und Spannung. Die einzigen spannenden Szenen sind die, wo Grant nicht den Mund auf macht oder ernst bleibt, was praktisch nur beim Fliegerangriff und dem Finale der Fall ist.
Wenn der Protagonist die Bedrohung schon nicht ernst nimmt, wie soll es dann der Zuschauer. Dazu kommt noch, dass der Antagonist nie schwächer war. Vom Bösewicht geht weniger antagonistische Kraft aus, als von den örtlichen Polizisten, da er wenig Screentime hat und unglaublich Ein-Dimensional ist, wie jeder Charakter außer Eve Kandle.
Hitch treibt hier nicht nur den Humor, sondern alle seine anderen Zutaten auf die Spitze. Der Protagonist ist diesmal nicht das Opfer der Unfähigkeit des Gesetzes, bzw. des Staats, nein, dieses mal stößt ihm vorsätzlich durch den Staat Ungerechtigkeit zu, so wie es die Montage vom kleinen hilflosen Grant aus der Vogelperspektive über dem UNO Gebäude mit einer Überblende zum Schild der CIA, indem sich das Capitol als Symbol für den Staat spiegelt und diese beiden "Institutionen" direkt verbindet, zeigt.
Auch die Unwahrscheinlichkeit findet dieses mal ihren Höhepunkt und sympathisiert schon mit dem Unrealismus, wenn die Bösen ein Abteil genau in dem Zug bestellen, auf den Grant kurz vor Abfahrt spontan aufsteigen wird und darauf nur gewartet haben.

In dem Teil, in dem sich auch vorherig genanntes Szenario abspielt, liegt meiner Meinung nach die zweite Schwäche die die Spannung erstickt. Grant ist, nachdem er durch die Verwechslung mit einem DRITTEN, dem Mann, für den man ihn hält und umzubringen versucht, auf der Suche nach eben diesem Mann, dem er wohl als einziges vertrauen könnte; der seine letzte Hoffnung ist. Dem Zuschauer aber wird die Spannung und Hoffnung dadurch genommen das Grant dies ohnehin auf die leichte Schulter nimmt und die Story uns schon zu Beginn des zweiten Aktes enthüllt, das diese DRITTE Person überhaupt nicht existiert.
Nicht das mir dieses Szenario, welches dramatische Ironie (der Zuschauer weiß mehr als die Figur) genannt wird, generell missfällt - schließlich gibt es ganze Storys die ihren Ausgang zu Beginn des Films enthüllen (Sunset Boulevard, Prestige) - und hier betrifft dies ja "nur" einen von drei Akten. Aber gerade im zweiten, immer schwierigsten Akt dies anzuwenden, wo doch die Bedeutungskraft dieses Faktes geringer ist, als die des Todes aus den beiden oben genannten Filmen und Grant dies wie schon oft genug erwähnt noch selber bestärkt, ist nicht dramaturgisch nicht optimal. Wirkungsvoller wäre neben einer ernsteren Haltung von Grant, wenn wir eben nicht mehr wüssten als er und mit ihm Schrittweise Enthüllen, das seine Hoffnung diesen Mann zu finden, was die einzige Möglichkeit ist, ihn aus diesem Unglück in der UNO und dem Visier der Killer zu befreien, zunichte ist.
So wäre ein toller Aha Effekt entstanden, wenn wir zusammen mit Grant direkt nach dem Flugzeug-Vorfall bei einer Szene in der klar wird, das der Dritte nicht existiert, schlagartig herausfinden, das Eve Kandle in der Sache verwickelt ist. Sie wäre bei der Konfrontation in Tränen ausgebrochen, wir wüssten nicht was wir von ihr halten sollen, würden durch ihr Verhalten wie es im Film von dort an schon war zunehmenden an das eigentlich Gute in ihr glauben, dann, wenn sie auf Grant schießt noch mal vom Zweifel überrumpelt werden, um dann im Waldstück über den Clou noch verblüffter zu sein, wenn das Szenario des Geheimnis (Die Figur weiß mehr als wir - der Clou vom FBI, Grant und Eve) noch strenger ausgeführt worden wäre und wir nicht schon vorher erfahren hätten, das Eve Doppelagentin ist, Grant aber schon. So hätten wir an dessen Tod wirklich geglaubt.

Trotzdem bleibt das Ende sehr gelungen und ist spannend, obwohl ich noch dazu anmerken möchte, das die erfolgreiche Flucht des Bösen noch eine Zwischenschnitt verdient hätte in dem das Flugzeug über den Köpfen des Mt. Rushmoore und dem hochblickenden, fliehenden Paar fliegt. So übersieht man schon fast das der Bösewicht davon kommt, da seine Präsenz ohnehin unauffällig war.

