Re: Zuletzt gesehener Film

9241
De Rouille et d'Os (2012, Jacques Audiard)

Tolle Synthese aus tragikomischem Feel-Good-Movies und authentischer Lebensstudie, eigentlich der bessere Les Intouchables. Der Film handelt von einer Wal-Trainerin, sehr stark und charmant gespielt von Marion Cotillard, die bei einem Arbeitsunfall beide Beine verliert und auf dem Weg zurück ins Leben und ins Glück eine ungewöhnliche Freundschaft mit einem raubeinigen alleinerziehenden Vater eingeht, der sein Geld mit illegalen Thai-Kämpfen und allerhand anderen zwielichtigen Machenschaften verdient. Eine ungewöhnliche und widerspenstige Geschichte, die aber ein enormes Leben entwickelt durch ihre pulsierenden Bildsprache und komplex-emotionale Charaktere. 8 oder 9 Punkte.

Audiard hat mittlerweile auch einen englischsprachigen Film gedreht, einen Western mit Joaquin Phoenix, John C. Reilly und Jake Gyllenhaal, und die Kombi aus nun auch bei mir bewährtem Regisseur, kernig-coolen Darstellern und einem der tollsten Genres überhaupt hört sich so vielversprechend an, dass ich den nächste Woche unbedingt noch nachholen muss. Zum Glück läuft er noch.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9242
Casino Hille hat geschrieben: 1. April 2019 09:58 Das ist ja witzig, denn der häufigste Kritikpunkt am Film, der mir bislang begegnet ist ist der, dass Us in den letzten 20 Minuten in einem viel zu langen, in jeder Hinsicht unnötigen Monolog seinen ganzen Plot erklärt und seine Geheimnisse/Mysterien aufgibt.
Naja, da wird tatsächlich einiges erklärt, und manches davon hätte man sich sicherlich sparen können, gleichzeitig bleibt aber auch noch einiges offen. Und zwar absolut grundlegende Dinge.
Casino Hille hat geschrieben: 1. April 2019 09:58 Da die seit Februar 2014 Oscarpreisträgerin ist, und in großen Blockbustern wie Star Wars und Black Panther dabei war, haben die glaube ich alle längst im Blick. :wink:
Nö. Du hast natürlich recht, dass auf einer Seite wie dieser, eine derartige Erwähnung unnötig ist, da sich hier Filmfans tummeln. Aber geh doch mal auf die Straße und frag nach ihr. Kein Mensch wird wissen wer sie ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie in den Werbekampagnen für Black Panther oder Star Wars groß präsent war. Ich habe auch gehört, das sie durchaus immer wieder Schwierigkeiten haben soll Filmrollen engeboten zu bekommen (Ob das stimmt kann ich natürlich nicht beurteilen). Nur weil jemand in bekannten Filmen mistpiel und Oscarpreisträger ist, heißt das nicht, dass er wirklich bekannt ist.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Zuletzt gesehener Film

9243
iHaveCNit: Friedhof der Kuscheltiere (2019)
09.04.2019


Ein Film, der natürlich auch auf meiner Liste gelandet ist, ist die Neuverfilmung von Stephen Kings Roman „Friedhof der Kuscheltiere“ und der ersten Verfilmung aus dem Jahr 1989. Das Buch selbst habe ich nicht gelesen und auch die erste Verfilmung aus 1989 habe ich erst gestern gesehen, die mich dann doch relativ gelangweilt und unbeeindruckt zurückgelassen hat. Dementsprechend habe ich von der neuen Verfilmung relativ wenig erwartet und habe dann doch einen relativ guten Horrorfilm zu sehen bekommen.

Dr. Louis Creed zieht mit seiner Familie von der großen Stadt in ein ländliches Idyll in Maine. Auf dem erworbenen Grundstück befindet sich ein kleines Waldstück, in dem es einen Friedhof gibt auf dem tote Haustiere begraben werden. Nachdem der Kater der Familie von ständig auf der Straße rumrasenden Trucks erfasst wird und stirbt, lässt sich Louis vom alten Nachbar Jud dazu überreden, das Tier auf einem alten mysteriösen Friedhof zu begraben, der weit hinter dem bereits gesichteten Friedhof befindet. Sie ahnen nicht, was sie hier für eine Kettenreaktion in Gang setzen.