Abgesehen von der genannten Montage und einer sehr schmutzigen Tunnelfahrt verzichtet Hitch auf visuelle Symbolik soweit ich nichts übersehen habe. Eine ungewöhnlich niedrige Kameraposition (Hüfthöhe) ist mir allerdings durchgehend aufgefallen, der ich aber kein Motiv zuordnen kann.

7,5 von 10 Punkten

Re: Der Hitchcock Thread

#5
wir sind geschiedene leute! ;-)
ich muss auch mal eine lange kritik zu NBNW schreiben....

aber eins vorab: es ist doch das urprinzip der hitchcockschen suspense, dass der zuschauer mehr weiß als die hauptfigur. übrigens das beste an FRWL: der zuschauer weiß wie gefährlich grant ist. bond hat keine ahnung als er auf ihn trifft im zug...
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Der Hitchcock Thread

#6
NBNW halte ich auch für einen wunderbaren Film. Spannung pur, sehr gute Schauspieler... ach das wurde schon gesagt.

Die tiefe Kameraposition würde ich als gewisse Voyeurs-Position interpretieren: Der Zuschauer spielt quasi Mäuschen in der Welt der Geheimdienste.

Eigentlich ist NBNW einer der Hitchcocks an denen ich rein gar nichts aussetzen kann, ganz klar 10 von 10 Punkten.


Den bisher schlechtesten Hitchcock den ich sah halte ich für "Frenzy". Verschiedene dramaturgische Mängel und nicht die beste Wahl bei den Darstellern lassen für mich den Film ziemlich mau aussehen.
"In a Bond film you aren't involved in cinema verite or avant-garde. One is involved in colossal fun."

Terence Young

Re: Der Hitchcock Thread

#7
danielcc hat geschrieben:wir sind geschiedene leute! ;-)
Das mach ich mit einer baldigen DN Kritik wieder wett 8)
danielcc hat geschrieben: aber eins vorab: es ist doch das urprinzip der hitchcockschen suspense, dass der zuschauer mehr weiß als die hauptfigur. übrigens das beste an FRWL: der zuschauer weiß wie gefährlich grant ist. bond hat keine ahnung als er auf ihn trifft im zug...


Ja, das ist es in der Tat und seine Perfektion ist im ersten Akt von Bei Anruf Mord zu bewundern und auch das Beispiel aus FRWL ist das Optimale. Aber hier sind auch die Konsequenzen bei der Entdeckung der uns bekannten Wahrheit größer, denn wir stellen uns die ganze Sequenz(en) bis zur Enthüllung die Frage, ob Grace Kelly sterben wird oder ob Bond dahinter kommt, aber noch wichtiger ist, das wir uns weiter Fragen, ob der betrogene Mann damit durchkommen wird, egal wie es ausgeht und Grace Kelly davon erfährt, wenn der Plan scheitert, bzw. es bei FRWL zum Kampf auf Leben und Tod mit Red Grant kommen wird, oder Red Grant Bond zuvor kommt.
Bei NBNW hat die Enthüllung keine so unmittelbare Konsequenz für Cary Grant außer das ihm seine letzte Hoffnung genommen wird, was gewichtiger wäre, wenn es ihm nur mehr als den nächsten Spruch verschlagen würde und deshalb besser als Überraschungseffekt funktioniert hätte, wie ich finde. Das gleiche Problem mit der Unernsthaftigkeit haben auch viele moderne Actionfilme, wo der Humor die Bedrohung und Dramatik unterdrückt (aktuell Forumsinternes Beispiel: Transformers).
MX87 hat geschrieben: Die tiefe Kameraposition würde ich als gewisse Voyeurs-Position interpretieren: Der Zuschauer spielt quasi Mäuschen in der Welt der Geheimdienste.
Mh, ich weiß nicht. Ich glaube es könnte auch daran liegen, das bei Hüfthöhe und wenig Headroom halbnahe Einstellungen bei trotzdem kurzer Kameradistanz erzielt werden können, welche bei Akteuren wichtig sind, die mit ihrer ganzen Gestik arbeiten um eine Komik zu erzeugen. Das bietet in der geringen Distanz gleichzeitig noch mimische Erkennung und die Schnitte zu Naheinstellungen - wenn es auf die Mimik ankommt - sind dann weniger abrupter. Hitch hielt ja sehr am alten Hollywood Stil der langsamen, progressiven Annäherung (Im Schatten des Zweifels: ganze 4 einander liegende Einstellungen eines Hauses die von einer Totalen zur Halbnahen eines Fensters voranschreiten).