Der Film schafft es sehr gut, eine etwas unbehagliche, unheilvolle und düstere Atmosphäre zu schaffen, die dem dargebotenen Horror für mein Empfinden sehr gut tut. Auch die Auswahl von Jason Clarke und John Lithgow in wichtigen Rollen ist aus darstellerischer Sicht ebenfalls relativ gut. Es werden im Film sehr schön die Themen Verlust, Trauer und Schuld behandelt und der Film lässt es sich nicht nehmen, auch einige Handlungsdetails aus dem Original zu variieren und auch im Bereich der Spannung und des Horrors mit den Erwartungen zu spielen. Klar kann es der Film nicht vermeiden sich stellenweise mit eher billigen Schockeffekten auszuhelfen und auch an der einen oder anderen Stelle das ansonsten sehr bodenständige und handgemachte Setting mit etwas computergenerierten Effekten zu ergänzen. Insgesamt hat mir der Film relativ gut gefallen, auch wenn er im Vergleich zu diversen anderen Filmen des Genres aus den letzten Jahren eben auch nur das ist.

„Friedhof der Kuscheltiere“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9244
GoldenProjectile hat geschrieben: 7. April 2019 21:00 Audiard hat mittlerweile auch einen englischsprachigen Film gedreht, einen Western mit Joaquin Phoenix, John C. Reilly und Jake Gyllenhaal, und die Kombi aus nun auch bei mir bewährtem Regisseur, kernig-coolen Darstellern und einem der tollsten Genres überhaupt hört sich so vielversprechend an, dass ich den nächste Woche unbedingt noch nachholen muss. Zum Glück läuft er noch.
Es war tatsächlich ein guter Kinobesuch und zumindest schon mal schön, wieder einen brauchbaren Western auf der Leinwand zu sehen. Audiard lässt die Geschichte wenig vorhersehbare Haken schlagen von der Kopfgeld-Hatz zum Goldsucher-Abenteuermärchen, jongliert mit Stimmungslagen und lässt den Film mal mit zynischem Humor, mal mit anrührender Freundschaft und mal mit erschütternder Tragik und Brutalität wirken. Das Genre aller Genres wird gleichermassen urtypisch erfüllt wie auf den Kopf gestellt wenn Audiards Inszenierung es in sehr dunklen (es gibt viele Nachtszenen und selbst am Tag wird oft ein Teil des Lichts rausgenommen) und wuchtigen Szenen präsentiert, bei denen eine grosse Schiesserei auch mal kurz als von Musik überlagerte Zwischenszene dargestellt wird und sowieso vieles auf schlichte Art anders kommt, als man denkt. Die Figuren sind Herz und Seele des Films, und da hilft es, kernig-charismatische Nasen wie Phoenix und Gyllenhaal an Bord zu haben, auch wenn John C. Reilly ihnen meistens die Show stiehlt. Hätte man noch mehr daraus machen können? Hätte man. 7,5 / 10

HCN und Maibaum, habt ihr denn den neuen Audiard schon gesehen?
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Re: Zuletzt gesehener Film

9246
Maibaum hat geschrieben: 11. April 2019 13:18 Nee, der lief hier bislang nicht, was schade ist, da jetzt schon seit Wochen nichts läuft worauf ich richtig Lust habe, und da käme ein Western von Audiard genau richtig.
Sehr blöd. Liegt wohl an den lokalen Kinos, oder? Weil draussen sollte er sein. Lief hier übrigens auch nur vereinzelt in eher kleinen Sälen, habe einen guten erwischt aber noch einen Tag länger und ich hätte zur örtlichen Besenkammer-Leinwand gehen müssen.

Was sagst du denn so zu den rostigen Knochen?
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Re: Zuletzt gesehener Film

9247
GoldenProjectile hat geschrieben: 11. April 2019 13:54
Maibaum hat geschrieben: 11. April 2019 13:18 Nee, der lief hier bislang nicht,
Sehr blöd. Liegt wohl an den lokalen Kinos, oder?
Ja, das ist kommerziell betrachtet natürlich ein Film der es schwer hat. Sehr schwer.
Was sagst du denn so zu den rostigen Knochen?
Den mochte ich, ebenso diverse andere von Audiard, vor allem den harten Knastfilm "Ein Prophet".

Re: Zuletzt gesehener Film

9248
The Sisters Brothers war für mich, ähnlich wie für Eric, eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Im letzten Viertel geht der wendungsreichen Geschichte, die mehrere echte Überraschungen (fernab von den Pseudo-Wendungen, die man aus dem Kino gewohnt ist) zu bieten hat, dann doch allmählich die Puste aus und es enttäuscht zudem das abschließende Gefühl, man hätte schon im langen, aber nicht langgezogenen Mittelteil noch mehr Tiefe aus den Charakteren rausholen können. Dennoch bleibt ein inszenatorisch über weite Strecken überragender Western, der dank John C. Reilly und Jake Gyllenhaal zwei darstellerische Glanzlichter vereinen kann und zudem Benoît Debie (der wahre Roger Deakins, sozusagen) hinter der Kamera sitzen hat, der in Filmen wie Enter the Void, Irreversible und Spring Breakers atemberaubend schöne Bilder zauberte und auch hier erstaunliches abliefert.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

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Re: Zuletzt gesehener Film

9249
Sehr schön, vor allem was du zu den Bildern sagst. Stark ist das Spiel mit den Nachtszenen, so eröffnet Audiard den Film gleich einmal in totaler Dunkelheit und setzt auch später fast alle Schlüsselszenen nachts in Szene. Da gab es eine grandiose Szene/Einstellung, in der Phoenix kurz etwas erklärt, und dabei komplett im Dunkeln ist, und man nur Teile von Hut und Gesicht auf einer völlig schwarzen Leinwand sieht.

Aber insgesamt hätte Audiard vor allem aus dem Ende noch etwas mehr machen. Spass gemacht hat's trotzdem. Aber ich warte immer noch auf den diesjährigen Überknaller...
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Re: Zuletzt gesehener Film

9251
iHaveCNit: Heavy Trip (2019)
13.04.2019


Den Beginn der Filme, die ich aus dem Jahr 2019 im Heimkino nachholen werde macht die finnische Produktion „Heavy Trip“, die zu Beginn des Jahres einen limitierten Release bekommen hat und den ich mir bei der Masse an Filmen im Januar für das Heimkino aufgehoben habe. Und der Film hätte mich auch im Kino richtig begeistert.

Turo, Pasi, Lutvonen und Jynkky sind in ihrer finnischen Provinz Außenseiter und sie proben mittlerweile seit über einem Jahrzehnt in einem Keller – sie sind eine Metalband namens „Impaled Rektum“, doch einen Gig haben Sie noch nie gegeben. Umso interessanter für die 4, dass sich dann auch ein großes Festival in Norwegen anbietet, zu dem die 4 nach einem ersten missglückten Auftritt aufbrechen. Das wird das Abenteuer ihres Lebens.

Für mich als Metaller ist dieser Film Pflicht - „Heavy Trip“ ist eine unterhaltsame Road-Trip-Komödie, die sich jeder Metalfan einmal angesehen haben muss. Die Musik, das Lebensgefühl und alles Weitere gibt es hier zu sehen. Aus der Sicht von 4 Außenseitern, bei denen sehr charmant auch zu jeder Zeit noch die Naivität und Unsicherheit hervorsticht. Und so wechseln sich skurrile und witzige Situationen ab, wir bekommen noch eine kleine Romanze integriert. Mir sind die Außenseiter ans Herz gewachsen und ich würde mir auf jeden Fall dann auch mal ein Konzert dieser Band ansehen und mir auch eine Platte kaufen. Sehr charmant, kurzweilig, witzig und skurril kommt dieser kurze und kompakte Roadtrip daher, bei dem ich am Ende auch mich vom Headbangen hab anstecken lassen.