Re: Der Hitchcock Thread

#8
Das Fenster zum Hof

Eine vollkommene Struktur verschmilzt auf so intensive Weise mit der wahrscheinlich größten Metapher der Filmgeschichte wie kein zweites Mal.
Es ist die Metapher des Filmemachens. James Stewart nimmt dabei die wichtigsten Rollen zugleich ein. Er ist der Drehbuchautor, wenn er sich eine Story aus verschiedenen Prämissen (Begebenheiten die er gesehen hat) zusammen strickt; er ist der Regisseur, wenn er entscheidet was er sehen will (wohin er sieht) oder wann er sehen will (wann er "schneidet" indem er sich anderem widmet oder schläft); er ist Zuschauer, wenn er machtlos mit Grace Kelly hinter den "Cinemascope"-Fenstern auf der anderen Hofseite mitfiebert; und schließlich wird er zum Schauspieler, wenn es in seiner Wohnung zur Konfrontation kommt.
Das alles hinter einer Struktur, wie sie filmischer nicht sein könnte. Man könnte dem Film den kompletten Ton entziehen und bräuchte nur ein paar Zwischentitel für den Subplot um Grace Kelly einsetzen und die Handlung wäre genauso nachvollziehbar. Der Hauptplot besteht nur aus Aktion und Reaktion. Stewart sieht etwas und reagiert darauf. Eine Besonderheit dabei ist, das der ganze Film aus dem Point of View von Stewart spielt. Ein Höchstmaß an Identifikation mit ihm, was uns all seine Gefühle mit ihm teilen lässt und ganz im Dienste der Story-Metapher steht: Stewart ist die Kamera in der Kamera. Nur kurz trennen wir uns von Stewarts PoV, wenn Hitch uns etwas zeigt, was den nächsten Wendepunkt vorbereitet und dabei Abwechslung von der streng subjektiven Struktur bietet.
Vor allem der Antagonist ist gelungen. Wir lernen ihn nie kennen, sehen ihn vielleicht 2-3 Mal in der Nahaufnahme und trotzdem, nein, gerade deshalb ist er mit zunehmender Zeit bedrohlicher als die meisten anderen Schurken. Unsere Phantasie reicht völlig aus um uns das Grauen hinter den Fenstern vorzustellen und das wir ihn nie kennen lernen macht ihn unberechenbar.

Es geht im Film um viel mehr als den Mord. Alles steht im Zeichen der Liebe. Alles was Stewart aus seinem Fenster im Hof beobachtet spiegelt einen Aspekt der Liebe oder Stadium der Ehe wieder. Ein unverheirateter Musiker, der ohne ein Ventil im Suff zu ertrinken droht, wovon Stewart selber bedroht werden könnte, sollte er Grace Kelly nicht heiraten. Eine einsame Frau, die verzweifelt nach ehrlicher Liebe sucht. Die sehr umworbene Tänzerin, die sie aber genauso wenig hat. Ein junges, Frischvermähltes Paar, das den ganzen Tag nur rammelt. Das sich neckende kinderlose alte Ehepaar, das ihren kleinen Hund wie ein Kind liebt und schließlich das andere Ehepaar, dessen Streitereien einen grausamen Höhepunkt finden.
Am Ende bleibt die Ironie der Realität. Das Frischvermählte Ehepaar fängt an zu streiten. Die Tänzerin, die sich problemlos einen der wohlhabenden Männer die Schlange stehen aussuchen könnte, legt sich einen kleinen einfachen Soldaten zu. Die einsame Frau die nach intensiver Suche schon aufgeben und Schluss machen wollte findet durch Zufall zum Musiker nebenan. Und IT-Girl Grace Kelly geht einen scheinbaren Kompromiss für den Abenteurer James Stewart ein.
Die Botschaft ist klar: Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen.

Technisch ist Hitchcock auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Ohne ein Wort zu verlieren erfahren wir in der ersten Minute alle nötige Exposition um uns mit der Situation vertraut zu machen, wozu andere Autoren Seitenlangen Dialog benötigen. Eine schnelle Montage von scheinbar chaotischen Nahaufnahmen des Kampfes von Stewart und dem Mörder am Höhepunkt des Films und kurzen, schnellen Zwischenschnitten der heraneilenden Polizei was die Dramatik der Situation vermittelt.
Symbolik in der Temperatur, die wie die Spannung fällt; in der Einstellung, die Grace Kelly in der Wohnung des Mörders im ersten Stock und die einsame Frau direkt darunter zeitgleich am Fenster stehend zeigt und deren Schicksal sich zugleich umzukehren scheint; oder in der Farbe der Kleidung. Grün, die Farbe der Hoffnung trägt Grace Kelly wenn sich ihre Aussichten auf eine dauerhafte Beziehung mit Stewart mehren, sowie auch die einsame Frau, wenn sie die Liebe sucht. Trauriges Schwarz für Grace Kelly, wenn Stewart ihr klar macht, dass sie nicht zusammenpassen. Unschuldiges Weiß, wenn sie der größten Bedrohung ausgesetzt ist und schließlich leidenschaftliches Rot für die Liebe, wenn sie Stewart erobert hat.