„Heavy Trip“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9252
iHaveCNit: (Flashback 2018): Climax (2018)
14.04.2019

Natürlich gibt es im Filmjahr 2018 einige Filme, die ich noch nachholen will. Der erste in dieser Reihe ist der am 06.12.2018 gestartete „Climax“ des Regisseurs Gaspar Noe. Bekommen habe ich einen abgefahrenen Trip und eine sehr interessante Seherfahrung.

Eine 21-köpfige Tanzgruppe quartiert sich in einer Schule ein um die Proben für eine anstehende Tour abzuschließen. Bei der danach folgenden Abschlussparty jedoch hat jemand in die Sangria-Bowle scheinbar unbemerkt eine unbekannte Menge an unbekannten Drogen reingepackt. Das führt zu einem unkontrollierten Höllentrip, nach dem sich alles für diese Tanzgruppe ändern wird.

Der Film ist abgefahren gut gefilmt, hat einen tollen Soundtrack und diese fast kammerspielartige Atmosphäre erzeugt einen regelrechten Sog. Jeder der einzelnen Charaktere wird auch mit wenigen und einfachen Mitteln glaubhaft charakterisiert und so hat sich für mich ein sehr rundes authentisches Bild ergeben. Und die angeschnittenen Themen wie Vertrauen, Misstrauen, Liebe, Leben, Tod und noch einige darüber hinaus sind in diesem abgefahren kompromisslosen Trip perfekt eingebunden worden.

„Climax“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9253
Whiplash

einer der besten Filme aus dem Musik-Genre so a'la "Fame" meets "A Chorus Line" der letzten Jahre mit hervorragendem Cast!
Besonders hervorzuheben J.K. Simmons als sadistischer Jazz-Lehrer Terrence Fletcher, dessen unlautere Methoden seine Musiker zu Überspitzenleistungen zu treiben, indem er in ihnen einen Hass auf sich provoziert, ist fulminant. Dieser Zweikampf zum Drummer Andrew Neimann, gespielt vom ebenso herivorragenden Miles Teller, verleiht dem Film eine ungeheuerliche Dynamik, die man ihm abnimmt. Zufällig (?) war auf "ORF2" vorher eine Talk-Show über einen Skandal in der Österr. Balletschule, wo einer russichen Tanzlehrerin ähnliche Foltermethoden vorgeworfen wurden. Diese sadistischen Lehrmethoden waren mir schon vorher bekannt. Sie wurden eigentlch schon immer im Sinne der Zweck heiligt die Mittel stilschweigend akzeptiert. Erst in jüngster Zeit, im Zuge der allles ist soft alles ist cool, kriminalisiert.
Karlheinz Böhm, als er seinem berühmten Vater, dem Dirigenten Karl Böhm, beichtete, er wolle Schauspieler werden, traf das ihn wie einen Schlag!
Er beschimpfte ihn: "Künstler zu sein hat nur dann einen Sinn, wenn man den Willen hat, darin erstklassig zu sein!" (Aslo unter der Blume wollte er ihm klar machen: Lass das!)"
Sei's wie's sei, mit Ausnahme des bisschen ins meolodramtisch triviale Abgleiten am Ende, dennoch ein Meisterwerk. Leider konnte Damian Chazelle diesen Standrd in "Lala-Land" nicht halten.
10/10 Punkte
"There is sauerkraut in my lederhosen."
Bild

Re: Zuletzt gesehener Film

9254
iHaveCNit: (Str8 2 HC): Upgrade (Release: 11.04.2019 / First Look: 2019)
14.04.2019


Wie lange ich wohl darauf gewartet habe ? Gefühlt extrem lange ! Als ich im Laufe des letzten Jahres erste Infos über „Upgrade“, den Trailer und auch Kritiken aus den vereinigten Staaten gesehen habe, konnte ich es gar nicht erwarten, den Film endlich auch in Deutschland zu sehen. Und das Warten hat sich wirklich gelohnt.