10/10 Punkte für Hitchcocks bestes Werk.

Re: Der Hitchcock Thread

#9
ganz tolle Rezension! Super! Ja, der Film ist perfekt und das beste Beispiel für rein visuelles Kino bei Hitchcock. Das mit dem Stummfilm-Potemzial fällt mir auch immer wieder auf.

Toll ist, dass der FIlm auf so unterschiedlichen Ebenen funktioniert. Während du wunderbar beschrieben hast, wie Hitchcock hier seine Meinung zu Mann und Frau in den verschiedenen Episoden rüberbringt, so gefällt mir der FIlm vor allem als absolut stimmungsvoller Thriller. Diese Nacht in der Stewart immer wieder aufwacht und bei Regen die Szenerie beobachtet ist für mich eine der intensivsten Filmerlebnisse. Sowas vermisse ich heute oft. Der Film funktioniert daher auch wunderbar mal zwischendurch, abends im Bett mit Laptop :-)

Wenn auch ein ganz anderer Film, so gefällt mir übrigends I Am Legen auch deswegen so gut, weil er praktisch auch als Stummfilm funktionieren würde...
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Der Hitchcock Thread

#10
danielcc hat geschrieben:a, der Film ist perfekt und das beste Beispiel für rein visuelles Kino bei Hitchcock. Das mit dem Stummfilm-Potemzial fällt mir auch immer wieder auf.
Die Dialoge bringen dafür den einzigen Humor mit hinein und das auf eine sehr angenehme, subtile und natürliche Weise. Ansich könnte die Story nicht dunkler sein, denn trotz der Ironie der Realität, die auch positive Situationen bzw. Stadien in der Liebe/Ehe zeigt, so überwiegt doch die negative, da es ein Teufelskreis ist, aus dem nur die wenigsten (Das Pärchen mit dem Hund) - scheinbar - ausbrechen können.

Noch eine visuelle Koryphäe ist heut Abend auf ARTE zu beobachten. Dafür müsste auch noch ein Thread eröffnet werden!
danielcc hat geschrieben: Toll ist, dass der FIlm auf so unterschiedlichen Ebenen funktioniert. Während du wunderbar beschrieben hast, wie Hitchcock hier seine Meinung zu Mann und Frau in den verschiedenen Episoden rüberbringt, so gefällt mir der FIlm vor allem als absolut stimmungsvoller Thriller. Diese Nacht in der Stewart immer wieder aufwacht und bei Regen die Szenerie beobachtet ist für mich eine der intensivsten Filmerlebnisse.
Genau, diese verschiedenen Ebenen hängen so stark zusammen wie in nur wenigen Filmen. Das beste an Hitchcocks Struktur ist, das eben diese Ebenen oder auch Subplots früher oder später mit dem Hauptplot verschmelzen und neue antagonistische Kräfte zur Verkomplizierung der Story mitbringen. Hier ist es halt die Liebesgeschichte zwischen Grace Kelly und Stewart, die die Spannung und Dramatik ungemein erhöhen.

Re: Der Hitchcock Thread

#12
RW06 hat geschrieben:Ich möchte meiner Mutter zum Geburtstag eine schöne Sammlung von guten Hitchcock Filmen schenken!

Könnt ihr mir vielleicht eine Edition empfehlen, wo gute Filme mit drin sind! Bin leider auf dem Gebiet ein Laie!
Ist zwar etwas teuer aber die:
Alfred Hitchcock Collection (DVD)
ist ziemlich gut.Sie enthält die Filme:
Cocktail für eine Leiche
Das Fenster zum Hof
Der Mann ,der zuviel wusste
Psycho
Die Vögel
Vertigo
Marnie
Frenzy
Im Schatten des Zweifels
Immer Ärder mit Harry
Der zerrissene Vorhang
Sabouteure
Topas
Familiengrab


Unter folgendem Link ist sie erhältlich:
http://www.weltbild.de/3/15888464-1/dvd ... ction.html
http://www.amazon.de/Alfred-Hitchcock-C ... 305&sr=1-3

Ich hoffe dass bringt dir was. :)
Zuletzt geändert von Casino Hille am 9. August 2010 22:01, insgesamt 1-mal geändert.
Prejudice always obscures the truth.