Grey Trace restauriert in einer fernen Zukunft Oldtimer. Bei einem brutalen Überfall wird seine Frau getötet und er querschnittsgelähmt zurückgelassen. Daraufhin bekommt er von einem Erfinder das Angebot einen Chip implantiert zu bekommen, der ihm das Laufen wieder ermöglichen soll. Mit der Zeit findet er jedoch heraus, welche Fähigkeiten er mit dem Chip noch bekommt und nutzt diese, um Rache an den Mördern seiner Frau zu nehmen.

„Upgrade“ ist ein Science-Fiction-Action-Rachethriller und ein richtiges Brett geworden. Irgendwie erinnert der Film gerade durch seinen Hauptdarsteller Logan Marshall-Green und dessen Ähnlichkeit zu Tom Hardy an den im letzten Jahr erschienenen „Venom“ - nur mit dem Unterschied, dass sich kein Virus im Körper breit macht sondern eine künstliche Intelligenz, die den Körper und dessen Fähigkeiten verbessert. Gerade durch das Design des Films, seinen Soundtrack, seine Kameraführung auch in Actionsequenzen, den Spezialeffekten macht der Film für sein eher kleines Budget einen richtig hochwertigen und tollen Eindruck. Auch darstellerisch ist Logan Marshall-Green eine richtig gute Wahl für die Hauptrolle. Und in den Actionsequenzen geht der Film auch nicht zimperlich mit der Darstellung von Gewalt um. Klar hätte der Film auf der Antagonistenseite etwas mehr Profil vertragen können, aber die formelhafte Rachestory kann dann doch zum Ende hin mit einer relativ konsequenten und mutigen Konklussion punkten.

„Upgrade“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

9255
Kritik: "The Circle" (2017)

Schon 1949 präsentierte uns George Orwell mit seinem Roman „1984“ die Idee des Überwachungsstaates. Auch der Roman „The Circle“ von Dave Eggers aus dem Jahre 2013 versuchte diese Idee der umfassenden Überwachung und Transparenz neu zu interpretieren. Der Film „The Circle“ von 2017 versucht das in Form einer cineastischen Umsetzung auf die Leinwand zu bringen.
Nun stellt sich mir die Frage, in wie weit dieser Film im Rahmen dieser Thematik Qualität aufweist und als Neuinterpretation eines solchen Gedankens angesehen werden kann oder sich mit dieser Thematik selbst zu stark belastet und dem Thema nicht gerecht wird, welchem er sich angenommen hat. Das gilt es zu untersuchen.
Grundsätzlich muss man sagen, dass die Handlung bzw. die Grundthematik dieses Filmes aktueller denn je ist, allein schon durch die Situation der modernen Medien, sozialer Netzwerke wie Twitter oder Instagram und aufgrund der angehäuften Datenskandale bei Facebook der letzten Jahre. Hier wurden Daten gesammelt und zum Beispiel extern ausgewertet, um diese für politische Zwecke auszunutzen. Auch der Fall des Edward Snowden und der Überwachungsskandal der NSA dürfte vielen noch im Gedächtnis stehen.
„The Circle“ versucht sich an einem Ansatz der Analyse einer hier heraus entwickelnden Dystopie. Der Film präsentiert uns einen Konzern, der von seinen Charakteristiken und den Ideen und der Organisation eine bunte Tüte aus Google, Facebook, Amazon und Apple in sich vereint. Der Film möchte zeigen, wie Menschen in diese Systeme hinein geraten, die von solchen Konzernen entwickelt werden, und im Zuge dessen sich einer gewissen Abhängigkeit aussetzen. Folge dieser Abhängigkeit ist die totale Überwachung des Individuums, bis in seine intimsten Ecken. Dieser müssen sich hier die Menschen zwangsläufig ergeben, ansonsten droht ihnen die Diffamierung als Lügner. Der Film entwickelt hier eine Art digitalen Faschismus. Die Motive der handelnden Personen entwickeln sich hier vor allem aus sozialen Problematiken, denen sie genauso hilflos ausgesetzt sind. Diese Schwäche nutzen die Netzwerke bzw. Konzerne gnadenlos aus, behaupten es sei ihre moralische und humanistische Pflicht. Das diese Pflicht eigentlich beim Staat liegt, wird hier nicht genannt. Der Staat wird als schwach angesehen, der Konzern muss helfen, ja gleich die ganze Welt verbessern. Dem gegenüber stehen die an Burnout leidenden Mitarbeiter, die allerdings nach außen hin nicht auftreten.
Der Konzern verkauft sich als humanistisches Leuchtfeuer, überwacht Mitarbeiter allerdings durch sozialen Druck über Socialmedia-Kanäle. Ignoriert man diese, wird man schnell dumm angestarrt. Hier kennzeichnet sich die gesellschaftskritische Seite des Films, die in einer Orgie der Befragung der Hauptperson mündet, warum sie denn die Socialmedia-Kanäle nicht bespielen würde. Dabei ist die Hauptperson, Mae Holland, eine Metapher für unsere naive Gesellschaft, die den technischen Fortschritt nicht hinterfragt, sondern die Entwicklung stillschweigend hinnimmt.
„The Circle“ versucht viele Ideen und Ansätze anzureißen, allerdings werden Ideen, wie die Integration privater Konzerne in staatliche demokratische Systeme, in einem Meeting kurz ab gefrühstückt, aber nicht weiter verfolgt. Sie bleiben an der Oberfläche angekratzt. Der Film versucht zwar leicht unterzutauchen, traut sich aber nicht Wasser zu schlucken und konsequent den Zuschauer mit aller Härte, mit den Folgen zu konfrontieren. In einer einzigen Szene versucht der Film genau das, die betroffene Person ist dem Zuschauer allerdings gleichgültig, die Hauptperson bleibt relativ unberührt.
„The Circle“ versucht eine Dystopie anzureißen, lässt allerdings viele gute Punkte im Raum stehen und führt sie nicht weiter aus. So etwas kann in einem Roman vielleicht durch die Fantasie des Lesers weitergesponnen werden, im Film hätte man hier aber weiter darauf eingehen müssen. Ein Film muss nicht immer alles beantworten und den Zuschauer komplett aus der Pflicht nehmen sich Gedanken dazu zu machen, trotzdem wirkt „The Circle“ etwas leidenschaftslos, da nur Gedankenansätze hintereinander abgebildet werden. „The Circle“ scheint sich dabei gar nicht den Anspruch gestellt zu haben, die nötige Tiefe zu erreichen, die die behandelte Thematik abverlangt.
Die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt solide. Tom Hanks spielt, wenn er dann mal einen Auftritt erhält, sehr gut. Mir drängt sich allerdings die Frage auf, ob Emma Watson möglicherweise fehlbesetzt ist oder ob sich hier Schwächen des Drehbuchs auftun. Mit der Hauptperson konnte ich nämlich emotional kaum mitfühlen.
So versucht „The Circle“ eine unglaublich wichtige Thematik aufzugreifen, versteht die Relevanz dieser Thematik, vor allem in unserer heutigen modernen Welt des „Digitalen Zeitalters“, schafft es allerdings nicht die nötige Tiefe, zur Zeichnung einer konkreten Dystopie, zu erreichen und lässt dadurch viel Potenzial bei den angerissenen Themen und Ideen liegen. Ich hatte allgemein weniger große Erwartungen an den Film, allerdings hat er diese letztlich noch unterboten und erhält somit 5/10 Punkten.

In den kommenden Tagen bzw. diese Wochenende erreichen euch wahrscheinlich noch weitere Kritiken von mir, da ich echt selten hier was von mir hören bzw. lesen lasse. Aktuell habe ich Ferien und kann die Zeit nutzen fleißig Filme nicht nur zu schauen, sondern auch ausführlich zu reflektieren, in Form eben einer solchen Rezension.
Es folgen erst einmal Kritiken vermutlich zu „Das Leben des Brian“ (1979) und „Ghostbusters“ (1984), da diese Filme offiziell in diesen Tagen, den sogenannten „stillen Feiertagen“, von der FSK verboten sind bzw. zensiert werden. Um dem entgegenzuhalten möchte ich auf diese Filme aufmerksam machen und ein Zeichen für die Kunstfreiheit setzen. Über Kunstgeschmack lässt sich streiten, über die Freiheit der Kunst nicht.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und entspannte Feiertage. Man liest sich :)